Was trocknet die Hände im WC sauberer: Papier oder Luft?

16.5.2018 - 09:14, bb

Nach dem Waschen die Hände mit einem Papiertuch oder dem elektrisches Gebläse trocknen? Ausgerechnet in so einer komplexen und kritischen Alltagssituation lässt uns die Wissenschaft allein.
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Hygiene beim Händewaschen ist keine Frage – doch womit ist die am besten gewährleistet? Papiertuch oder elektrisches Gebläse? Eine Journalistin der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» wollte es genau wissen.

In öffentlichen Toiletten finden sich Keime und Mikroben. Dennoch waschen sich viele Menschen nicht die Hände nach dem Gang aufs WC. Und jene, die die Hände waschen, werden oft vor die grosse Frage gestellt: Papiertücher oder Luftströme?

«Ausgerechnet in so einer komplexen und kritischen Alltagssituation lässt uns die Wissenschaft allein», schreibt die «Die Zeit»-Journalistin Stefanie Kara. Jedes Mal, wenn wir mit nassen Händen in einem öffentlichen WC stehen, müssten wir überlegen:

Sollen wir die Hände unter den Trockner halten?

Sie besser mit Papierhandtüchern abwischen?

Oder sie feucht in die Hosentaschen stecken?

Kara hat deshalb vier aktuelle «Hände-sauber-machen-im-WC»-Studien untersucht. Sie kam dabei zu einem ziemlich «dreckigen» Ergebnis:

1. Vergleich mit Papiertüchern fehlt

Es gebe zwar Studien, schreibt die Journalistin, die Hoffnung auf Klarheit wecken würden. Eine Studie zum Beispiel handelt von «Bakterien und Bakteriensporen durch Toiletten-Heissluft-Handtrockner». Ihr Ergebnis wurde im Fachjournal «Applied and Environmental Microbiology» veröffentlicht: Läuft ein Handtrockner, werden deutlich mehr Bakterien «deponiert», als wenn er nicht läuft.

Endlich, denkt man, ist bewiesen, was man schon immer zu fühlen glaubte: Handtrockner sind Keimschleudern. Doch ein Blick in die Untersuchung offenbare Unsauberkeiten. Nicht auf den Händen wurde die Bakterienbelastung gemessen, sondern auf Probeschälchen irgendwo im Raum. Ausserdem fehle der Vergleich mit Papiertüchern.

2. Auftraggeber der Studie: Zellstoffproduzenten

«Die weitere Recherche in der Trockner-versus-Papier-Literatur ergebe ebenfalls kein klares Bild», so Journalistin Kara weiter. So kamen im Jahr 2008 Forscher der University of Westminster zu dem Schluss, dass nach dem Trocknen mit Papier die Zahl der Keime deutlich reduziert war – nach dem Trocknen mit Trocknern dagegen erhöht.

Nur: Diese Studie wurde vom European Tissue Symposium in Auftrag gegeben, dem Berufsverband der Zellstoffproduzenten.

3. Airblade-Hersteller finanziert Studie

2011 wiederum veröffentlichten Wissenschaftler der University of Bradford einen Test mit dem Düsentrockner Airblade. Die Maschine erzeugt einen Luftstrom mit einer Geschwindigkeit von mehr als 600 Kilometern pro Stunde. Das Ergebnis: «Der Airblade war den Warmlufttrocknern beim Reduzieren des Transfers von Bakterien überlegen.»

Was die Forscher ausserdem herausfanden, aber nicht gross erwähnten: Papiertücher waren allen Trocknertypen überlegen. Diese Studie wurde vom Airblade-Hersteller Dyson finanziert.

Höchste Zeit, dass die Wissenschaft diese WC.Angelegenheit endlich klärt. Mit einer richtig trockenen Studie.
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4. Nochmals die Zellstoffproduzenten

Vor zwei Jahren schliesslich sorgte eine Untersuchung für Wirbel, nach welcher der Turbotrockner die Keime von den Händen geradezu in der Gegend versprüht. Er produzierte in der Testsituation mehr als 1'300-mal so viele Virenbeläge im Raum wie Papiertücher.

Aber eben: Einer der beiden Autoren der Studie bezog Beratungshonorare und Reisespesen vom European Tissue Symposium.

Forscher machen sich Finger schmutzig

Das Fazit von «Der Zeit»-Journalistin Kara lautet: Im Kampf der Hygiene-Industrie um Marktanteile machen sich offenbar einige Forscher die Finger schmutzig.

Bleibte die Frage: Gibt es keine anderen Studien? Doch. Die würde aber ebenfalls nicht viel tagen, urteilt die österreichische Cochrane-Gruppe für evidenzbasierte Forschung: methodisch unsauber allesamt. Die Organisation will deshalb keine Empfehlung pro Papier oder pro Luft abgeben.

«Es sei deshalb höchste Zeit, dass die Wissenschaft diese Angelegenheit endlich klärt», so Kara, «mit einer richtig trockenen Studie.»

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