Coronakrise setzt AHV-Fonds und Pensionskassen unter Druck

tafi

26.3.2020 - 02:00

Geld gibt's für Pensionierte in der Schweiz natürlich  auch weiterhin – auch wenn das Coronavirus bei AHV und Pensionskassen für schlaflose Nächte sorgt. (Symboldbild)
KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Die Renten können vorerst ausgezahlt werden, versichert das BVS: Allerdings geraten der AHV-Anlagefonds und die Pensionskassen durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronaviruskrise unter Druck.

Das Vermögen des Ausgleichsfonds der AHV sei seit Februar um zehn Prozent geschrumpft, schreibt die «Neue Zürcher Zeitung» unter Berufung auf Fonds-Direktor Eric Breval. Zudem leide die AHV unter den Einbrüchen bei der Umlagefinanzierung. Besonders die erste Säule sei betroffen, da in der Coronakrise die Erträge aus Lohnbeiträgen zurückgehen.

Eine länger dauernde Rezession hätte laut «NZZ» gravierende Folgen. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) rechne bereits jetzt mit einem Rückgang der Beiträge, auch wenn Kurzarbeitergeld und andere Ersatzleistungen nicht von AHV-Abgaben befreit sind. Aber sie sie sind auch nicht so hoch, wie der reguläre Lohn.



Sogar mit Einbussen bei den Einnahmen aus der Mehrwertsteuer, die ebenfalls für die erste Säule verwendet werden, rechnet das BSV langfristig. Das würde den Druck auf den anlagefinanzierten Ausgleichsfonds zusätzlich erhöhen. Director Breval sorgt sich in der «NZZ» um die Liquidität des Fonds. Diese ist wichtig, damit im Falle einer längeren Krise die Renten auch ausgezahlt werden können. Die Zahlungen seien aber vorerst gesichert, hat die «NZZ» von einem Sprecher des BVS erfahren.

Erschwerend komme in der aktuellen Lage hinzu, dass ab diesem Jahr geburtenstarke Jahrgänge in Rente gehen. Dass die Defizite der AHV steigen werden, ist dem Bund bewusst. Für 2025 wird ein negatives Umlageergebnis von 1,4 Milliarden Franken erwartet. Diese Rechnung wurde allerdings vor der Coronakrise gemacht - als die Prognosen noch zu Wirtschaftsentwicklung und Zuwanderung optimistischer gewesen sein dürften als heute.

Auch zweiter Säule droht Schieflage

Eine im vergangenen Sommer vom Bundesrat an das Parlament verabschiedete Botschaft zur Stabilisierung der AHV bekommt im Kontext eine neue Dringlichkeit. Das Frauenrentenalter soll auf 65 Jahre angeglichen und die Mehrwertsteuer um 0,7 Prozentpunkte erhöht werden. Wann darüber beraten werden kann, ist derzeit völlig unklar.
Zumal sich bereits Widerstand regt. So halte laut «NZZ» der Arbeitgeberverband die angedachte Mehrwertsteuererhöhung für zu hoch. Auch die Politik spricht sich für Zurückhaltung aus.



«Wir müssen genau berechnen, wie viel es braucht, damit die AHV bis 2030 stabil ist», wird Ruth Humbel (CVP), Präsidentin der Sozialkommission des Ständerats, in der Zeitung zitiert. Nationalrat Pierre-Yves Maillard (SP) schlägt in diesem Zusammenhang vor, in der Krise Gelder der Nationalbank für die AHV zu verwenden.

Auch die Pensionskassen geraten durch die derzeitigen Turbulenzen an den Finanzmärkten in Schieflage. Durch die Coronakrise könnten viele Kassen in Unterdeckung geraten, was höhere Beiträge für Arbeitgebende und Arbeitnehmende zur Folge hätte.

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