WEF-Überblick

Weltwirtschaftsforum im Zeichen des Ukraine-Krieges

red./Agenturen

26.5.2022

WEF: Ukrainer stellen im ehemaligen «Russland Haus» Kriegsbilder aus

WEF: Ukrainer stellen im ehemaligen «Russland Haus» Kriegsbilder aus

Dort, wo während des Weltwirtschaftsforum üblicherweise Russinnen und Russen verkehren, werden in diesen Tagen Bilder aus dem Ukraine-Krieg gezeigt. Die «Victor Pinchuk Foundation» hat das «Russland Haus» zum «Russland Kriegsverbrechen-Haus» umbenannt.

25.05.2022

Mit den grossen Themen Klimakrise und Krieg findet das Frühlings-WEF heute seinen Abschluss – wobei das erstgenannte vor allem ausserhalb des offiziellen Programms zur Sprache kommt. Der Tages-Rückblick.

red./Agenturen

26.5.2022

Das Wichtigste in Kürze am Tag 4 des WEF

  • Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums in Davos zu neuen Formen der internationalen Zusammenarbeit aufgerufen.
  • Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko sprach über die Zerstörung und den geplanten Wiederaufbau der ukrainischen Hauptstadt. 
  • Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos hat der Schweiz die Möglichkeit geboten, zum letzten Mal die Werbetrommel für die Schweizer Kandidatur in den Uno-Sicherheitsrat zu rühren.
  • In Davos haben rund 30 Personen für das Klima demonstriert. Sie forderten Taten statt Worte von WEF-Teilnehmenden.
  • Eine Übersicht über die Ereignisse des Mittwochs gibt es hier.
  • Liveticker
    Neue Beiträge
  • Liveticker beendet
  • 14.30 Uhr
    Wir beenden unseren Live-Ticker vom26. Mai 2022

  • 14.05 Uhr
    Weltwirtschaftsforum im Zeichen des Ukraine-Krieges

    Am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos hat der Krieg in der Ukraine eine grosse Plattform erhalten. Vor der globalen Führungselite machten Vertreter der Ukraine deutlich, dass der Bedarf an Hilfe aus dem Ausland gross ist – jetzt an Kriegsmaterial und nach Kriegsende an Finanzhilfe für den Wiederaufbau.

    Die globalen Führungspersonen nutzten ihre Ansprachen vor dem Plenum dazu, den Krieg zu verurteilen. Bundespräsident Ignazio Cassis führte Gespräche für die Wiederaufbaukonferenz im Tessin. Für die Planung dieses Wiederaufbaus richtet die Schweiz am 4. und 5. Juli im Tessin die Ukraine-Konferenz aus.

    Auf der Promenade wurde das «Russland Haus», in dem üblicherweise Russinnen und Russen verkehren, in «Russland Kriegsverbrechen Haus» umbenannt und als Ausstellungsort für Kriegsbilder genutzt. Russland wurde wegen des Kriegs nicht zum WEF eingeladen.

    In vielen Veranstaltungen riefen die Ukrainer ihre Forderungen in Erinnerungen. Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte in einer Videoansprache bei der Eröffnung die internationale Staatengemeinschaft zu «maximalen» Sanktionen gegen Russland auf. Es dürfe keinen Handel mit Russland mehr geben. Notwendig sei auch ein Öl-Embargo. Solange Russland Öl und Gas exportieren könne, werde Putins Krieg weiterfinanziert.

  • 13.10 Uhr
    Klimastreik in Davos mit wenig Zuhörern
    epa09976818 Climate activists Elizabeth Wathuti of Kenia, Vanessa Nakate of Uganda and Helena Gualinga of Ecuador (C) take part in a protest against WEF on the sidelines of the 51st annual meeting of the World Economic Forum (WEF), in Davos, Switzerland, 26 May 2022. The meeting brings together entrepreneurs, scientists, corporate and political leaders in Davos under the topic 'History at a Turning Point: Government Policies and Business Strategies' from 22 to 26 May 2022. EPA/GIAN EHRENZELLER
    Die Klimaaktivistinnen Elizabeth Wathuti aus Kenia, Vanessa Nakate aus Uganda und Helena Gualinga aus Ecuador nehmen an den Protesten am Rand. des WEF in Davos teil. 
    KEYSTONE/EPA/GIAN EHRENZELLER

    In Davos haben rund 30 Personen für das Klima demonstriert. Sie forderten Taten statt Worte von WEF-Teilnehmenden. Zwei Aktivistinnen aus Afrika zeigten zudem direkten Auswirkungen des Klimawandels in ihrer Heimat auf.

