Wie die Polizei betrügerische Webshops bekämpft

tafu

25.2.2021

ARCHIV - 01.10.2020, Brandenburg, Wittenberge: Eine Frau tippt die Nummer ihrer Kreditkarte in ein Laptop. Viele Verbraucher zahlen ihre Einkäufe im Internet per Kreditkarte. Ab 2021 gelten dafür strengere Sicherheitsanforderungen - spätestens vom 15. März an. (zu dpa "Mehr Sicherheit beim Online-Shopping: Neue Regeln für Kreditkarten") Foto: Christin Klose/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Christin Klose)
Wer im Internet auf Shoppingtour geht, sollte immer wachsam sein.
Bild: Keystone/dpa/Christin Klose

Schnäppchen im Internet sind verlockend, doch hinter vermeintlich unschlagbaren Angeboten lauern oft Betrüger. Die Polizei will dubiosen Webshops mit einem neuen Tool auf die Schliche kommen.

Die Möglichkeiten sind unendlich, die Verlockung gross: Wer im Internet auf der Suche nach Schnäppchen ist, wird schnell fündig. Doch nicht immer steckt wirklich ein gutes Angebot dahinter.

Scheint ein Schnäppchen fast zu gut, um wahr zu sein, sollte man stutzig werden, warnt Serdar Günal-Rütsche, Leiter des Netzwerks der kantonalen Polizeibehörden im Kampf gegen die Internetkriminalität, gegenüber SRF.

Eine «.ch»-Adresse des Webshops sei keinesfalls ein Indiz dafür, dass es sich um einen seriösen Schweizer Anbieter handle, so der Experte. «Von überall aus kann man .ch-Adressen reservieren.» Cyberbetrüger würden sich das zunutze machen. Auch Angebote in Schweizer Franken seien kein «Zeichen dafür, dass das wirklich eine vertrauenswürdige Website ist».



Unrealitische Preise sind verdächtig

Auch das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation warnt Konsumenten vor betrügerischen Webshops und zeigt auf seiner Website Merkmale auf, bei denen man misstrauisch werden sollte. So sind unrealistisch tiefe Preise ein erster Warnhinweis.

Des Weiteren verwenden die meisten Shops keine verschlüsselte Verbindung für die Datenübertragung, weisen aber auf Unterseiten häufig in schlechtem Deutsch darauf hin, dass Datenschutz sehr ernst genommen werde. Dass eine Verbindung nicht verschlüsselt ist, erkennen Benutzer daran, dass die Adresse des Shops mit HTTP statt mit HTTPS beginnt und das Sicherheitsschloss fehlt.

Impressum und Gütesiegel beachten

Die Ombudsstelle E-Commerce des Schweizerischen Konsumentenforums empfiehlt ausserdem, einen Blick auf die Rechtschreibung in den Webshops zu werden. «Auffällig viele Fehler deuten darauf hin, dass die Website nicht seriös gestaltet wurde und deshalb zu einem entsprechenden Anbieter gehört.» 

Zusätzlich kann das Gütesiegel des Verbands des Schweizerischen Versandhandels (VSV) und von Trusted Shops einen Hinweis auf die Seriosität geben. Vorsicht ist ausserdem geboten, wenn ein dem Benutzer unbekannter Anbieter als Zahlungsmöglichkeit lediglich die Vorauskasse anbietet.

Auch ein Blick in das Impressum lohnt: Weist eine Website dort keine Adresse, E-Mail und Telefonnummer des Anbieters aus, ist das ebenfalls ein Hinweis für einen betrügerischen Webshop.

«Queen Guard» spürt Webshops auf

Werden betrügerische Websites entdeckt, wird von der Polizei eine Löschung beantragt, welche die Switch, die Schweizer Registrierungsstelle für Schweizer Internetadressen, durchführt. Zunächst wird die Seite für 30 Tage gesperrt. Meldet sich in dieser Zeit niemand und erhebt Einspruch, bleibt die Sperre dauerhaft bestehen.

Allerdings sei die Arbeit damit nicht getan, erklärt Günal-Rütsche weiter. Kaum sei ein Webshop gelöscht, tauche er bald unter einer neuen Adresse wieder auf. «Ein Betrüger kann in Kürze 200 Webshops online schalten.» Der Inhalt der blockierten Seite werde einfach kopiert und auf einer neuen Domain wieder live geschaltet.



Um solch betrügerische Websites zu entdecken, hat die Cybercrime-Abteilung der Zürcher Kantonspolizei das Tool «Queen Guard» entwickelt. Dabei sucht ein Algorithmus nach bekannten Mustern und spürt so entsprechende Seiten auf. Um falsche Webshops in grossem Stil zu sperren, solle das Tool bald in der ganzen Schweiz zum Einsatz kommen.

Vorwurf der Zensur

Kritik an diesem Vorgehen kommt vom Präsidenten der Schweizer Piratenpartei, Jorgo Ananiadis. Die Grenze zur Zensur sei bei diesem Vorgehen sehr nah, man gehe das Risiko ein, dass plötzlich auch seriöse Webshops verschwinden.

Jakob Dhondt von Switch weist den Zensurvorwurf allerdings zurück. Die Sperrungen seien gemäss der schweizerischen Verordnung über Internetdomains erlaubt.



«Es ist sehr klar geregelt, was wir genau machen dürfen.» Man sperre nicht willkürlich Domains und gehe sehr bedächtig vor, «um nach bestem Wissen und Gewissen wirklich nur Sachen zu blockieren, die auch bösartig sind».

Für die Betrüger geht die Sperrung oft ohne Strafe einher, denn 95 Prozent der Betreiber sitzen nach Aussage des Netzwerks der Polizeibehörden im Ausland und seien da kaum zu orten.

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