Videocalls

Eingeschaltete Kameras schaden dem Klima enorm

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4.2.2021

Kamera aus im Videocall? Für das Klima wäre das einer Studie zufolge besser (Symbolbild).
Kamera aus im Videocall? Für das Klima wäre das einer Studie zufolge besser (Symbolbild).
KEYSTONE/Gaetan Bally

Seit Beginn der Coronakrise boomen Videocalls im Homeoffice. Gut für das Klima sind diese allerdings nicht, wie eine Studie nun ergab. Insbesondere die Kamera sollte man der Umwelt zuliebe abschalten.

Wer im Homeoffice arbeitet, kennt die Vor- und Nachteile von Onlinemeetings mittlerweile wohl zur Genüge. Gerade in Coronazeiten erblicken viele ihre Kolleginnen und Kollegen schliesslich nur noch per Video im Konferenz-Call. Dass man die Kamera dabei bisweilen ausschaltet, hatte bislang wohl lediglich technische oder persönliche Gründe.

Jetzt steht fest: Wer auf das Einschalten der Kamera verzichtet, handelt vor allem klimafreundlich. Einer neuen Studie zufolge wird der persönliche ökologische Fussabdruck dadurch enorm verbessert: Um bis zu 96 Prozent würde sich der eigene Beitrag zum Klimaschaden reduzieren, der durch den Stromverbrauch für Onlinemeetings auf Plattformen wie Zoom entsteht, wie Forscher in der Fachzeitschrift «Resources, Conservation & Recycling» ausführen. Das entspräche in etwa der Energie, die benötigt wird, um ein Smartphone drei Jahre lang jede Nacht aufzuladen, so die Autoren.

Beeindruckende Zahlen

Zwar stellt die Studie klar, dass sich die Emissionen im Zuge der Coronakrise enorm verringert haben – schliesslich führt der Lockdown zu weniger Reise- und Industrieaktivität. Dennoch sind die Zahlen der Studie, die sich mit den Umweltauswirkungen der Internetnutzung befasst, beeindruckend: 97 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr hängen demnach mit dem globalen Transfer von Daten im Netz zusammen, 2,6 Billionen Liter Wasser werden weltweit jährlich für die Produktion der dafür nötigen Energie gebraucht.



Im Laufe einer Videokonferenz von einer Stunde Dauer werden demzufolge 50 bis 1000 Gramm Kohlendioxid ausgestossen, zwischen 2 und 12 Liter Wasser sowie eine Landfläche der Grösse eines iPad Minis benötigt. Um die Emissionen zu verringern, kann es den Wissenschaftlern um Kaveh Madani zufolge schon helfen, die Kamera abzuschalten, falls vor allem eine Person spricht: Käme es dann zur Frage-Antwort-Session, «kann man die Kamera ja wieder einschalten», wird Madani im «Tages-Anzeiger» zitiert.

Streamingqualität reduzieren 

Auch mit Blick auf andere Internetplattformen wie Netflix, Twitter, Facebook und Co. stellt die Studie fest: Je weniger Videos verwendet werden, desto besser für das Klima. Schon kleine Änderungen im individuellen Verhalten bringe den Forschern zufolge Verbesserungen mit sich. So würde bereits die Verringerung der Videoqualität auf Streaming-Plattformen nützlich sei: Reduzierten 7 Millionen Menschen diese von HD auf Standard, spare das bei vier Stunden täglichem Stream bereits 350’000 Tonnen CO2 monatlich.



Veränderung könne den Forschern zufolge aber nicht nur von den Konsumenten, sondern auch den Plattformbetreibern ausgehen. So könnten Streamingdienste Videos zunächst nur in Standardauflösung zeigen, es sei denn, der Nutzer wünsche es anders. Zudem könne die Politik dafür sorgen, dass die Plattformen die Umweltfolgen ihrer Produkte transparent machen.

Wichtig sei es laut Madani zu sehen, «dass man hier ohne grossen Aufwand und ohne Komforteinbussen etwas erreichen kann.» «Wenn sich Millionen Menschen rund um die Erde anders verhalten und auch nach Änderungen verlangen, dann werden wird die Auswirkungen sehen», so der Studienleiter.

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