«Der Samichlaus und alle Helfer haben ein Zertifikat»

Von Gil Bieler

6.12.2021

«Der Samichlaus und alle Helfer haben ein Zertifikat»

«Der Samichlaus und alle Helfer haben ein Zertifikat»

Wer war in diesem Jahr brav, wer unartig? Zahlreiche Eltern und ihre Kinder pilgern auch dieses Jahr in den Zürcher Käferberg-Wald, um das Urteil des Samichlaus zu hören. Doch die Pandemie vergessen, das geht nur bedingt.

06.12.2021

Wer war in diesem Jahr brav, wer unartig? Zahlreiche Eltern und ihre Kinder pilgern auch dieses Jahr in den Zürcher Käferberg-Wald, um das Urteil des Samichlaus zu hören. Doch die Pandemie vergessen, das geht nur bedingt.

Von Gil Bieler

6.12.2021

«Noch zwei dürfen rein», ruft der Schmutzli den Kindern zu, die brav vor dem Samichlaus-Häuschen auf dem Käferberg anstehen. Er stupst die beiden Buben, die zuvorderst in der Reihe stehen, an: «Für euch ist noch Platz, die anderen müssen kurz warten.»

Auch wenn der Samichlaus das C-Wort «nicht gerne in den Mund nehmen» möchte, reicht die Pandemie bis in den Wald hinein. In seinem Hüsli bleiben die Fenster geöffnet, und nur eine bestimmte Anzahl von Kindern darf aufs Mal hinein. So manche Erwachsenen tragen eine Schutzmaske oder halten sie zumindest griffbereit, vereinzelt haben auch die Kleinen eine Maske übergestreift.

Doch am liebsten würden viele Corona hier für einmal vergessen. «Ich versuche, gar nicht daran zu denken», sagt zum Beispiel die Gotte der vierjährigen Camilla. «Wenn so viele Kinder untereinander sind, vergesse ich Corona ohnehin schnell.»

Kein Social Distancing

Den Kindern geht das genauso, das zeigt das Gewusel an diesem kalten Montag. Es sind vor allem Kinder im Vorschulalter da. Dicht gedrängt warten sie darauf, einen Blick in das Häuschen werfen zu können, in dem Samichlaus und Schmutzli wohnen. Und wenn der bärtige Mann alle neben dem knisternden Feuer zusammenruft, um ein Märchen zu erzählen, denken die Kleinen nicht mehr ans Abstandhalten.



Wieso auch? «In der Krippe hat er ohnehin dauernd Kontakt mit anderen Kindern», sagen die Eltern eines vierjährigen blonden Buben. Und auf dem Käferberg spielt sich fast alles im Freien ab. Natürlich sei man vorsichtig, aber Angst vor einer Ansteckung hat das Paar nicht – weder um den Kleinen noch um sich selbst. Sie arbeite als Primarlehrerin, sagt die Frau, sei darum immer von Kindern umgeben. Und wegen Corona den Samichlaus nicht zu besuchen, das wäre keine Option gewesen.

Die Chance genutzt

Ohne Pandemie wären der sechsjährige Nicolas und der achtjährige Julian gar nicht hier. Beide Lehrer der Jungs sind positiv getestet worden, der Unterricht fällt aus. Also sind sie zum ersten Mal überhaupt zum Käferberg-Hüsli gekommen – den ganzen Weg von Aarau. «Wir haben dann spontan im Internet nachgeschaut, wo man den Samichlaus besuchen kann, und sind auf diese Hütte gestossen», erklärt die Mutter. Das habe sich gelohnt.

Die beiden Jungs verputzen gerade die letzten Bissen der Würste, auf der Feuerstelle brutzelt eine ganze Ladung Nachschub. Es ist Mittagszeit. 

Der Samichlaus posiert derweil fleissig für Fotos, verteilt Nüssli und Äpfel. Und obwohl er das C-Wort nicht mag, hat er vorgesorgt: Natürlich hätten er und alle Helfer*innen ein Covid-Zertifikat, verrät der Samichlaus dem Reporter, man wolle ja nichts riskieren. 

Mit den Kleinen ist der Samichlaus in diesem Jahr übrigens sehr zufrieden: Alle folgten sie brav, der Schmutzli müsse nie schimpfen. Auch er bekommt im Umkehrschluss eine einheitlich positive Bewertung: Ein Netter sei er, sagen alle der befragten Kinder. Und nein, Angst hätten sie nicht gehabt.