Bringt WC-Papier auf dem Toilettensitz wirklich mehr Hygiene?

28.10.2018 - 18:00, uri

Klopapier auf dem Toilettensitz in einer öffentlichen Toilette. 
Bild: Bluewin/Symbolbild

Das Problem: Man verspürt ein dringendes Bedürfnis und leider ist nur ein öffentliches WC auffindbar. Viele Menschen meistern diese Situation mit einer Lage Toilettenpapier auf der Klobrille – und sitzen damit buchstäblich einem Trugschluss auf. 

Eine wirklich saubere Angelegenheit sind öffentliche Toiletten selten. Leider ist der Besuch von Bedürfnisanstalten aber auch nicht immer zu vermeiden. Viele reinliche Menschen behelfen sich dann damit, den Toilettensitz gründlich mit Klopapier abzudecken, bevor sie Platz nehmen. So gepolstert, sitzen sie dann etwas beruhigter – laut Hygieneexperten allerdings lediglich in trügerischer Sicherheit.

Bereits simple Zahlen verdeutlichen die Problematik: Schon die Oberfläche eines steril wirkenden Mobiltelefons weist nämlich rund zehn Mal so viele Bakterien auf wie ein Toilettensitz. Die Gründe dafür sind einleuchtend: Toiletten werden in der Regel öfter gründlich und mit schärferen Mitteln gereinigt als Handys. Ausserdem werden sie bedeutend seltener berührt als die omnipräsenten Geräte, die die meisten überallhin mitschleppen.

Die Klobrille ist kein guter Nährboden

Auch sterben die allermeisten Erreger auf einer Klobrille rasch ab, wie Professor Philip M. Tierno vom Fachbereich «Mikrobiologie und Pathologie» der New York University gegenüber dem Magazin «Self» erklärt. Herpesviren etwa überleben demnach ausserhalb des menschlichen Körpers keine zehn Sekunden. Ähnlich verhält es sich auch bei Chlamydien oder den Diplokokken, den Verursachern der Geschlechtskrankheit Gonorrhoe. Und für den Fall, dass sich dann trotzdem intakte Bakterien oder Viren auf dem kalten Plastik befinden, wird der menschliche Körper ohnehin effektiv durch seine Haut geschützt.

Man muss also schon Wunden am Allerwertesten haben und an diesen Stellen in direkten Kontakt mit Keimen kommen, um sich etwa das HI-Virus oder eine Staphylokokken-Infektion einzufangen. Diese Erreger wiederum sind aber selten auf den Toilettensitzen zu finden. Auf deren Oberfläche entdeckt man gemeinhin vor allem jene Mikroben, die ohnehin ständig auf der menschlichen Haut angesiedelt sind, sagt Tierno.

Toilettenpapier ist gar nicht so hygienisch

Vor dem Hintergrund, dass Klobrillen offenbar viel weniger kritisch sind als gemeinhin angenommen, könnte man davon ausgehen, dass eine dicke Lage frisches Klopapier die Angelegenheit noch viel hygienischer macht. Aber weit gefehlt. Dann sitzt man wirklich einem Trugschluss auf.

De facto können sich auf Klopapier nämlich mitunter mehr Krankheitserreger als auf dem Toilettensitz selbst befinden. Das vor allem, weil die Klopapierrolle beim Stuhlgang einer Person mehrfach berührt wird. Auch werden bei jedem Spülvorgang der Toilette – zumal wenn der Toilettendeckel nicht geschlossen ist – Fäkalkeime in die Luft gewirbelt, die überall im Toilettenraum anhaften. Und das auch auf der Klopapierrolle.

Jedoch selbst dieser Umstand stellt kein wirkliches Problem für einen gesunden menschlichen Organismus dar. Die wenigsten Menschen dürften sich jemals grosse Gedanken über die bakterielle Besiedlung von Toilettenpapier gemacht haben. Krank geworden sind die allermeisten trotzdem nicht.

Befolgung einfacher Regeln schützt am besten

Tatsächlich ist es die Befolgung einfacher und logischer Regeln, die am besten vor einer Ansteckungen auf der Toilette schützt. Laut Tierno soll man sich niemals an Nase, Mund, Augen oder einer offenen Wunde berühren, bevor man seine Hände nach dem Toilettengang 20 Sekunden lang gründlich mit Seife gewaschen hat.

Nach dem Händewaschen muss man darauf achten, den gerade geschaffenen Hygieneeffekt nicht gleich wieder zunichte zu machen, indem man direkt die mit Erregern dicht besiedelte Türklinke anfasst. Idealerweise nimmt man hier ein Papierhandtuch zu Hilfe. Auch schadet es nie, dem gesunden Menschenverstand zu folgen und eine komplett verdreckte Toilette nicht zu benutzen oder dann wenigstens berührungsfrei darüber zu hocken.

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