    Die Klima-Aktivistinnen Vanessa Nakate und Elizabeth Wathuti aus Uganda und Kenia machten in Davos darauf aufmerksam, dass der Krieg in der Ukraine auch die Probleme in ihrem Heimatkontinent auf ein neues Level bringen würden. Die eine Krise dürfe die anderen nicht in den Hintergrund drängen. «Wir müssen alle lösen», sagte Wathuti im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Donnerstag.

    Die Teilnehmenden des Weltwirtschaftsforums seien verantwortlich für die globale Klimakrise, warf Nakate den Entscheidungsträgern in Davos vor. Sie hätten auch in diesem Jahr nur über Wirtschaftswachstum, und nicht über Klimagerechtigkeit gesprochen. Seit dem letzten Klimastreik am WEF 2020 sei nichts passiert, fügte Wathuti hinzu. Sie jedoch würden ihre Stimmen weiterhin erheben.

    Man müsse sich der Realität der Klimakrise bewusst werden und erkennen, dass sie nicht im herrschenden System gelöst werden könne, forderten die Demonstrierenden. Das WEF und seine Mitglieder müssten endlich Entscheidungen treffen und «Nägel mit Köpfen machen.»

    Der Organisator der Demonstration, Niklas Todt machte zugleich die Gemeinde Davos für die magere Beteiligung mitverantwortlich. Sie hätten die Bewilligung für die Kundgebung erst vor eineinhalb Wochen erhalten, obwohl sie die Anfrage bereits im März stellten. «Da blieb viel zu wenig Zeit um zu mobilisieren», sagte er.

  • 12.34 Uhr
    Vorwurf des Greenwashing an WEF-Organisation

    Dass das WEF nach eigenen Angaben klimaneutral ist, auf Elektro- und Hybridfahrzeuge setzt und dieses Jahr bewusst gegen die Verschwendung von Essensresten vorgeht, ist Umweltschützer*innen zu wenig. Den Vorwurf, man betreibe Greenwashing – also einen grünen Etikettenschwindel – weist WEF-Direktor Alois Zwinggi im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA jedoch zurück. 

    Zwinggi: «Open Forum am WEF sehr wahrscheinlich sabotiert.»

    Zwinggi: «Open Forum am WEF sehr wahrscheinlich sabotiert.»

    WEF-Direktor Alois Zwinggi geht wegen den geringen Besucherzahlen am diesjährigen Open Forum davon aus, dass die Anlässe «sehr wahrscheinlich» sabotiert wurden. Für die Veranstaltungen mussten sich Interessierte vorab online registrieren. «Teilweise waren die Anlässe bis zu 70 Prozent ausgebucht», sagte Zwinggi. Tatsächlich waren die Referate aber kaum besucht worden.

    25.05.2022

  • 11.41 Uhr
    Scholz: Zurückdrehen der Globalisierung wäre «Holzweg»

    Bundeskanzler Olaf Scholz hat angesichts der Verwerfungen im internationalen Handel vor einer zunehmenden Abschottung von Volkswirtschaften gewarnt. «Um es ganz klar zu sagen: Die De-Globalisierung ist ein Holzweg», sagte der SPD-Politiker am Donnerstag zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums in Davos. «Natürlich müssen wir manch strategische Abhängigkeit reduzieren. Auch unsere Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland fällt in diese Kategorie – deshalb wird sie beendet.» Mehr Widerstandsfähigkeit erreiche die Wirtschaft in einer krisenanfälligen Welt vor allem, indem sie sich breiter aufstelle.

    «Zugleich müssen wir Acht geben, dass aus notwendiger Diversifizierung kein Vorwand wird für Abschottung, Zollschranken und Protektionismus», warnte Scholz. Der Preis von Zöllen und Handelsschranken werde von Unternehmen, Arbeitnehmern und Verbrauchern bezahlt, die ohnehin schon unter steigenden Preisen litten. Getrieben von teurerem Öl und Gas hat die Inflation in Europa Rekorde erreicht.

