Alle Passagiere tot – Blackbox von Flugzeug gefunden

sda/dpa/aka

8.1.2020 - 10:30

Mitten in der Eskalation des Konflikts USA-Iran stürzt nahe Teheran ein Passagierflugzeug ab. Alle Insassen kommen ums Leben, darunter auch 27 Europäer. Die Maschine war erst vor zwei Tagen überprüft worden.

Eine ukrainische Passagiermaschine ist am Mittwochmorgen in der Nähe des Imam-Chomeini-Flughafens der iranischen Hauptstadt Teheran abgestürzt. Die Fluggesellschaft Ukraine International Airlines bestätigte, insgesamt seien 167 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder in dem Flugzeug gewesen. Nach offiziellen ukrainischen Angaben gab es keine Überlebenden.

Nach Angaben des ukrainischen Aussenministeriums sind 82 Iraner und 63 Kanadier ums Leben gekommen. Wie das Ministerium bekanntgab, befanden sich ferner elf Menschen aus der Ukraine, zehn aus Schweden, vier aus Afghanistan und je drei aus Deutschland und Grossbritannien an Bord der Maschine.

Iranische Einsatzkräfte haben die Flugdatenschreiber der Unglücksmaschine gefunden. Das berichtete die iranische Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf einen Sprecher der iranischen Luftfahrtbehörde.

Die ukrainische Fluggesellschaft Ukraine International Airlines hat nach dem Absturz ihres Passagierflugzeuges im Iran alle Flüge nach Teheran eingestellt. Die etwa vier Jahre alte Maschine des Typs Boeing 737-800 NG sei zuletzt vor zwei Tagen technisch überprüft worden. Informationen zur Absturzursache würden zeitnah bekanntgegeben werden.

Technischer defekt vermutet

Die iranische Luftfahrtbehörde führte den Crash auf einen technischen Defekt zurück, wie der iranische Nachrichtensender Chabar unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde berichtete. Wie diese so kurz nach dem Absturz am Mittwochmorgen zu dem Schluss eines Technikfehlers als Ursache kam, blieb zunächst offen.

Boeing reagierte kurz nach dem Absturz mit einem Tweet: «Uns sind die Medienberichte aus dem Iran bekannt und wir tragen gerade mehr Informationen zusammen.»

Die um kurz nach 05.00 Uhr Ortszeit gestartete Maschine mit der Flugnummer PS752 stürzte ersten Erkenntnissen zufolge in ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand. Das Flugzeug hätte gegen 08.00 Uhr Ortszeit in der ukrainischen Hauptstadt Kiew landen sollen.

Zusammenhang mit militärischer Eskalation unklar

Kurz nach den iranischen Raketenangriffen auf Militärstützpunkte im Irak hatte die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA US-Flugzeugen die Nutzung des Luftraums in Teilen des Nahen Ostens untersagt.

Über dem Persischen Golf, dem Golf vom Oman, im Irak und im Iran dürften in den USA registrierte Flugzeuge «wegen erhöhter militärischer Aktivitäten und steigender politischer Spannungen» nicht mehr operieren, hiess es in einer Mitteilung am Dienstag (Ortszeit). Es gebe ein erhöhtes Risiko, das ein Flugobjekt falsch identifiziert werde.

Ob ein Zusammenhang des Absturzes der ukrainischen Maschine mit der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA besteht, war zunächst völlig unklar. Wenige Stunden zuvor hatte es einen iranischen Vergeltungsangriff auf US-Soldaten im Irak gegeben.

Die vom US-Verteidigungsministerium bestätigten Attacken auf die amerikanisch genutzten Militärstützpunkte Ain al-Assad im Zentrum des Iraks und eine Basis in der nördlichen Stadt Erbil in der Nacht zum Mittwoch gelten als Revanche für die Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani durch einen US-Luftschlag.

Zwar hatten örtliche schiitische Milizen, die vom Iran unterstützt werden, die US-Stützpunkte im Irak zuletzt häufiger mit technisch einfacheren Raketen angegriffen. Ein direkter Angriff aus dem Iran markiert jedoch eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Der Iran und die USA hatten sich seit Tagen mit martialischen Drohungen überzogen und jeweils drastische Reaktionen auf aggressives Handeln der Gegenseite in Aussicht gestellt.

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