Urs Rohner entschuldigt sich zum Abschied

tp

30.4.2021 - 07:29

Credit Suisse-Spitze entschuldigt sich an GV wegen den hohen Verlusten

Credit Suisse-Spitze entschuldigt sich an GV wegen den hohen Verlusten

An der virtuellen Generalversammlung der Credit Suisse äusserte sich der abtretende Verwaltungspräsident Urs Rohner über die grossen Verluste im Zusammenhang mit dem Hedgefonds Archegos und den Greensill-Fonds. «Wir haben unsere Kunden und Aktionäre enttäuscht. Dafür entschuldige ich mich», sagte Rohner.

30.04.2021

Trotz turbulenter letzter Wochen: Die letzte Generalversammlung der Credit Suisse unter Leitung von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner verlief reibungslos. Sein Nachfolger Antonio Horta-Osorio wurde mit 96 Prozent der Stimmen gewählt.

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30.4.2021 - 07:29

Das Wichtigste zur GV der Credit Suisse

  • Als Nachfolger von Urs Rohner wurde wie vorgeschlagen Antonio Horta-Osorio gewählt. Der Portugiese erhielt 96 Prozent der Stimmen.
  • Alle Mitglieder des Verwaltungsrats wurden bestätigt respektive neu gewählt.
  • CEO Thomas Gottstein versichert, dass die Bank die «richtigen Schlüsse» aus den jüngsten Skandalen ziehen werde.
  • Die Aktionäre genehmigten die gekürzte Dividende von 0,10 Rappen pro Aktie sowie die Vergütungen des Verwaltungsrats und die fixen Vergütungen der Geschäftsleitung.
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  • 12.50 Uhr
    Aktie stabil

    Die Aktie der Credit Suisse blieb am Vormittag relativ stabil: Am Morgen fiel sie von 9.70 Franken pro Aktie auf einen Tiefstand von 9.57 Franken kurz vor der GV, bei deren Abschluss sie wieder bei 9.66 Franken lag. Seither bewegt sie sich auf einem Niveau knapp über 9.60 Franken.

    Urs Rohner, president of the board, speaks during a press conference of the Observation of Iqbal Khan in Zurich, Switzerland, Tuesday, October 1, 2019. (KEYSTONE/Ennio Leanza).Urs Rohner
    Urs Rohner war zehn Jahre lange Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse.
    KEYSTONE
  • 12.50 Uhr
    Protest von Aktivisten vor dem Gebäude

    Zu einem Zwischenfall kam es vor dem Seminarhotel Bocken, aus dem die Generalversammlung übertragen wurde. Wie «20 Minuten» berichtet, versammelte sich eine Gruppe von Aktivisten vor dem Gebäude und protestierte gegen die Investitionen in Pipelines in den USA, die durch die Gebiete von Indigenen führten. Die Grossbank sei damit für die Verletzung von Menschenrechten verantwortlich. Sie solle sich an ihre eigenen Richtlinien halten, forderte ein Aktivist.

    Andere Personen kletterten auf das Dach, rollten ein Transparent aus und machten Lärm. Die anwesende Polizei ging dagegen vor. Zur Aktion bekannte sich später die Bewegung Klimastreik Schweiz, wie sie in einem Post auf Instagram schrieb.

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  • 11.36 Uhr
    Rohner schliesst GV mit persönlichen Worten

    Der abtretende Präsident Urs Rohner schliesst die Generalversammlung ab und richtet sich nochmals an alle Aktionäre und Mitarbeiter. Die «dramatischen, nicht entschuldbaren Verluste» hätten die erfreulichen Entwicklungen der letzten Jahre in den Hintergrund hätten treten lassen: «Wir haben die Aktionäre enttäuscht – dafür entschuldige ich mich.» Besonderes bedauert er auch, dass die CS-Mitarbeitenden die Folgen zu spüren bekämen. «Sie sind enttäuscht und wütend, und ich bin es auch.»

  • 11.27 Uhr
    Alle Kandidaten für Verwaltungsrat gewählt

    Alle Kandidaten für den Verwaltungsrats werden bestätigt oder neu gewählt. Auch der in der Kritik stehende Vizepräsident Severin Schwan wird mit rund 84 Prozent der Stimmen gewählt.

  • 11.22 Uhr
    Antonio Horta-Osorio gewählt

    Der Nachfolger von Urs Rohner wird bestätigt: Antonio Horta-Osorio wird mit 96 Prozent der Stimmen zum Präsidenten des Verwaltungsrats gewählt. Er hält nun seine Antrittsrede und nimmt die Wahl offiziell an.

  • 11.08 Uhr
    CEO Gottstein will «richtige Schlüsse» aus jüngsten Ereignissen ziehen

    CEO Thomas Gottstein drückt sein Bedauern über die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Hedgefunds Archegos und die Greensill-Fonds aus. Die Bank werde daraus die «richtigen Schlüsse» ziehen, versichert er.

    Die Ereignisse hätten bei Mitarbeitenden, Kund*innen sowie Aktionär*innen grosse Verunsicherung ausgelöst und den Aktienkurs erheblich geschwächt, räumt Gottstein ein. Die Bank habe allerdings bereits entschiedene Massnahmen ergriffen, versicherte er mit Verweis auf die personellen Konsequenzen und die Bonikürzungen.

