Wie können die Sommerferien noch gerettet werden?

tmxh / dpa

20.4.2020 - 18:00

Reisen die Schweizer in diesem Jahr vor allem im eigenen Land? Die Corona-Pandemie verspricht andere Sommerferien als gewohnt.
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Die Sommerferien, so scheint es aktuell, können die Schweizerinnen und Schweizer vergessen. Zu strikt die Reisebeschränkungen, zu unsicher die Aussicht auf geöffnete Hotels. Und doch bleibt die Hoffnung auf eine Rettung der Ferien auch im Corona-Sommer bestehen.

Gerade erst hat das Coronavirus die Osterferien über den Haufen geworfen. Jetzt geraten auch die Sommerferien in Gefahr – vor allem für diejenigen, die ins Ausland wollen. Am Strand liegen in Spanien, Wein trinken in der Toskana oder nur mal eine kleine Städtetour nach Paris – was davon in diesem Sommer möglich sein wird, ist noch völlig unklar. Was wird, wenn Auslandsreisen auch in der Hauptferienzeit noch nicht möglich sind? Was, wenn die gesamte Schweiz im Sommer zu Hause bleiben muss? 

Ferien zu Hause?

Zunächst einmal dürften sich die Schweizerinnen und Schweizer im Sommer 2020 auf das eigene Land konzentrieren. Entspannen im Tessin, Wandern in der Jungfrauregion oder ein Ausflug in die Romandie: Die Schweiz rückt ihren Bewohnern in diesem Jahr in den Sommerferien viel näher. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Tourismusgeschäft wieder öffnet. Genau das soll laut Informationen von «Blick» ab 8. Juni geschehen.



Demnach wird eine Lockerung des Lockdowns angestrebt – Restaurants  und Zeltplätze dürften dann wieder öffnen, Hotels könnten ihre Spa-Bereiche wieder zugänglich machen. Einem Urlaub im eigenen Land dürfte dann nichts mehr im Wege stehen – zumal Regionen wie Interlaken BE aufgrund der fehlenden Touristen aus Amerika und Asien diesmal zahlreiche freie Plätze haben dürften. Die meisten Schweizer wird es laut Branchenkennern wohl in die Berge ziehen.

Insbesondere auch auf den Campingplätzen erwartet man viele Gäste: «Camping, ökologische Ferien und das damit verbundene Naturerlebnis boomen», zitiert «Blick» Laurent Pignot, Sprecher vom Touring Club Schweiz. Eine Kostenrückerstattung gäbe es für einen Stellplatz im Fall der Krise allerdings nicht.

Ferien am Meer?

Denn Badeferien am Meer wird es aller Voraussicht nach in diesem Jahr kaum oder nur eingeschränkt geben. Beispiel Spanien: Party auf Mallorca, Relaxen auf den Kanaren? Eher nicht. Der Tourismus werde in Spanien nicht vor Jahresende in Gang kommen, warnte die Regierung in Madrid dieser Tage. Das Land werde die touristischen Aktivitäten erst dann wieder aufnehmen, wenn es «Garantien für ausserordentlich sichere Bedingungen» gebe, sagte Regierungssprecherin María Jesús Montero. Im Sommer werde es mit Sicherheit noch nicht so weit sein, meinte Arbeitsministerin Yolanda Díaz. Sie warnte nicht nur die Tourismusbranche, sondern auch das Gastgewerbe sowie den Kultur- und den Fernverkehrssektor, dass in diesen Bereichen erst gegen Jahresende mit einer Reaktivierung gerechnet werden könne.



Auch in Italien ist der Tourismus der am heftigsten von der Krise getroffene Geschäftszweig. Zigtausende Arbeitsplätze hängen davon ab. Daher blühen allerlei kuriose Ideen, wie man einen sichereren Strandaufenthalt garantieren könnte. Es wird über Zulassungsbeschränkungen an Stränden genauso diskutiert wie über Desinfektionsmittel an Sonnenliegen oder Maskenpflicht beim Sonnen. Doch kaum jemand rechnet damit, dass der Tourismus zum Sommer wieder hochfährt. «Wir können erst öffnen, wenn es absolute Sicherheit gibt. Wer will sich schon an den Strand legen, wenn er Angst vor Ansteckungen hat», sagte Mauro Vanni vom Verband der Badeanstalten in der Urlaubsstadt Rimini. Da seien auch absurde Ideen wie Plexiglas-Boxen um die Sonnenliegen oder desinfizierte Tunnel zum Strand nutzlos.

Der Chef vom Schweizer Reise-Verband, Walter Kunz, hofft dennoch auf eingeschränkte Auslandsferien: «Ich bin da mal vorsichtig zuversichtlich», wird er von «Blick» zitiert. 

Ferien mit Risiko?

Doch wie umgehen mit all der Unsicherheit – gerade, wenn man die Sommerreise bereit gebucht hat? «Eine verfrühte Umbuchung macht meines Erachtens heute keinen Sinn», zitiert «Blick» Kunz. Man wisse schliesslich "nicht, wie sich die Lage in den einzelnen Ländern entwickelt». Auch stornieren sollte man demnach nicht unbedingt – die Stornogebühren könnten laut Kunz zum Ärgernis werden, wenn der Reiseveranstalter die Reise selbst absagt.



Das Risiko sei am geringsten bei Pauschalreisen und bei Ferienanbietern in der Schweiz. So erhalte man sein Geld im Fall von Reisewarnungen einfach zurück. Gegenüber «Blick» sagt Kunz: «Wer in einem Reisebüro bucht, kann sicher sein, dass er bei einer Reisewarnung für ein gebuchtes Land im Zusammenhang mit dem Coronavirus das Geld zurück bekommt oder gratis umbuchen kann.»

Ferien ganz ohne Reisen?

Auf dem eigenen Balkon und in der direkten Umgebung zu entspannen ist natürlich eine weitere Option für die Sommerferien. Auch hier lässt sich schliesslich in die Ferne schweifen: Der sogenannten Bucket-Liste mit Wunsch-Reisezielen kommt in Corona-Zeiten eine noch grössere Bedeutung zu. «Die Führung einer solchen persönlichen Liste wirkt dabei auch als Ansporn, die Pläne zu verwirklichen», sagt Tourismusforscher Prof. Martin Lohmann. Dahinter könnten sich dann die unterschiedlichsten Reisemotive verbergen.

Viele Destinationen und Reiseanbieter setzen in Corona-Zeiten zudem auf virtuelle Rundgänge, Führungen, Videos und andere Erlebnisse. Eine Kompensation von tatsächlichen Reisen sieht Lohmann darin allerdings nicht: «Eine echte Reise ist das nicht.» Mit Hilfe zum Beispiel von Fotos könne man aber vergangene eigene Reiseerlebnisse wieder lebendig werden lassen. «Das tut oft gut», so der Experte. Und: «Man zehrt dann von der Hoffnung, demnächst wieder reisen zu können.»

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