Poesie und Proteste Hoffnung in düsteren Zeiten – das sind die Pressefotos des Jahres

dpa/tafi

17.4.2020

Der World Press Photo Award ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für Pressefotografen. Gewonnen hat ein Bild von jungen Demonstranten im Sudan, das als Symbol der Hoffnung gewürdigt wurde.

Ein Moment der Poesie mitten in den blutigen Protesten im Sudan ist zum World Press Photo 2020 gewählt worden. Das Siegerbild «Straight Voice» (Gerade heraus gesprochen) zeigt einen jungen Mann, der im Juni 2019 mitten in einer Gruppe von Demonstranten und im Schein vieler Handy-Lampen, Gedichte rezitiert.

Der japanische Fotograf Yasuyoshi Chiba ist damit Sieger des renommierten Wettbewerbes und erhält den mit 10'000 Franken dotierten Preis, wie die Jury am Donnerstag in Amsterdam mitteilte. In diesem Jahr gab es wegen der Coronavirus-Pandemie keine Preisverleihung, sondern lediglich eine Videokonferenz.

Jury-Vorsitzender Lekgetho Makola sprach von einem hoffnungsvollen Foto. «Vor allem in diesen Zeiten, in denen wir viel Gewalt und viele Konflikte erleben, ist es wichtig, dass wir ein Bild haben, das Menschen inspiriert.» Jury-Mitglied Chris McGrath sagte: «Es ist einfach ein sehr schönes, ruhiges Foto, das all die Unruhe auf der Welt und das Verlangen der Menschen nach Veränderung zusammenfasst.»



Chiba hatte das Foto für die französische Nachrichtenagentur AFP in der sudanesischen Hauptstadt Khartum aufgenommen. «Dieser Moment war der einzige friedliche Gruppenprotest, den ich in dieser Zeit miterlebt hatte», sagte er. Präsident Omar al-Baschir war nach fast 30 Jahren an der Macht vom Militär gestürzt worden. Nach heftigen Protesten einigten sich im Juni Streitkräfte und Oppositionsbewegung auf eine Übergangsregierung.

Mit dem Hauptpreis für die Kategorie «Nachrichten-Reportage» wurde ein weiterer AFP-Fotograf ausgezeichnet: Der Däne Nicolas Asfouri erhielt die Auszeichnung für seine Fotos von den Anti-Regierungs-Protesten in Hongkong.



Die Jury zeichnete ausserdem eine Serie über die Unruhen in Algerien des französischen Fotografen Romain Laurendeau als beste World-Press-Photo-Story des Jahres aus. Die Serie «Kho, die Entstehung einer Revolte» zeige das tiefe Unbehagen der Jugend, erklärte die Jury. Der Algerier Farouk Batiche, der die Studentenproteste in seiner Heimat festgehalten hatte, gewann den ersten Preis in der Kategorie «Spot News Singles». 

Rund 4'300 Fotografen aus 24 Ländern hatten sich mit fast 74'000 Fotos beteiligt. Die Jury vergab 44 Preise in mehreren Kategorien. Die Fotos sollen in einer grossen Ausstellung in zahlreichen Ländern zu sehen sein. Wegen der Corona-Krise wurden in diesem Jahr alle Gewinner nur online benachrichtigt. Die traditionelle zentrale Feier in Amsterdam fiel aus.

Auch sehenswert: Die besten Bilder des Sony World Photography Awards

Zurück zur Startseite