CS-Chef Gottstein: «Es gibt keine heiligen Kühe»

SDA

7.4.2021 - 05:07

Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein hat 2020 in seinem ersten Jahr an der Spitze der Grossbank ein Gehalt von 8,5 Millionen Franken erhalten. Damit verdiente er weniger als sein Vorgänger als CEO Tidjane Thiam, der 10,7 Millionen kassierte (Archivbild)
Thomas Gottstein ist seit Februar 2020 Chef der Credit Suisse. (Archivbild)
Bild: Keystone/Ennio Leanza

Nach den Fehltritten mit Archegos Capital und Greensill will sich die Credit Suisse weniger bei Hedgefonds engagieren. Die Vorfälle in den USA mit Archegos seien «absolut inakzeptabel», sagt der CEO der Grossbank in einem Interview.

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7.4.2021 - 05:07

Nach den Fehlschlägen mit Archegos Capital und Greensill dürfte die Credit Suisse (CS) das Engagement bei Hedgefonds zurückfahren. Er gehe davon aus, dass mit dem neuen Verwaltungsratspräsidenten Antonio Horta-Osório auch eine Strategieüberprüfung vorgenommen werde, sagte Konzernchef Thomas Gottstein am Dienstag im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».

«Was wir jetzt schon sagen können: Aus gewissen Teilen des Investment Banking werden wir weiter Risiken herausnehmen», sagte Gottstein. Dazu gehöre sicher das Prime-Services-Geschäft, also Dienstleistungen für Hedgefonds.

«Es gibt keine heiligen Kühe», sagte Gottstein auf die Frage, ob die grundsätzliche Aufstellung der CS, die One-Bank-Strategie, zur Disposition stehe. Er werde den Archegos-Fall, wie auch das Greensill-Debakel mit dem Verwaltungsrat aufarbeiten und die richtigen Schlüsse ziehen. Was in den USA mit Archegos passiert sei, sei «absolut inakzeptabel», sagte Gottstein weiter.

Überprüfung schwieriger via Zoom

Dem CS-Chef zufolge ist es eine Herausforderung eine globale Bank während der Corona-Pandemie via Zoom zu managen. Auf den Einwurf, dass das eine Ausrede sei, bekräftigte Gottstein, er sei überzeugt, dass während der Pandemie in «jedem Risikogeschäft, egal, ob Banken oder Versicherungen, die Überprüfung schwieriger» sei. Das sei keine Entschuldigung, sondern eine Tatsache, mit der umgegangen werden müsse. Es sei nicht einfach, wenn man seine Mitarbeiter über Monate hinweg nicht persönlich sehe. 

Am Dienstagmorgen hatte die Credit Suisse mitgeteilt, dass das Debakel um Archegos im ersten Quartal 4,4 Milliarden Franken koste. Risikochefin Lara Warner und Investment-Bank-Chef Brian Chin mussten den Hut nehmen. Zudem wurde ein Aktienrückkauf gestoppt und die Dividende gekürzt.



Keine Kapitalerhöhung angekündigt

Dazu kommt der «Fall Greensill» rund um Lieferketten-Finanzierung, dessen Ausmass die Bank noch nicht beziffert hat. Trotzdem hat die Bank keine Kapitalerhöhung angekündigt. «Ich denke, wir haben starke Massnahmen getroffen», sagte Gottstein auf eine entsprechende Frage. Die Kapitalbasis der CS sei mit einer Kernkapitalquote von über 12 Prozent weiterhin sehr solide.