Warum wir trotz guter Absichten nichts gegen den Klimawandel tun

SDA/uri

28.1.2020 - 17:00

Viele beklagen die Erderwärmung – und fliegen dann trotzdem munter für einen Wochenendtrip nach London. Ein Forscher aus Genf hat nun die Knackpunkte identifiziert, die uns vom richtigen Handeln abhalten.

Vielen bereitet der Klimawandel Sorge. Was jeder Einzelne tun könnte, um das Klima zu schützen, ist eigentlich bekannt. Trotzdem können sich viele nicht dazu durchringen. Tobias Brosch von der Universität Genf hat die Hindernisse identifiziert und schlägt Wege zu ihrer Überwindung vor.

Für den Forscher fallen diese Hindernisse in fünf Kategorien. Bei der Erstellung seiner Liste stützte sich Brosch auf mehr als 400 Studien aus Psychologie, Neurowissenschaften, affektiven Wissenschaften und Verhaltensökonomie, wie die Universität Genf in einer Medienmitteilung erklärte.

Eine der Schwierigkeiten betrifft die Wahrnehmung des Problems. Das menschliche Gehirn hat Mühe, ein Phänomen wie den Klimawandel zu erfassen, das wir weder direkt fühlen noch berühren können. Virtual Reality könnte in diesem Fall dazu beitragen, das Bewusstsein für die Folgen eines Temperaturanstiegs zu schärfen.

Persönliche Vorteile betonen

Eine weitere Hürde betrifft das unmittelbare Eigeninteresse. Manche sehen nicht ein, welchen Vorteil eine Änderung ihres Verhaltens für sie selbst hätte. Nach Ansicht von Brosch sollte für diese Menschen der direkte Nutzen einer Änderung der Gewohnheiten, wie zum Beispiel das Velofahren, für die Gesundheit hervorgehoben werden.

Eine weitere grosse Barriere ist sozialer Natur. Es ist schwer, etwas aufzugeben, wenn der Nachbar nichts für den Klimaschutz tut. Gemäss Brosch wäre eine Lösung, so viel wie möglich darüber zu kommunizieren, dass viele Menschen etwas für das Klima tun.

Greta-Effekt reicht nicht

Der Forscher hält den Greta-Thunberg-Effekt für «eine gute Triebkraft» in diesem Bereich. Aber der Aktivismus der jungen Schwedin und ihrer «Fridays for Future»-Bewegung werde nicht ausreichen, um eine Veränderung der Staatsbürgerschaft zu bewirken, betont Brosch. Die politischen Instanzen müssen sich auch zu einer besseren Kommunikation über mögliche Massnahmen verpflichten.

Broschs Arbeit ist Teil der Genfer Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik (GSPI), deren Ziel es ist, «veröffentlichte wissenschaftliche Literatur auf einem bestimmten Gebiet zu synthetisieren, zu popularisieren und an die richtigen Leute weiterzugeben». Am Dienstag nimmt Brosch an einem Runden Tisch im Palais des Nations teil.

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