Frauenstreik: Welche Forderungen «Bluewin» noch nicht erfüllt

14.6.2019 - 11:00, Redaktion Bluewin

Violett ist die offizielle Farbe des nationalen Frauenstreiks.
Bild: zvg

Am Frauenstreik wehren sich Frauen in der ganzen Schweiz gegen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Auch in der Medienbranche werden Frauen diskriminiert – «Bluewin» nimmt Stellung zum Forderungskatalog der Medienfrauen.

«Publizistische Macht: Drei von vier Führungspositionen sind in der Schweizer Medienbranche mit Männern besetzt, ergab eine Studie des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW Winterthur. In den Ressorts Politik und Wirtschaft arbeiten zu 70 Prozent Männer. Meinungsbildende Gefässe wie Analysen und Kommentare sind weitgehend in männlicher Hand. Nach Jahren des Ungleichgewichts der Geschlechter fordern wir, dass bewusst Ausgleich geschaffen wird.»

Situation bei «Bluewin»: Das ist ein wunder Punkt, «Bluewin» ist da keine Ausnahme. Chefredaktor, Textchef, Chef vom Dienst – wie der Titel schon sagt: alles Männer. Das liegt aber nicht daran, dass keine Frauen eingestellt werden sollen, sondern daran, dass bei der Rekrutierung keine Frauen in vergleichbaren Positionen und mit Erfahrung bei nationalen Newsportalen gefunden wurden. Gleichwohl bemüht sich «Bluewin» um ein geschlechterausgewogenens Verhältnis. Ehrlicherweise muss aber festgehalten werden, dass «Bluewin» bei diesen Führungspositionen ein Vollzeit-Pensum erwartet. Die Erfahrung zeigt: Frauen wollen oder können öfter nur Teilzeit arbeiten als Männer.

«Lohngleichheit: In unserer Branche verdienen Frauen bei gleicher Berufserfahrung durchschnittlich 700 Franken im Monat weniger als Männer. In Kaderpositionen beträgt der Lohnunterschied im Durchschnitt gar 1400 Franken. Wir verlangen gleichen Lohn für gleiche Arbeit.»

Situation bei «Bluewin»: Bei «Bluewin» gibt es keine Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern. Jede und jeder verhandelt ihre beziehungsweise seinen Lohn selber – je nach Verhandlungsgeschick verdienen Frauen somit auch besser als Männer.

«Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Mutterschaft ist für Medienschaffende noch immer ein Karrierehindernis. 54 Prozent der weiblichen Angestellten in der Medienbranche sind unter 30 Jahre alt, über 50-Jährige (oder Frauen mit mehr als zwölf Jahren Berufserfahrung) sind nur noch zu 30 Prozent vertreten. Wir fordern familienfreundliche Arbeitsstrukturen auf allen Hierarchiestufen und für alle Geschlechter.»

Situation bei «Bluewin»: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist herausfordernd – für Mütter und für Väter. «Bluewin» indes bietet familienfreundliche Arbeitsstrukturen: Bei Sitzungen besteht keine Anwesenheitspflicht vor Ort. Mitarbeitende können sich via Skype zuschalten. Auch ermöglicht «Bluewin» Homeoffice – selbst bei niedriger Teilzeitanstellung von 40 bis 60 Prozent. Zudem ist der Mutterschaftsurlaub über die gestzliche Frist hinaus auf unbezahlter Basis verlängerbar. Die gesetzliche Vaterschaftszeit beträgt in der Schweiz laut Gesetz ja nur einen Tag, bei «Bluewin» kann jeder Vater drei Tage beziehen. 

«Schutz vor Belästigung: Von Abwertungen und Belästigungen im Arbeitsumfeld und im Netz sind vor allem weibliche Medienschaffende betroffen. Wir fordern von unserem Arbeitgeber oder unserer Arbeitgeberin Schutz und Unterstützung.»

Situation bei «Bluewin»: Es gibt bei «Bluewin» kein Statut im Arbeitsvertrag, welches dieser Forderung nachkommt. Klar aber ist: Die Führungskräfte vertreten eine Null-Toleranz-Politik gegen jegliche Art von Belästigung. Schutz gewährt zudem das HR, welches die erste Anlaufstelle ist, sollte es zu Belästigung gekommen sein. Allgemein gilt der gesunde Menschenverstand – ein offener Umgangston untereinander ist Voraussetzung auf einer Redaktion.

«Kein Sexismus in der Berichterstattung: Frauen sind in der Berichterstattung deutlich untervertreten. Wenn über sie berichtet wird, dann oft in Stereotypen. Frauen sind als Akteurinnen zu wenig sichtbar. Ab einem gewissen Alter verschwinden sie zunehmend aus der Berichterstattung. Wir fordern eine angemessene mediale Repräsentation der Frauen und ihrer vielfältigen Berufs- und Lebensentwürfe. Dieses Ziel muss in den publizistischen Leitlinien verankert werden.»

Situation bei «Bluewin»: Expertinnen fehlen tatsächlich – «Bluewin» bildet da keine Ausnahme. Unsere Aufgabe als Journalistinnen und Journalisten ist es, zweimal nachzudenken, bevor jemand als Expertin oder als Experte angefragt wird. Es liegt an uns Medienschaffenden, Expertinnen zu entdecken und bekannt zu machen. Am Ende zählt aber die Qualität vor dem Geschlecht. Deshalb ist «Bluewin» gegen eine Verankerung dieser Forderung in den publizistischen Richtlinien.

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