Viel Hass, die mutige Virologin und eine zweite Seuche

Julia Käser

16.10.2020 - 11:41

Isabella Eckerle – hier an einer Medienkonferenz im Frühjahr neben Daniel Koch – wehrt sich gegen Beleidigungen und Hassbotschaften im Netz. 
Bild: Keystone

Üble Beleidigungen und Drohungen: Die Coronapandemie führt dazu, dass wir im Netz so gar nicht zimperlich miteinander umgehen. Eine Genfer Virologin hat sich gewehrt.

Virologen und Virologinnen erhalten zurzeit in der Öffentlichkeit sehr viel Aufmerksamkeit. In der grossen Mehrheit warnen sie vor den steigenden Coronazahlen und beurteilen die breite Palette von Massnahmen, die Regierungen (eben nicht) verhängt haben. 

Eine Wissenschaftlerin fiel kürzlich aber durch eine ganz andere Art von Warnung auf. Mutig und entschlossen wehrte sich die Genfer Virologin Isabella Eckerle gegen die wüsten Beschimpfungen, die ihren virtuellen Posteingang momentan sprengen.

Via Twitter droht Eckerle mit rechtlichen Schritten und macht damit deutlich, dass sie sich die zahlreichen Hassbotschaften an ihre Adresse nicht länger gefallen lässt. Statt weitere Beleidigungen hagelte es als Reaktion auf den Tweet vor allem Zuspruch und Ermutigungen. 

Die etwas andere Seuche

Denn Eckerle zeigt auf: Jenseits von Hustenanfällen und Hospitalisierungen haben wir auch mit einer ganz anderen Art von Seuche zu kämpfen. Klar, der Hass im Netz war schon vor Corona gross. Die Pandemie treibt die Beleidigungen und Drohungen auf Facebook, Twitter und im E-Mail-Postfach nun aber auf die Spitze.

Die Absenderinnen und Absender solcher Nachrichten – völlig egal ob Coronaskeptikerinnen, sogenannte «Corona-Turbos» oder nichts von beidem – scheinen einen nicht ganz unwichtigen Punkt zu vergessen: Die freie Meinungsäusserung hat mit Hassreden nichts zu tun. Daran soll der Post von Eckerle erinnern. 

Wer eigentlich ist Isabella Eckerle?

Der Fall der 40-jährigen Virologin macht auch deutlich, dass sich die Zielscheibe des Online-Hasses im Laufe der Pandemie geändert hat. Zu Beginn orientierte er sich an Grenzen und richtete sich gegen jene Menschen, die unter den Generalverdacht gestellt wurden, das Virus einzuschleppen. 

Bald einmal jedoch traf er vermehrt Politikerinnen und Wissenschaftler, mittlerweile vor allem jene, die für strengere Massnahmen plädieren.

Und nun eben Eckerle. Dabei weiss man kaum etwas über die Virologin, die laut ihrem Wikipedia-Eintrag als Kind Tierärztin oder Feldbiologin werden wollte. Wer ist die gebürtige Deutsche, die offensichtlich vielen ein Dorn im Auge ist? Und was machen die Beleidigungen wirklich mit ihr?

Darüber kann man nur spekulieren, denn Eckerle hüllt sich in Schweigen. Kommentieren will sie höchstens ihre neuesten Forschungsergebnisse rund um die Coronapandemie. 

Wir müssen uns ja nicht gleich alle lieb haben

Dabei, also beim Verrichten ihrer Arbeit, wird von ihr unter anderem eine Mindestdosis Anstand und Respekt erwartet – damit sie ihren Posten behalten kann. Und damit ihre Meinung weiterhin viel Einfluss nehmen kann. Sollten wir diesen Anspruch nicht auch an uns selbst haben? 

Wir müssen uns deshalb ja nicht gleich alle lieb haben, an der Hand nehmen und ganz laut singen: «We're all in this together». Aber die Wut in den eigenen vier Wänden laut rauszuschreien, statt hasserfüllt – und hinter dem Bildschirm versteckt – auf Kosten anderer in die Tasten zu hauen, wäre doch auch eine Möglichkeit. 

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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