Kiwi-Pizza Diese «neue Monstrosität» bringt Italien in Rage

Von Steffen Trumpf und Annette Reuther/dpa

2.2.2020

Die Pizzakreation von Stellan Johansson ging viral. 
Die Pizzakreation von Stellan Johansson ging viral. 
Bild: Facebook/dpa

Weil er viel zu viele Kiwis auf Vorrat hatte, hat ein Schwede eine exotische Pizzakreation erfunden. Im Mutterland der Pizza hört da der Spass auf: Wer die «cucina italiana» verhunzt, gehört in die Hölle. Mindestens.

«In Italien spielen sie verrückt», sagt Stellan Johansson aus dem südschwedischen Skottorp. «Ich bekomme eine Menge E-Mails, in denen sie schreiben, dass sie mich töten wollen, weil ich ihre Essenskultur zerstöre.»

Angefangen hat all das mit einem besonderen Präsent zu Weihnachten. «Mein Bruder und seine Frau bauen Kiwis im Süden Schwedens an. Ich habe 15 Kilo als Weihnachtsgeschenk bekommen», sagt der 42-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Er habe sich gefreut, aber ein Problem gehabt: Selbst im Kühlschrank konnte er all die Früchte nicht lange genug lagern, ohne dass sie irgendwann schlecht geworden wären.

Also machte sich Johansson ans Werk, ass eine Menge der Kiwis auf klassischem Wege – und begann ausserdem, damit zu kochen und zu backen.



Herausgekommen sind Kreationen, die von Kiwi-Muffins über Kiwi im Speckmantel und frittierten Kiwis bis hin zu einem Kiwi-Wok-Gericht mit Rentierfleisch reichen. Die Ergebnisse lassen sich auf Johanssons Facebook-Seite bestaunen, weitere Ideen teilen der Schwede und Gleichgesinnte in der Gruppe «Kiwins vänner», was auf Deutsch die «Freunde der Kiwi» bedeutet. Ein unerwartetes Echo löste jedoch die Kiwi-Pizza aus.

Diese Idee nahm in einer Pizzeria in Johanssons Heimatdorf Skottorp ihren Lauf. Er bat den Pizzaiolo darum, eine Pizza mit den Früchten aus seinem Vorrat zu verfeinern. «Er hat mich dreimal gefragt: ‹Warum?› Er hat das nicht verstanden», sagt Johansson. Jemand stellte sein Foto von der Kiwi-Pizza auf die Online-Plattform Reddit, dann berichtete eine Zeitung in Neuseeland – dessen Einwohner bekanntlich «Kiwis» genannt werden – über die Kreation. «Dadurch ist das viral gegangen», sagt Johansson.

Für Italiener eine «Monstrosität»

Schon bald erreichte die Kiwi-Pizza Italien. Von einer «neuen kleinen Monstrosität» berichteten italienische Medien. Nach der Pizza Hawaii müsse man nun Pizza Kiwi ertragen. Generell ist es in Italien Volkssport, sich über eigentümliche Abwandlungen traditioneller italienischer Gerichte auszulassen. Wer die gute «cucina italiana» verhunzt, gehört mindestens in die Hölle. Für diese Art von Spott gibt es extra Websites.

Eine Pizza mit Kiwis verstosse gegen die Regeln der mediterranen Küche: Salziges Gekochtes nicht mit Früchten zu kombinieren, sagt Stefano Auricchio, Direktor des neapolitanischen Pizzaverbandes Associazione Verace Pizza Napoletana. «Man isst ja auch keine Spaghetti mit Ananas!»



Zwar findet jeder Tourist auch in Italien mittlerweile alle möglichen Pizzakreationen – mit Ananas, mit Würstchen und Pommes oder sogar mit Nutella. Das sei aber vor allem ein Angebot für Touristen, sagt Auricchio. «Oder im Falle der Würstchen ein Angebot für Kinder.»

So macht man eine Pizza Napoletana

Neapel ist der Ursprungsort der Pizza. Hier ist man besonders stolz auf das Teigrund. Die neapolitanische Kunst des Pizzabackens steht mittlerweile sogar auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Aber der Name «Pizza Napoletana» ist nicht geschützt. Jeder darf sie als solche verkaufen, auch wenn es gar keine «echte» ist.

Und das Rezept dafür geht so, führt Auricchio aus: Mehl, Salz, Wasser und Hefe für den Teig, der dann zwölf Stunden ruhen und mit der Hand geknetet werden müsse. Im Holzofen dürfe die Pizza dann lediglich 60 Sekunden bleiben. Oben drauf kommen für die klassische Margherita-Variante Tomaten, Mozzarella, Öl und Basilikum.

Ob die Pizza mit Kiwi nun auch in irgendeinem Restaurant in Italien eingeführt wird, ist fraglich. In Johanssons Heimat schlägt die Idee dagegen Wurzeln: Die Pizzeria, bei der die Kreation in den Ofen geschoben wurde, nennt das Ganze mittlerweile «Kiwizza» und verkauft laut Johansson nun zehn bis 15 Kiwi-Pizzas am Tag – in einer Ortschaft mit gerade einmal 400 Einwohnern.

Dass sich die Kiwi-Pizza als langfristige Alternative zur Pizza Hawaii etablieren wird, daran glaubt Johansson aber nicht. Übrigens: Seinen Kiwi-Vorrat hat der Schwede vor wenigen Tagen endlich aufgebraucht.

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