Wie die Grippewelle ausfällt, ist «ein grosses Fragezeichen»

Von Gil Bieler

18.10.2021

In der Schweiz wird wieder gegen die Grippe geimpft. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Im Ausland fiel die Grippewelle erneut aus. Bleibt auch die Schweiz verschont? Das Bundesamt für Gesundheit ist optimistisch,  der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri sieht viel Ungewissheit – auch beim Impfstoff. 

Von Gil Bieler

18.10.2021

Es wäre ein netter Nebeneffekt der Corona-Pandemie: Im anstehenden Winter könnte die Grippewelle in der Schweiz erneut nur schwach ausfallen – wie schon im Winter 2020/21. Damit rechnet man jedenfalls beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

«Wir gehen davon aus, dass es zwar erneut Grippefälle geben wird, wir rechnen aber nicht mit einer aussergewöhnlich grossen Welle», teilt BAG-Mediensprecher Daniel Dauwalder auf Anfrage von blue News mit.

Zuversichtlich stimmen die Entwicklungen im Ausland. Auf der Südhalbkugel, wo gerade der Winter geendet hat, wurde gar keine Grippeepidemie beobachtet. «Trotz fortgesetzter und in einigen Ländern sogar vermehrter Testung auf Influenza wurden nur wenige Influenzaviren nachgewiesen», hält das BAG in einem Bericht zum Thema fest. Auch in Europa verharre die Influenza-Aktivität «auf zwischensaisonalem Niveau».

Die naheliegende Vermutung: Die Hygiene- und Vorsichtsmassnahmen zur Vorbeugung einer Ansteckung mit dem Coronavirus, aber auch eine eingeschränkte Reisetätigkeit «haben wahrscheinlich eine Rolle bei der Reduktion der Grippeübertragung gespielt».

Hauri: «Ein grosses Fragezeichen»

Nicht alle Fachleute teilen diesen Optimismus. Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt und Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, bestätigt zwar: «Momentan gibt es keine Anzeichen, die auf eine schwere Grippewelle hindeuten.» Er gibt aber zu bedenken: «Wie es am Ende kommen wird, das ist ein grosses Fragezeichen.»

So sprächen zwar die Entwicklung im Ausland, der reduzierte Reiseverkehr und die Corona-Massnahmen eher gegen eine heftige Grippewelle. «Gleichzeitig dürfte die Immunität eher zurückgegangen sein, da wir im letzten Jahr so gut wie keine Grippefälle hatten.» Sprich: Unser Abwehrsystem wäre schlechter gerüstet, sollte es dennoch mit einem Grippevirus in Kontakt kommen.



Aus dieser diffusen Ausgangslage schlussfolgert Hauri: «Vieles wird davon abhängen, ob wir die Hygiene-Massnahmen weiterhin beachten oder wieder alles vergessen.» Eine Einschätzung, die man beim BAG teilt: «Das Ausmass der Grippewelle wird auch diesen Winter primär davon abhängen, wie stark die Massnahmen gegen Covid aufrechterhalten werden», teilt Mediensprecher Dauwalder mit.

Probleme bei der Impfstoff-Entwicklung

Das bedeute aber nicht, dass die Grippe nicht mehr ernst zu nehmen sei, betonte das BAG vergangene Woche – und rief Risikopersonen dazu auf, sich impfen zu lassen.

Doch bei der Entwicklung ebendieses Impfstoffs bereitet die erneute Ausnahmesituation Probleme: «Normalerweise entwickeln wir anhand des Virus-Typs, der auf der Südhalbkugel grassiert, den Impfstoff für den Norden», erklärt Rudolf Hauri. «Dieses Mal kann man nicht wissen, ob der richtige Typ getroffen wurde.»

Eine Impfung sei für Risikogruppen dennoch sinnvoll: «Es gibt keine Garantie, dass die Grippewelle auch heuer ausbleibt.» Wolle man sich dagegen impfen, müsse man jetzt damit beginnen: «Ist die Grippe einmal da, ist es zu spät.» Ausserdem gelte: «Die bewährten Grippeimpfstoffe sind grundsätzlich gut verträglich.»

Das BAG empfiehlt eine Grippe-Impfung für all jene Menschen mit einem erhöhten Risiko von Komplikationen sowie deren Angehörigen. Erhöhtes Risiko besteht demnach bei chronischen Leiden wie Atemwegs- oder Herzkrankheiten, aber auch Schwangere, frühgeborene Kinder und Menschen ab 65 Jahren.

Ausserdem zu beachten: Bei Grippesymptomen rät das BAG auch dazu, sich auf das Coronavirus testen zu lassen. Das gilt für ungeimpfte wie auch geimpfte Personen.

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