  • 11.29 Uhr
    Scholz ruft zu neuer internationaler Zusammenarbeit auf

    Bundeskanzler Olaf Scholz hat zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums in Davos zu neuen Formen der internationalen Zusammenarbeit aufgerufen. Politische Partner dürfe man nicht länger nur in den immer gleichen Ländern suchen, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag bei der Tagung in den Schweizer Alpen. «In dieser multipolaren Welt fordern ganz unterschiedliche Länder und Regionen gemäss ihrem wachsenden ökonomischen und demographischen Gewicht grössere politische Mitsprache ein», sagte Scholz. Er fügte hinzu: «Um es klar zu sagen: Darin liegt keine Bedrohung.»

    Internationale Zusammenarbeit liefere Antworten, sagte der Kanzler. Es gehe um Fortschritt in Zukunftsfragen. So gebe es in Asien, Afrika und Lateinamerika neue, aufstrebende Mächte, die die Chancen der Globalisierung nutzten. «Zu lange haben wir «Demokratie» praktisch gleichgesetzt mit dem «Westen» im klassischen Sinne."

    Deshalb habe er auch Südafrika, den Senegal, Indien, Indonesien und Argentinien zum diesjährigen Gipfel sieben grosser Industrienationen (G7) Ende Juni nach Elmau in Bayern eingeladen. «Sie vertreten Länder und Regionen, deren Mitarbeit die Welt braucht, um bei globalen Herausforderungen in Zukunft voranzukommen.» Eine neue Partnerschaft bedeute auch, sich bei drohenden Hunger- Rohstoff und Inflationskrisen solidarisch zu zeigen. «In einer multipolaren Welt wird eine solche internationale Ordnung nicht ohne internationale Solidarität zu haben sein.»

  • 11.21 Uhr
    Scholz: Putin hat alle strategischen Ziele in Ukraine verfehlt
    German Chancellor Olaf Scholz, right, addresses a plenary session next to Klaus Schwab, Founder and Executive Chairman of the World Economic Forum during the 51st annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, on Thursday, May 26, 2022. The forum has been postponed due to the Covid-19 outbreak and was rescheduled to early summer. The meeting brings together entrepreneurs, scientists, corporate and political leaders in Davos under the topic
    Putin wolle zurück zu einer Weltordnung, in der der Stärkere diktiere, was Recht sei, sagte Scholz in seiner Rede am WEF. «Das ist der Versuch, uns zurück zu bomben in eine Zeit, als Krieg ein gängiges Mittel der Politik war.»
    KEYSTONE/Laurent Gillieron

    Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich erneut überzeugt davon gezeigt, dass der russische Präsident Wladimir Putin den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen wird. «Schon jetzt hat er alle seine strategischen Ziele verfehlt», sagte Scholz am Donnerstag in seiner Rede zum Abschluss der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos in der Schweiz. «Eine Einnahme der gesamten Ukraine durch Russland scheint heute weiter entfernt als noch zu Beginn des Krieges. Mehr denn je betont die Ukraine ihre europäische Zukunft.»

    Zudem habe die «Brutalität des russischen Kriegs» die ukrainische Nation enger zusammengeschweisst als je zuvor und zwei Staaten zur Annäherung an die Nato bewogen: «Mit Schweden und Finnland wollen sich zwei enge Freunde und Partner dem nordatlantischen Bündnis anschliessen. Sie sind herzlich willkommen!», sagte der Kanzler. Putin habe auch die Geschlossenheit und Stärke unterschätzt, mit der die Gruppe der sieben grossen Industrienationen (G7), die Nato und die EU auf seine Aggression reagiert hätten.

  • 11.05 Uhr
    Bundeskanzler Olaf Scholz spricht im Livestream

  • 9.54 Uhr
    Klitschko beendet seinen Auftritt

  • 9.50 Uhr
    Was würden sie gerne von Olaf Scholz hören?

