Ueli Maurer verteidigt Chinas umstrittene Neue Seidenstrasse

SDA

26.4.2019 - 02:15

«Es ist wohl das grösste Investitionsprojekt unseres Jahrhunderts»: Bundespräsident Ueli Maurer zur geplanten Neuen Seidenstrasse. (Archivbild)
Source: Keystone/Ennio Leanza

Vor Beginn des «Seidenstrassen»-Gipfels in Peking verteidigt Bundespräsident Ueli Maurer das umstrittene Prestigeprojekt Chinas. Die Milliardeninvestitionen in weltweite Infrastrukturen schafften Arbeit und Sicherheit.

Ab dem heutigen Freitag versammeln sich in Peking knapp 40 Staats- und Regierungschefs zum Forum Seidenstrasse. Eingeladen hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, mit dabei sind auch Russlands Präsident Wladimir Putin, Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bundespräsident Ueli Maurer.

Während die Kritik an dem gigantischen globalen Infrastrukturprojekt wächst, fand Bundespräsident Ueli Maurer vor Gipfelbeginn lobende Worte für die Neue Seidenstrasse. Die Milliardeninvestitionen in Infrastrukturen um den Globus schafften Arbeit und Sicherheit, sagte Maurer in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Freitag. Wo Wohlstand entstehe, gebe es weniger Kriege.

Sicher verfolge China bei dem Vorhaben auch eigene Interessen, sagte der 68-jährige Finanzminister weiter. «Das hat jede Weltwirtschaft.» Das könne man China nicht absprechen, aber auch nicht vorwerfen.

Kritiker warnen vor Schuldenfalle für arme Länder

Mit den Staats- und Regierungschefs sowie Repräsentanten aus mehr als 100 Ländern hat am Freitag in Peking der Gipfel zu Chinas Initiative für den Bau einer Neuen Seidenstrasse begonnen. Es ist nach 2017 der zweite Gipfel dieser Art. Mit Milliardeninvestitionen in Strassen, Schienenwege, Häfen und andere Infrastrukturprojekte will China neue Wirtschaftskorridore nach Europa, Afrika und Lateinamerika und eine besser vernetzte Welt schaffen.

Kritiker warnen hingegen besonders arme Länder vor einer Schuldenfalle und politischen Abhängigkeiten von Peking. Gemäss Schätzungen könnte sich das finanzielle Volumen des Projekts in den kommenden 30 Jahren auf mehrere Billionen Dollar belaufen.

Maurer, der mit einer Finanz- und Wirtschaftsdelegation am Ostermontag nach China abgereist war, hält Kritik an dem Projekt etwa aus den USA, Frankreich und Deutschland für legitim. «Aber die Schweiz ist ein neutraler, unabhängiger Staat. Wir bewegen uns, wie wir es für richtig erachten.»

Maurer will Einfluss nehmen

Kritik sei in Ordnung, erklärte der SVP-Bundesrat. «Aber nur kritisieren kann nie eine Lösung sein. Man muss sich irgendwann auch entscheiden: Will man eine Entwicklung verhindern, oder will man daran teilnehmen, sich einbringen und Einfluss nehmen. Und ich denke, es ist besser, sich einzubringen und eine Entwicklung positiv verändern zu wollen.»

Geplant ist, dass die Schweiz und China am Gipfel eine Absichtserklärung über die Neue Seidenstrasse unterzeichnen werden. Ziel der Erklärung ist, dass die beiden Staaten die Zusammenarbeit bei Handel, Investitionen und der Projektfinanzierung in Drittländern entlang der von China geplanten Neuen Seidenstrasse ausbauen.

Maurer legt China dabei laut eigenen Aussagen fünf Prinzipien aus der Schweiz nahe: privates Kapital für private Projekte, soziale Verantwortung, Kriterien zum Umweltschutz, Transparenz und nachhaltiger Umgang mit Schulden.

Maurer warnte schliesslich vor überzogenen Erwartungen an den China-Gipfel. «Ich würde die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Bisher handelt es sich bei der Belt-and-Road-Initiative um eine grosse Idee. Es ist wohl das grösste Investitionsprojekt unseres Jahrhunderts. Diese Idee wird jetzt konkreter.»

Xi verspricht Transparenz

Xi versprach bei der Eröffnung des Gipfels am Freitag mehr Offenheit bei der Umsetzung der Initiative zum Bau der Neuen Seidenstrasse. «Alles sollte auf transparente Weise getan werden, und es wird Null-Toleranz für Korruption geben.»

Bilder des Tages
Zurück zur Startseite