Detailhandelsverband

«Öffnungen am Sonntag müssen umgehend geprüft werden»

Von Jennifer Furer

16.3.2020

Zur Swiss Retail Federation gehören mittelständische Detailhandelunternehmen.
Bild: Keystone

Die Swiss Retail Federation zeigt sich vor einem möglichen Shutdown besorgt. Sie fordert vom Bund zentral gesteuerte Massnahmen – sonst drohe das Chaos.

Die Swiss Retail Federation, der Verband der mittelständischen Detailhandelsunternehmen, rechnet damit, dass der Bundesrat am Montagnachmittag den Shutdown verkündet. Mitglieder des Verbandes sind unter anderem Warenhäuser, Fachgeschäfte, selbstständige Detaillisten und Kioske.

«Die momentane Lage stellt den Detailhandel vor eine enorme Herausforderung», sagt Dagmar Jenni, Geschäftsführerin von Swiss Retail Federation. «Die Detailhandelsunternehmen machen einen extra Effort, um die Lage zu meistern.»

Die hiesigen Detailhändler würden alles tun, um die Bevölkerung mit Grundnahrungsmittel zu versorgen und die Sicherheit der Mitarbeitenden und der unzähligen Lieferanten zu gewährleisten.

Drohendes Chaos im Detailhandel

Die Swiss Retail Federation stellt in diesem erschwerten Arbeitsumfeld fest, dass verschiedene Kantone fast im Stundentakt weitergehende Massnahmen beschlössen, als der Bund bisher verfügt hat. «Leider sind diese nicht konsistent und schweizweit koordiniert. Für den Detailhandel, mit Tausenden Filialen verteilt über alle Kantone, droht dadurch zunehmend ein Chaos.»

Um einen reibungslosen Ablauf der Landesversorgung zu gewährleisten, gelte es, schnell schweizweit harmonisierte Regelungen zu erlassen.

«Der Bund wird aufgefordert, das Krisenmanagement in geordnete Bahnen zu lenken und den Kantönligeist zu unterbinden», so Jenni. «Es gilt dringend, wieder ein Mindestmass an Planungssicherheit im Detailhandel zurückzugewinnen.»

Die Swiss Retail Federation bittet den Bund ausserdem, auf Massnahmen, die administrative Mehraufwendungen im Laden bedeuteten, vorübergehend zu verzichten. Damit gemeint sind etwa die Abgrenzung von Sortimenten, die nicht der Grundversorgung dienen.

«Sonntagsöffnungen für solche Formate müssen schweizweit umgehend geprüft werden», sagt Jenni weiter. Dazu gehöre, die erforderlichen Bewilligungen für Nacht- und Sonntagsfahrten zentral und unbürokratisch zu steuern.

Existenzbedrohendes Virus

Die Situation im Non-Food-Bereich stelle sich massiv anders dar. Der gesamte stationäre Non-Food-Bereich klagt über fehlende Kundschaft und Umsatzeinbussen. «Die negativen Effekte haben schon letzte Woche Umsatzrückgänge von 30 bis 60 Prozent zur Folge gehabt», so Jenni.



Rund zwei Drittel der Unternehmen würden erwarten, mittelfristig Kurzarbeit anmelden zu müssen. Das Coronavirus würde die Unternehmen bereits heute hart treffen und nehme existenzgefährdendes Ausmass an.

Um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abzufedern, fordert die Swiss Retail Federation vom Bund Vereinfachungen im Bereich der Kurzarbeit, so Jenni. Beispielsweise sollten Massnahmen zur mittel- bis langfristigen Finanzierung der Unternehmen beschlossen werden. Auch die Stundung bei den AHV-Beiträgen und der Mehrwertsteuer solle eingeführt werden. «Nur so können sich abzeichnende Liquidationsengpässe überbrückt und der Erhalt von Arbeitsplätzen unterstützt werden.»

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