Prozess in Genf

Ehefrau verteidigt Pierre Maudet: «Eine Welt geriet aus den Fugen»

SDA/uri

17.2.2021 - 12:26

Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet muss sich seit Montag wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung vor Gericht verantworten.
Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet muss sich seit Montag wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung vor Gericht verantworten.
Keystone

Im Strafprozess von Pierre Maudet tritt seine Ehefrau als Zeugin auf. Catherine Maudet nahm ihren Mann in Schutz: Für den Staatsrat sei es in Genf fast unmöglich gewesen, «seinen Staatsmann-Anzug» loszuwerden. 

Die Ehefrau des Genfer Staatsrats Pierre Maudet hat am Mittwoch im Strafprozess vor dem Polizeigericht ausgesagt. Sie erzählte, wie sich ihr Leben durch die umstrittene Reise nach Abu Dhabi im Jahr 2015 auf den Kopf gestellt hat.

Für sie sei der grösste Schock gewesen, als sie erfahren habe, dass gegen ihren Ehemann ein Antrag auf Aufhebung der Immunität gestellt worden sei. «Eine Welt geriet aus den Fugen», sagte sie im Zeugenstand stehend, direkt vor ihrem auf der Bank sitzenden Ehemann. Catherine Maudet erwähnte auch, dass sie sehr unter der Darstellung ihres Mannes in den Medien gelitten habe. Dieses Bild war «ganz anders als der Mann, den ich kenne».

Sie erinnere sich, wie schwer ihr Mann damit zu kämpfen hatte, «seinen Staatsmann-Anzug» loszuwerden. In Genf sei dies unmöglich. Ein Magistrat werde ständig umworben. «Der einzige Weg etwas Distanz zu gewinnen, ist für uns, den Kanton zu verlassen», sagte sie. Und auch in diesem Fall denke der Staatsrat stets an die Arbeit.

Die Reise nach Abu Dhabi sei ein perfektes Beispiel dafür, fuhr sie fort. «Es war eine Vermischung von Privatem und Offiziellem zur selben Zeit.»

«Kein Interesse an Luxus»

Geld habe in der Familie von Pierre Maudet nie einen zentralen Platz eingenommen, sagte seine Frau weiter «Es ist nicht das, was ihn interessiert, was ihn motiviert». Luxus habe keine Bedeutung für den Staatsrat, der genau wie sie selbst mit religiösen Werten erzogen worden sei, die er an seine drei Kinder weitergeben wolle.

«Die Kundschaft aus den Golfstaaten ist extrem wichtig für die lokale Wirtschaft», sagte Thierry Lavalley, der ehemalige Präsident des Genfer Hotelierverbands. Der Hotel-Manager, der auf Antrag der Verteidigung von Maudet als Zeuge geladen war, betonte die Bedeutung dieser Region für den Genfer Tourismus.

Besucher aus dem Golf gehörten zu den Top 5 der Übernachtungsgäste in Genf. Auch die Mentalität des Nahen Ostens sei anders. «Wenn man eingeladen wird, kann man nicht ablehnen», sagte Lavalley. Damals galt es, diese arabische Kundschaft zurückzugewinnen. Man musste ihnen versichern, dass Genf wieder ein sicheres Reiseziel geworden war.

Maudet steht seit Montag auf der Anklagebank des Polizeigerichts. Der seit dem Ausschluss aus der FDP parteilose Genfer Staatsrat muss sich wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung verantworten.

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