    Klitschko: «Deutschland gehörte und gehört zu den grössten Unterstützern der Ukraine. Ich muss aber kritisieren, dass nun alles so langsam vorangeht. Ich sage es nochmals: Wir verteidigen nicht nur uns, sondern auch euch, denn keiner weiss, welche Pläne Russland noch hat.»

  • 9.45 Uhr
    Wie viel wird der Wiederaufbau von Kiew kosten?

    Klitschko: «90 Prozent der Gebäude sind zerstört, darunter ungefähr 220 Wohngebäude. Wir rechnen mit 80 Millionen Euro für den Wiederaufbau. Man muss aber verstehen: es wurde nicht nur die Infrastruktur zerstört, sondern auch die Wirtschaft.»

  • 9.40 Uhr
    Die Fragerunde ist eröffnet

  • 9.35 Uhr
    Die Leute kehren langsam wieder nach Kiew zurück

    Klitschko: «Meine grösste Aufgabe ist es, meiner Heimatstadt. wieder Sicherheit zu geben. Ich hasste, es die Leute in die Bunker zu schicken. Vor dem Krieg hatte Kiew 3,5 Million Einwohner. Jetzt sind es noch rund 2,5 Millionen. Aber die Leute kommen langsam zurück. Wir haben Elektrizität, Wasser, Nahrungsmittel, aber die Atmosphäre ist immer noch seltsam, denn die Warnsirenen gehen immer noch ein paarmal am Tag los und man muss wieder in die Schutzräume verschwinden. Es fühlt sich an wie ein einziger langer Tag.»

  • 9.25 Uhr
    Klitschko: «Eine Tragödie, auch für die Russen»

    «Der russische Angriff gegen die Ukraine hat zu einem der grössten Kriege nach dem Zweiten Weltkrieg geführt. Ich bin sehr stolz darauf Ukrainer zu sein, ein Teil unserer Gesellschaft, die unser Heimatland gegen die Russen verteidigt. Nachdem die ganze Welt die schrecklichen Bilder des Krieges gesehen hat, wird jeder verstehen, dass dies keine «Spezialoperation» ist, sondern ein Genozid an der ukrainischen Bevölkerung. Frauen, Kinder,  alte Leute wurden getötet. Es ist  schwierig, dies hier zu verstehen, in der sonnenbeschienenden Schweiz. In einem Augenblick verlieren die Menschen hier in der Ukraine ihre Zukunft, ihre Freunde,  ihre Eltern. Was hier passiert ist eine Tragödie, nicht nur für die Ukrainer, sondern auch für die Menschen in Europa und auch für die Russen selbst.»

  • 9.15 Uhr
    Vitali Klitschko beginnt seine Rede am WEF

    Kyiv Mayor Vitali Klitschko is filmed during an interview at the World Economic Forum in Davos, Switzerland, Tuesday, May 24, 2022. The annual meeting of the World Economic Forum is taking place in Davos from May 22 until May 26, 2022. (AP Photo/Markus Schreiber)
    Vitali Klitschko, der Bürgermeister von Kiew, ist am WEF ein gefragter Gesprächspartner. 
    AP
  • 8.00 Uhr
    Letzte Gespräche für Wahl der Schweiz in Uno-Sicherheitsrat

    Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos hat der Schweiz die Möglichkeit geboten, zum letzten Mal die Werbetrommel für die Schweizer Kandidatur in den Uno-Sicherheitsrat zu rühren.

    Cassis gab gegenüber den Medien zu, dass die Schweizer Kandidatur bei seinen Treffen am WEF noch «gezielt» angesprochen werde, wenn bei bestimmten Ländern Zweifel festgestellt würden. Allerdings habe man bereits in den vergangenen Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um am 9. Juni an der Wahl in der Uno-Generalversammlung genügend Stimmen zu bekommen.

    «Ich habe das in den letzten fünf Jahren jeden Tag getan», sagte Cassis. «Ich glaube, ich kann sagen, dass alles getan ist und wir keine Überraschungen erwarten», fügte er hinzu.

    Damit die Schweiz als nichtständiges Mitglied in das Uno-Organ gewählt wird, muss sie zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinen. Die Wahl scheint jedoch sicher: Neben der Schweiz bewirbt sich nur Malta um einen der beiden Sitze, die zur Wahl stehen.