«Wir sind die Hoffnung»: Meyer und Wermuth als Co-Präsidenten gewählt

aka/SDA

17.10.2020 - 16:23

Mattea Meyer und Cédric Wermuth stellen das neue SP-Präsidium

Mattea Meyer und Cédric Wermuth stellen das neue SP-Präsidium

Mattea Meyer und Cédric Wermuth sind zur Parteispitze der SP gewählt worden. Die SP-Delegierten haben am Parteitag am Samstag mit grosser Mehrheit für das Doppel-Präsidium Meyer-Wermuth gestimmt.

17.10.2020

Mattea Meyer und Cédric Wermuth führen ab sofort die Genossen an. Am virtuell abgehaltenen SP-Parteitag werden die beiden deutlich gewählt. Aussenseiter Martin Schwab bleibt chancenlos.

Um 14 Uhr ist klar: Die zweitgrösste Partei dieses Landes wird ab sofort vom Duo Mattea Meyer (ZH) und Cédric Wermuth (AG) angeführt. Die Wahl am digital durchgeführten Parteitag fällt wie erwartet eindeutig aus. Das Duo erhält hohe 538 Stimmen, bei einem absoluten Mehr von 281.  Aussenseiter Martin Schwab bleibt ohne Chance. Er erhält nur gerade 23 Stimmen.

Die Genoss*innen geben ihre Stimme gestaffelt und gruppenweise via Telefonanruf auf eine Hotline ab. So werden die Wahlresultate ermittelt.

Während die SPler also telefonieren, wird nach Basel geschaltet. Dort sind in einer Woche Wahlen. «Mit der Wahl von Mattea und Cédric beginnt eine neue Ära», sagt in seinem Videovotum etwa Nationalrat Beat Jans (BS). «Diese Partei hat sich für mich noch nie so angefühlt: jung, dynamisch, lebendig. Und top in Form.» Das sei nicht nur in Basel so, sondern landesweit.

Frisch gewählt: Mattea Meyer und Cédric Wermuth sollen die SP in die Zukunft führen.
Bild: Keystone / GEORGIOS KEFALAS

Dann – wird es ruhig auf dem Live-Video-Stream. Die Minuten verstreichen. Endlich wieder eine Stimme. Doch nein. Noch kein Resultat.

Stattdessen die Mitteilung, dass die Telefonleitungen länger offen gelassen werden. «Dies damit wir auch wirklich gewährleisten können, dass alle an dieser wichtigen Wahl teilnehmen können», sagt eine Delegierte.

Noch zwei Mal wird verlängert. Dann das Ergebnis: Meyer und Wermuth sind gewählt. 

«Wir sind wütend, aber hoffnungsvoll»

Vor ihrer Wahl zeigte sich das Duo Wermuth/Meyer in ihrem mehrsprachig gehaltenen Votum «wütend, aber hoffnungsvoll».

Meyer sei der SP im Alter von 16 Jahren beigetreten, weil sie wütend über diese ungerechte Welt gewesen sei. Wütend sei sie noch immer, doch noch grösser sei ihre Hoffnung. «Ich habe die Hoffnung, dass wir gemeinsam die Zukunft schaffen, die wir uns wünschen für diese Welt.»



«Wir sind wütend. Aber wir bleiben nicht bei der Wut. Und wir warten auch nicht auf die Hoffnung. Wir entscheiden uns, selbst die Hoffnung zu sein», sagte Wermuth als Ergänzung.

Linke Positionen

Das Duo Meyer und Wermuth kennt sich aus der Juso und tritt prononciert links auf. In einem Manifest mit dem Titel «Aufbruch» propagieren sie neben klassisch sozialdemokratischen Anliegen etwa das Schweizer Bürgerrecht durch Geburt im Land.

Sie fordern eine Wohnpolitik mit gesetzlichem Renditedeckel für Mieten, die steuerliche Entlastung von Löhnen und Renten bei stärkerer Besteuerung des Kapitals sowie einen landesweiten Mindeststeuersatz für Unternehmen.

Als Aussenseiter tritt Martin Schwab aus Nidau BE an. Bisher ohne ein politisches Amt, sieht der 26-jährige Klimaaktivist seine Kandidatur auch als Sprungbrett für die Nidauer Gemeindewahlen 2021. Schwab lebt konsequent vegan und isst meist Rohkost. Seine Wohnung heizt er nur selten.

Appell von Bundesrat Berset

Die Nachfolge vom abtretenden Parteipräsidenten Christian Levrat hätte eigentlich im April besiegelt werden sollen – doch das Vorhaben wurde aufgrund der Coronavirus-Krise auf den Oktober verschoben. Zuerst wollte die SP ihren Parteitag in Basel real durchführen, entschied sich aber angesichts steigender Infektionen mit dem Coronavirus für das Internet.

Neben einer Hommage an Levrat hat unter anderem SP-Bundesrat Alain Berset einen eindringlichen Appell für den Zusammenhalt in der Corona-Pandemie an die Genossinnen und Genossen gerichtet.

Ronja Jansen automatisch Vize

Im Vorfeld der Wahl mussten die Statuten revidiert werden, um ein bislang nicht vorgesehenes Co-Präsidium überhaupt ermöglichen zu können. Mit einer weiteren Statutenänderung wurde ein ständiger Sitz der Juso im Vize-Parteipräsidium festgeschrieben.

Juso-Präsident Ronja Jansen galt somit von vornherein als gewählt. Weiter ins fünfköpfige Vizepräsidium gewählt wurden: die Waadtländer Nationalrätin Ada Marra, ihre St. Galler Ratskollegin Barbara Gysi (beide bisher) sowie die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Badran, den Bündner Nationalrat Jon Pult und der Waadtländer Nationalrat Samuel Bendahan als neue Mitglieder.

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