Aktuelle Karte veröffentlicht So schlecht steht es um die Brücken in der Schweiz

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25.2.2019

Erst 2013 wurde am Brüttiseller Kreuz bei Zürich gebaut. Dennoch befinden sich Brückenteile in schlechtem Zustand.
Erst 2013 wurde am Brüttiseller Kreuz bei Zürich gebaut. Dennoch befinden sich Brückenteile in schlechtem Zustand.
Keystone

Nach der tödlichen Katastrophe von Genua rückte die Brückensicherheit überall in den Fokus. Eine Karte zeigt nun: In der Schweiz sind 62 Brücken in schlechtem Zustand. 

Sechs Monate nach der Katastrophe von Genua, bei der 43 Menschen ums Leben kamen, ist die Frage der Brückensicherheit ein Thema in ganz Europa. Eine Karte des Senders RTS zeigt nun auf, dass 62 Brücken in der Schweiz in einem schlechten Zustand sind. Die Karte basiert auf RTS vorliegenden, detaillierten Listen jener Schweizer Brücken und Viadukte, deren Zustand fragwürdig ist.

Diese Karte zeigt, in welchem Zustand sich die Brücken in der Schweiz befinden. Orange steht für Brücken der Kategorie 4, das heisst: «Schlechter Zustand».
Diese Karte zeigt, in welchem Zustand sich die Brücken in der Schweiz befinden. Orange steht für Brücken der Kategorie 4, das heisst: «Schlechter Zustand».
Screenshot / RTS

Ein Grossteil dieser Brücken ist Teil der Autobahn A1 zwischen Genf und Lausanne. Die meisten davon wurden in den 1950er-Jahren entworfen und 1963 errichtet, als der erste Abschnitt der Autobahn für die Lausanner Landesausstellung gebaut wurde.

Aber auch in der Deutschschweiz finden sich Brücken, Vidadukte und Tunnel, die in der Statistik als «schlecht» bewertet werden, darunter allein vier Autobahnbrücken auf der A2 zwischen Basel und dem Autobahnkreuz A1/A2. Auch auf der A4 zwischen Immensee und Goldau gibt es demnach mit der Boli-, Mettlen- und Lindenbrücke gleich drei Brücken in schlechtem Zustand hintereinander.

Bei Zürich befinden sich ebenfalls mehrere Brückenbauwerke, die Schäden aufweisen, etwa am Brüttiseller Kreuz sowie auf der A1 die Überfahrten am Echrainweg und an der Bärenbohlstrasse. Auch auf der A1 um Bern schaut es nicht besser aus: Hier fallen der Neufeldtunnel und die Brücke an der Worblaufenstrasse auf.

Prüfung alle fünf Jahre

«Offensichtlich wurden die Nationalstrassen nicht so dimensioniert, dass sie den heutigen Verkehr aufnehmen können», erklärt Olivier Floc'hic, Sprecher des Bundesamts für Strassen (ASTRA) gegenüber RTS. Damals sei die Lebensdauer von Brücken auf 60 bis 80 Jahre geschätzt worden. Jedoch hätten die Zunahme von 40-Tonnen-Lastern sowie das jahrelange Ausstreuen von Salz diese Strukturen stark beeinträchtigt.

Um zu wissen, wo und wann man eingreifen muss, wird jede Brücke alle fünf Jahre vom ASTRA gründlich geprüft. Wenn eine Struktur in die Kategorie 4 «Schlechter Zustand» fällt, wird die Überwachung verstärkt: «Eine Brückenstruktur ist wie ein menschlicher Körper: Wenn man 20 Jahre alt ist, ist man in Form, man geht nie zum Arzt und je älter man wird, desto regelmässiger werden die Arztbesuche. Das ist genau das, was wir machen», so Floc'hic.

 Nach Angaben des ASTRA haben Brücken der Kategorie 4 «erhebliche Schäden, die die Bau- und Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigen». Eine dieser Brücken musste jedoch Ende Januar in der Gemeinde Bursins im Kanton Waadt dringend geschlossen werden. Gewarnt hatten Beamte des nahegelegenen Wartungszentrums, weil der Beton bröckelte: «Regelmässig mussten wir spülen, um die absturzgefährdeten Betonstücke zu entfernen. Es geht hier nicht um grosse Betonblöcke, sondern um kleinen Kies. Aber bei 120 km/h kann der viel Schaden anrichten», so Floc'hic.

Warnzeichen vor dem Einsturz

Für Philippe Menétrey, einen auf die Inspektion von Tiefbauwerken spezialisierten Bauingenieur, ist der plötzliche Ausfall einer Brücke äusserst selten. Es gäbe immer Zeichen, die vor dem Einsturz zu beobachten sind: «Es kann Risse geben, Betonbruch und Korrosion. Das sind Warnzeichen, dass etwas getan werden muss».

Die Sicherheit hat in der Schweiz nach wie vor oberste Priorität. Floc'hic versichert: «Alle Bauwerke, die als 4 klassifiziert sind, unterliegen Massnahmen. Da müssen wir eingreifen, um die Struktur zu verstärken, oder sogar, wenn nötig, ihren Abbruch in Betracht ziehen». Gemäss dem letzten Bericht des ASTRA «verschlechterte sich der durchschnittliche Zustand der Tiefbauwerke in der Schweiz zwischen 2008 und 2016 langsam», trotz der jährlich vom Bund investierten 800 Millionen Franken.

 In der Schweiz erhält jede Struktur je nach Zustand und Verschlechterung ein Rating von 1 bis 5. Nach dem letzten Bericht des ASTRA wird keine Brücke als 5, das heisst als «alarmierend» eingestuft, und nur ein Prozent der Ingenieurbauwerke befinden sich in einem schlechten Zustand. 

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