Coronavirus

So sieht die Covid-19-Taskforce die aktuelle Lage in der Schweiz

SDA/tsha

6.11.2020

«Das Gesundheitssystem in der Schweiz stösst an seine Grenzen»: Die Covid-19-Taskforce des Bundes hat erklärt, wie sie die aktuelle Pandemie-Lage im Land beurteilt.

Die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes präsentiert jeweils am Freitag jeder Woche eine Beurteilung der aktuellen Lage. Im Folgenden ein Überblick mit den wichtigsten Aussagen und den vorgeschlagenen Massnahmen.

Die Taskforce zur Lage des Gesundheitssystems:

- «Das Gesundheitssystem in der Schweiz stösst an seine Grenzen, insbesondere was die Kapazität der Intensivstationen betrifft. Wenn die Zahl der belegten Intensivbetten weiterhin im gegenwärtigen Tempo wächst, dann werden die derzeit verfügbaren zertifizierten Betten in der Schweiz (rund 985 Betten) voraussichtlich bis am 10. November voll sein.»

- «Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt noch keine klare Evidenz dafür, dass die getroffenen Massnahmen genügen, um die Fallzahlen zu reduzieren und damit, zeitlich verschoben, auch eine Abnahme der Hospitalisierungen, der Patienten in Intensivpflege und der Todesfälle zu erreichen.»

- «Es besteht also noch immer das Risiko, dass das Gesundheitssystem bis an seine Grenzen ausgelastet oder sogar überlastet wird, im schlimmsten Fall in beträchtlichem Ausmass und über längere Zeit hinweg.»

Thomas Steffen (zweiter von links), Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, spricht an der Seite von Martin Ackermann (l.), Präsident Covid-19 Science Task Force, Anne Levy und Stefan Kuster vom Bundesamt für Gesundheit (BAG).
Bild: Keystone

Die Taskforce schlägt eine Reihe von Massnahmen vor, etwa:

- «Eine kontinuierliche Kommunikation mit allen Teilen der Bevölkerung, die deutlich macht, dass das gemeinsame Ziel sein muss, die Übertragung zu stoppen und die Zahl der Infektionen zu verringern.»

- «Das Bereitstellen von konkreten und umsetzbaren Informationen für alle Teile der Bevölkerung. Inhalt soll sein, wie Menschen sich selbst und andere bei der Arbeit und im sozialen Umfeld schützen können.»

- «Den Ausbau der Kapazität des Gesundheitssystems durch den Verzicht auf die Belegung von Intensivbetten für Wahleingriffe und die schrittweise Erhöhung der Zahl von Intensivbetten mit angemessener Personalausstattung.»

- «Die Verstärkung und Verschärfung bestehender Massnahmen (z.B. Homeoffice, weitere Beschränkungen der Teilnehmerzahl für Versammlungen und private Treffen) und die Einführung zusätzlicher Massnahmen (z.B. vorübergehende Schliessung von Bars, Restaurants und nicht lebenswichtigen Geschäften, Verlagerung der nachobligatorischen Bildung ins Internet).»



- «Die Förderung von Hygienemassnahmen (Soziale Distanz, Masken, Händewaschen). In Innenräumen lässt sich das Übertragungsrisiko durch regelmässiges Lüften und die Kombination von Maskentragen und Abstandhalten reduzieren.»

- «Die Steigerung der Testkapazität und die Intensivierung des Contact Tracing, um die Situation zu überwachen und Übertragungsketten zu unterbrechen. Die Erhöhung der Testkapazität und die Verbesserung des Zugangs zu Tests ist wesentlich, um die Entwicklung der Epidemie in der Schweiz verfolgen zu können.»

Das Fazit der Covid-Taskforce lautet:

- «Die wirtschaftlichen Kosten eines überlasteten Gesundheitssystems sowie die nachteiligen Auswirkungen der Unsicherheit, die eine längere Zeitspanne mit hohen Infektionsraten auf das wirtschaftliche Leben ausüben würde, könnten einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen (zusätzlich zum Reputationsschaden).»

- «Die gezielten Massnahmen, die erforderlich sind, um die Zahl der Infizierten, der Krankenhausaufenthalte und der Todesfälle zu senken, wären für die Wirtschaft sehr wahrscheinlich weniger kostspielig, trotz der öffentlichen Mittel, die benötigt würden, um von Schliessungen und Einschränkungen betroffene Unternehmen und Einzelpersonen zu entschädigen.»



- «Die aktuelle Einschätzung der epidemiologischen Lage ist derzeit wieder erschwert, weil die Erfassung der Anzahl der bestätigten Fälle, der Hospitalisierung und der Todesfälle mit Problemen behaftet ist. Dies ist einerseits auf die beschränkten Testkapazitäten und die zunehmende Testpositivität zurückzuführen und andererseits auf die Verzögerungen in der Datenerfassung. Wird dieses Problem nicht rasch möglichst gelöst, werden die Lagebeurteilungen den Effekt der eingeführten Massnahmen nur stark verzögert erfassen können.»

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