Wegen Corona meiden viele Menschen Bargeld

AP

21.3.2020 - 14:31

Ein Mann besprüht in Beirut das Wechselgeld in einer Ladenkasse mit Desinfektionsmittel.
Bild: Bilal Hussein/AP/dpa

Angesichts der Corona-Pandemie stehen Geldscheine und Münzen gerade weltweit nicht hoch im Kurs. Viele befürchten eine Übertragung des Virus. Doch Experten geben Entwarnung.

Bargeld lacht — aber nicht mehr in Zeiten der Corona-Pandemie. Eine zunehmende Zahl von Unternehmen und Privatpersonen weltweit verzichten inzwischen auf die Nutzung von Geldscheinen und Münzen. Denn sie haben Angst, dass die Zahlungsmittel, die im Laufe ihrer Nutzungsdauer durch Zehntausende Hände gehen, Überträger des neuartigen Virus sein könnten.

Regierungsvertreter und Gesundheitsexperten versichern, dass das Risiko einer Corona-Übertragung von Mensch zu Mensch durch Banknoten relativ gering sei. Doch das hält Einzelhändler nicht davon ab, kein Cash mehr anzunehmen. Auch einige Länder rufen ihre Bürger auf, die Nutzung von Geldscheinen komplett zu meiden.



Bitte nicht mehr bar bezahlen

Open Books, ein gemeinnütziger Buchladen in Chicago, bat seine Kunden in der vergangenen Woche, nicht mehr bar zu bezahlen. Eine Restaurantkette im US-Staat Washington nimmt ebenfalls kein Bargeld mehr an. Und US-Lieferdienste wie Grubhub und Door Dash haben «kontaktlose» Essenzustellungen eingeführt und bieten keine Barzahlung mehr an und rufen aktiv zum Verzicht auf diese Zahlungsweise auf.

Experten stellen klar, dass bei der Nutzung von Bargeld zwar ein Übertragungsrisiko besteht, dieses aber im Vergleich zu anderen Infektionswegen deutlich geringer ist. Nach Angaben von Wissenschaftlern kann das Virus auf Pappe bis zu 24 Stunden überleben und bis zu drei Tage auf Plastik und Edelstahl. Zur Lebensdauer auf Geldscheinen liegen keine Erkenntnisse vor.

Viruspartikeln bedeuten wohl kein Gesundheitsrisiko

Nach Auskunft von Experten für öffentliche Gesundheit bedeutet das Vorliegen von aktiven Viruspartikeln auf Banknoten nicht, dass diese ein Gesundheitsrisiko darstellen. Es sei unwahrscheinlich, dass Viruspartikeln noch einmal in die Luft zurückkehren, nachdem sie sich auf einer Oberfläche festgesetzt haben.

«Es ist nicht unmöglich, dass sich auf Dollar-Scheinen Spuren des Virus befinden könnten, aber Händewaschen sollte einen ausreichenden Schutz bieten», erklärt Julie Fischer, Professorin am Center for Global Health Science and Society der Georgetown University in Washington.



Zudem können andere Zahlungsmittel mit der gleichen Wahrscheinlichkeit zum Überträger von Krankheiten werden. Kredit- und Kundenkarten bestehen aus Plastik und Metall. Die Tasten von Geldautomaten werden täglich von Hunderten Menschen berührt. Auch die Bildschirme von Smartphones sind Studien zufolge wegen ihrer ständigen Benutzung stark mit Bakterien verseucht.

Selbst die US-Notenbank Fed bemüht sich darum, dass ihre Geldvorräte nicht kontaminiert werden. Geldscheine, die in Europa und Asien im Umlauf waren, werden nach Angaben der Fed vorsorglich für sieben bis zehn Tage unter Quarantäne gestellt.

Bargeld steht hoch im Kurs

Während Unternehmen von der Bargeld-Nutzung abraten, heben Berichten zufolge in weiten Teilen der USA Bankkunden hohe Summen an Geldautomaten ab. Einige Banken mussten zusätzliches Geld von der Fed anfordern oder die Automaten stärker befüllen, um die höheren Abhebungen zu ermöglichen.

Nicht nur in den USA steht Bargeld gerade nicht hoch im Kurs. In Südkorea, das erfolgreicher war bei der Bekämpfung der Epidemie, hat die Zentralbank alle Banknoten für zwei Wochen aus dem Verkehr gezogen und in einigen Fällen Papiergeld verbrannt.

Der Iran erlebt den schwersten Corona-Ausbruch im Nahen Osten. Die Nutzung von Bargeld ist dort üblich, doch in den vergangenen Wochen verzichten viele Menschen darauf. Die Banken kündigten an, kein Cash von Kunden mehr anzunehmen.

Iraner haben häufig mehrere Bankkarten, doch vor allem kleinere Einkäufe etwa in Bäckereien werden in der Regel bar bezahlt, ebenso wie Trinkgelder. Viele Menschen sind selbst bei der Aushändigung von Karten vorsichtig geworden, denn kontaktloses Zahlen ist hier noch nicht verbreitet.


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