Gesetzesreform hat FolgenKonkurswelle rollt über die Schweiz – diese Regionen trifft es am härtesten
Dominik Müller
3.11.2025
In der Schweiz gingen seit Jahresbeginn 6274 Firmen in Konkurs. (Archivbild)
Keystone
Noch nie wurden in der Schweiz so viele Firmenkonkurse verzeichnet wie 2025. Gemäss einer neuen Analyse ist ihre Zahl um 40 Prozent gestiegen. Eine Gesetzesreform zwingt öffentliche Gläubiger nun zum Handeln.
Die Zahl der Unternehmenskonkurse in der Schweiz hat ein Rekordniveau erreicht. Laut einer aktuellen Analyse von Dun & Bradstreet wurden seit Jahresbeginn 6274 Insolvenzverfahren eröffnet, ein Anstieg um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Parallel zu den Konkursen stiegen die Neugründungen um 4 Prozent.
Der Anstieg der Insolvenzen stehe neben dem herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld im Zusammenhang mit einer Gesetzesänderung im Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG), die am 1. Januar 2025 in Kraft trat. Diese Reform verpflichtet öffentliche Gläubiger wie Steuerbehörden und Sozialversicherungen, ausstehende Forderungen gegenüber Unternehmen konsequent über Konkursverfahren geltend zu machen.
Zuvor konnten diese Institutionen zwar Betreibungen einleiten, waren jedoch nicht verpflichtet, den Konkurs zu beantragen, was vielen überschuldeten Unternehmen ein Weiterbestehen ermöglichte.
Mit der neuen Regelung werden öffentliche Gläubiger nun den privaten gleichgestellt, was zu einer deutlich strengeren Handhabung und kurzfristig zu einer Zunahme an Konkursverfahren führt. Die Reform soll langfristig zu einer besseren Zahlungsmoral und einer faireren Wettbewerbslandschaft führen.
Deutliche regionale Unterschiede
Die Analyse zeigt grosse regionale Unterschiede in der Entwicklung der Unternehmenskonkurse. Am stärksten stieg die Zahl der Konkurse in der Zentralschweiz (+48 Prozent), gefolgt vom Espace Mittelland (+44 Prozent) sowie der Nordwestschweiz und der Ostschweiz (je +43 Prozent). Auch in der Südwestschweiz legten die Konkurszahlen um 42 Prozent zu.
Etwas moderater fiel der Anstieg im Tessin (+34 Prozent) und in Zürich (+28 Prozent) aus. Diese Unterschiede verdeutlichen, dass die Wirkung der Gesetzesänderung regional unterschiedlich greift, abhängig von der jeweiligen Wirtschaftsstruktur, Verschuldungssituation und den Branchenanteilen.
Breiter Anstieg über alle Branchen hinweg
Die Analyse der Branchen mit mindestens 100 Konkursfällen zeigt, dass in sämtlichen Sektoren ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen ist. Am stärksten betroffen ist die Herstellung dauerhafter Güter (+64 Prozent), gefolgt von der IT-Branche (+60 Prozent), den Holdings und Investitionsgesellschaften (+59 Prozent) sowie den Unternehmensdienstleistungen (+55 Prozent). So legt diese Entwicklung nahe, dass die Gesetzesänderung vor allem Unternehmen trifft, die bereits mit geringer Liquidität oder strukturellen Problemen zu kämpfen hatten.
Parallel zum Anstieg der Insolvenzen nahm auch die Zahl der Unternehmensgründungen zu. In den ersten drei Quartalen 2025 wurden 40'866 neue Firmen im Handelsregister eingetragen, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am gründungsfreudigsten zeigte sich die Zentralschweiz (+11 Prozent), gefolgt von Zürich (+6 Prozent) sowie der Nordwest- und Südwestschweiz (je +4 Prozent).
Im Espace Mittelland kam es zu einem leichten Zuwachs um 2 Prozent, während die Zahl der Neugründungen im Tessin stagnierte und in der Ostschweiz (–1 Prozent) leicht zurückging.
Zweistellige Zuwächse bei den Neueintragungen gab es insbesondere bei Immobilienmaklern und -verwaltungen (+20 Prozent), Holdinggesellschaften (+17 Prozent) und der IT-Branche (+16 Prozent). Rückgänge verzeichneten dagegen der Einzelhandel (–11 Prozent), der Landverkehr und die Logistik (–5 Prozent) sowie das Gastgewerbe (–3 Prozent).