Stümperhafter Prophet Der Böögg sagt den Sommer voraus? Von. Wegen.

gbi

17.4.2023

Pannen, Pech und Pleiten: Als der Böögg baden ging

Pannen, Pech und Pleiten: Als der Böögg baden ging

Ein Attentat, eine Entführung und ein paar Steckenpferde: Der Böögg hat eine bewegte Vergangenheit. blue News zeigt dir die spektakulärsten Auftritte des Zürcher-Wetterorakels im Video.

14.04.2023

Weisst du noch? Für 2022 hatte der Böögg einen hundsmiserablen Sommer angekündigt. Doch sein prophetisches Talent hat sich als unzuverlässig erwiesen – einmal mehr. 

gbi

17.4.2023

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Zürcher Böögg soll gemäss altem Brauchtum den Sommer vorhersagen. Wirklich zuverlässig agiert er dabei aber nicht.
  • Am Sechseläuten 2022 explodierte sein Kopf erst nach 37:59 Minuten, ein mieser Sommer schien garantiert. Am Ende war der Sommer einer der heissesten und sonnigsten der Geschichte.
  • Kein Ausreisser: Auch in anderen Jahren hat sich der Böögg nicht mit Ruhm bekleckert.

Zum Glück handelt der Böögg nicht mit Wertpapieren. Er hätte sonst noch am 18. März sein gesamtes Erspartes in Aktien der Credit Suisse gesteckt.

Und auch in seinem Kernbusiness, der Wetterprognose, agiert das Zürcher Orakel trotz über 100-jähriger Erfahrung eher kopflos. Das zeigen Daten der Wetterexpert*innen von MeteoSchweiz, dem Bundesamt für Klimatologie und Wetter.

Auch ein blindes Huhn ...

Zwar liegt auch der Böögg ab und an mal richtig mit seinen Prognosen: So sagte er den Hitzesommer 2003 korrekt voraus. Nach einer Brenndauer von nur gerade 5 Minuten und 42 Sekunden explodierte bereits der Kopf – viel schneller als im Durchschnitt, der bei einer guten Viertelstunde liegt.

Der Sommer wurde dann so richtig heiss: Die mittlere Temperatur lag in tiefen Lagen im Mittelland bei über 21 Grad. Es war der heisseste je gemessene Sommer in der Schweiz.

Andere rekordheisse Sommer konnte der Böögg dagegen nicht besonders gut voraussagen. 2015 und 2018 explodierte der Kopf jeweils erst nach rund 20:30 Minuten. Im Jahr 2019 verlor der Böögg mit 17:44 Minuten auch eher spät den Kopf.

Anno 1956 dagegen hielt der Böögg nur gerade 4 Minuten durch – der anschliessende Sommer war dennoch einer der kühlsten überhaupt, wie die Meteorologen des privaten Wetterdiensts Meteoschweiz festhalten.

Auch 2021, bei seinem Corona-bedingten Ausflug in die Urner Schöllenenschlucht, hat sich der Böögg nicht mit Ruhm bekleckert. Die Brenndauer war mit 12:57 Minuten verhältnismässig kurz, der Sommer aber einer der nassesten seit Messbeginn.

Und wie war es 2022 schon wieder?

Übelstes Hudelwetter – das hatte der Böögg für den Sommer 2022 vorhergesagt. Erst nach 37:59 Minuten war der Kopf des Schneemanns explodiert, ein Horrorwert für Sommer-Fans.

Es kam dann aber bekanntlich ganz, ganz anders: Landesweit war es der zweitwärmsten Sommer seit Messbeginn 1864, meldete MeteoSchweiz. Einzig der legendäre Hitzesommer 2003 war noch extremer.

Die Sommerhitze war auch kein Ausreisser, sondern zog sich durch: der zweitheisseste Juni, der viertheisseste Juli und schliesslich der drittheisseste August seit Messbeginn sprechen eine deutliche Sprache.

Und mehr noch, der Sommer 2022 war auch noch besonders sonnig. Genf und Basel verzeichneten laut MeteoSchweiz den sonnigsten und Zürich den zweitsonnigsten Sommer seit über 120 Jahren.

Böögg-Fans bringt all dies in Erklärungsnot, denn die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache: «Die statistische Analyse ergibt keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Brennzeit des Bööggs und der Sommertemperatur im Mittelland der Schweiz», hält MeteoSchweiz nüchtern fest. Im Klartext: «Eine Vorhersagequalität des Bööggs ist nicht nachweisbar.»

Oha: Der Zürcher Böögg explodierte 2022 erst nach 37 Minuten und 59 Sekunden

Oha: Der Zürcher Böögg explodierte 2022 erst nach 37 Minuten und 59 Sekunden

Erst nach 37 Minuten und 59 Sekunden gab es den grossen Chlapf: Der Böögg hat am Zürcher Sechseläuten 2022 verhältnismässig lange überlebt. Für den Sommer verheisst das nichts Gutes.

25.04.2022