Gefahr der Selbstausbeutung

Darum ist Arbeit zuhause ein zweischneidiges Schwert

SDA/tsha

26.11.2020 - 10:23

ARCHIVBILD --- ZUM SORGENBAROMETER 2020 DER CREDIT SUISSE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Fred, enseignant dans l'ecole vaudoise et pere de famille fait du home office depuis le salon de sa maison, en gardant son fils Oscar, suite a la fermeture des ecoles dans le canton de Vaud et dans la Suisse entiere a cause de la propagation du coronavirus (Covid-19) le lundi 16 mars 2020 a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Nicht immer einfach: zuhause arbeiten und gleichzeitig für die Kinder da sein.
Bild: Keystone

Zwischen entspanntem Arbeiten und Selbstausbeutung: Home-Office ist in der Pandemie populär geworden, hat aber auch seine negativen Seiten.

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist panedemiebedinge Arbeit zuhause ein zweischneidiges Schwert. Zwar schätzen sie die Ruhe, andererseits lassen sie Pausen ausfallen und sind ständig erreichbar. Verliererinnen der Krise sind Frauen und Gesundheitspersonal.

Stress, wenig Einfluss auf die Arbeitszeiten und fehlende Förderung bei der Weiterbildung sind indessen auch im von der Covid-19-Pandemie geprägten Jahr die häufigsten Klagen am Arbeitsplatz, wie das am Donnerstag präsentierte «Barometer gute Arbeit» des Gewerkschaftsdachverbands Travail.Suisse aufzeigt.



Am Homeoffice schätzen die Beschäftigten neben der Ruhe den wegfallenden Arbeitsweg. Während 2019 noch jede oder jeder Dritte mit den Umwelteinflüssen am Arbeitsplatz unzufrieden war, ist es im Barometer 2020 jeder Vierte.

Ständige Erreichbarkeit

Auf der Kehrseite der Medaille stehen die ständige Erreichbarkeit und ausfallende Pausen. Travail.Suisse erinnert in diesem Zusammenhang an die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber auch im Homeoffice. Und es brauche ein Recht auf Unerreichbarkeit, hiess es weiter.

Grösstes Problem ist der Stress. Über 40 Prozent der Befragten fühlen sich oft oder sehr häufig durch die Arbeit gestresst. Für die Mehrheit von ihnen ist das eine schwere Belastung. 40 Prozent geben an, sie könnten ihre Arbeitszeit kaum selber bestimmen. Beinahe die Hälfte bezeichnet die Weiterbildungsförderung durch die Arbeitgeber als ungenügend.



Während der Pandemie verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen zulasten der Frauen weiter, lautet eine weitere Erkenntnis aus dem Barometer. Beurteilten früheren Erhebungen Frauen ihren Arbeitsplatz um 1,6 bis 1,8 Indexpunkte schlechter als Männer, verdoppelte sich das im Zeichen des Coronavirus auf 3,3 bis 3,8 Punkte.

Verschlechterung zulasten der Frauen

Die stärkere Belastung schlug sich vor allem in den Berufen mit hohem Frauenanteil nieder, so im Detailhandel, im Sozial- und im Gesundheitswesen. Der Gesundheitssektor erhielt als einzige Branche in allen Bereichen schlechtere Bewertungen als in den Vorjahren. Für Travail.Suisse sind damit bessere Arbeitsbedingungen für das Gesundheitspersonal dringend nötig.



Das Barometer registrierte indessen auch positive Entwicklungen. So verbesserte sich die interne Kommunikation in der Pandemie. Veränderungen sind demnach rechtzeitig bekannt gegeben worden. Die Information der Arbeitgeberinnen und -geber wurde als ehrlich und vertrauensvoll eingeschätzt. Zudem nahm die Arbeit trotz Krankheit ab.

Travail.Suisse erhebt das Barometer seit 2015 zusammen mit der Berner Fachhochschule. Befragt werden jeweils rund 1500 Erwerbstätige aus allen Regionen der Schweiz.

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