    Die Bank führe eine Gesamtüberprüfung der Risikosysteme und der Risikokultur in der gesamten Bank durch. Zudem reduziere sie ihre Risikopositionen im Prime-Services-Geschäft signifikant. «Ich bin überzeugt, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen werden mit dem Ziel, dass solche Ereignisse nie wieder vorkommen.» Die Geschäftsleitung setze alles daran, dass die Credit Suisse «gestärkt aus dieser Situation hervorgehe».

    Er freue sich zudem auf die Zusammenarbeit unter der Leitung von António Horta-Osório. «Gemeinsam werden wir unsere divisions- und funktionsübergreifende Gesamtstrategie wie jedes Jahr unvoreingenommen überprüfen.» Seine Rolle sehe er nun darin, die CS gemeinsam mit dem Verwaltungsrat «wieder in ruhigere Gewässer» zu führen.

  • 10.48 Uhr
    Rohner dankt Mitarbeitenden für Einsatz

    Der abtretende Verwaltungsratspräsident Urs Rohner geht in seiner Ansprache nicht auf die jüngsten Grosspannen ein: Diese «aktuellen dramatischen Vorfällen» würden von CEO Gottstein angesprochen, sagte er lediglich. Auch seinen Abschied walzt Rohner nicht breit – er dankt lediglich den Mitarbeitenden für ihren Einsatz im vergangenen Jahr.

  • 10.35 Uhr
    Sitzung wird eröffnet

    Verwaltungsratspräsident Urs Rohner eröffnet die Sitzung. Die Generalversammlung findet ohne Publikum statt und wird als Webcast übertragen. Neben Rohner sind nur wenige Personen anwesend: sein designierter Nachfolger Antonio Horta-Osorio; CEO Thomas Gottstein; Joan Belzer, Sekretärin des Verwaltungsrats; der Vizepräsident des Verwaltungsrats, Severin Schwan; sowie ein Anwalt als Stimmrechtsvertreter der Aktionäre und ein Vertreter der Revisionsstelle.

Was bisher geschah

Seit 2011 ist Urs Rohner Präsident des Verwaltungsrats der Credit Suisse. Seine letzte Generalversammlung hätte sich der 61-Jährige wohl unter anderen Vorzeichen gewünscht. Die Skandale um den Greensill-Fonds und den Hedgefonds Archegos beschäftigen die Schweizer Grossbank seit Wochen und sorgen für einen riesigen Verlust. Die Belastungen im ersten und zweiten Quartal wurden auf insgesamt 5 Milliarden Franken beziffert.

Zudem hat CS-Verwaltungsrat Andreas Gottschling seine Kandidatur für die Wiederwahl kurz vor der Generalversammlung zurückgezogen. Gottschling war als Vorsitzender des Risikoausschusses nach den Debakeln um zwei Hedgefonds in die Kritik geraten. Mit dem Rückzug von Gottschling erübrige sich das Traktandum an der Generalversammlung, teilte die Credit Suisse am Freitagmorgen nur Stunden vor der Veranstaltung mit.



In den vergangenen Tagen hatten sich diverse Aktionäre und Aktionärsberater gegen eine Wiederwahl von Gottschling ausgesprochen. So hatten etwa der US-Stimmrechtsberater Glass Lewis, der Stimmrechtsberater Ethos und die Aktionärsvereinigung Actares dazu aufgerufen, Gottschling die Wiederwahl zu verweigern. Neben Gottschling wollen einige Aktionäre am Freitag zudem auch weitere Verwaltungsräte nicht mehr bestätigen, die im Risikoausschuss Einsitz hatten, darunter Vizepräsident Severin Schwan.

epa04965716 Group Chief Executive of Lloyds Banking Group Antonio Horta-Osorio speaks at the Institute of Directors annual convention at the Royal Albert Hall in London, Britain, 06 October 2015. EPA/ANDY RAIN
Der designierte neue Präsident des Verwaltungsrates, Antonio Horta-Osorio.
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Nachfolger von Urs Rohner soll Antonio Horta-Osorio werden. Der 57-jährige Portugiese leitet seit 2011 die Lloyds Banking Group, die grösste Retail- und Geschäftsbank des Vereinigten Königreichs.

Investoren verlangen Zurückhaltung bei Kohle-Finanzierung

Ausserdem fordern bei der Credit Suisse engagierte Investoren die Bank zu mehr Zurückhaltung bei der Finanzierung des Kohlesektors auf. Die Investoren, die in Summe 2,5 Billionen Dollar Vermögen verwalten, halten die aktuellen Richtlinien des Instituts für zu lasch, wie aus einem Brief an den Verwaltungsrat der Bank hervorgeht, den Reuters gesehen hat.

Da die Investoren auf der Online-Generalversammlung der Bank am Freitag, die ganz im Zeichen des Archegos-Kollaps stehen dürfte, keine Fragen stellen können, hat die Gruppe ihre Forderungen in einem Brief dargelegt. Unter Berufung auf eine Studie des Rainforest Action Network wirft sie der Credit Suisse vor, anderen Banken beim Thema Kohle hinterherzuhinken und zwischen 2016 und 2020 einer der grössten europäischen Geldgeber für Kohlekraftwerke und -bergwerke gewesen zu sein.

«Wir stehen weiterhin in engem Kontakt mit ShareAction über unsere Energiepolitik und Klimastrategie, schätzen ihr konstruktives Engagement und ihre Anerkennung der bedeutenden Fortschritte, die wir gemacht haben», erklärte eine Sprecherin der Credit Suisse.