«Die aufregendste Entdeckung unserer Karriere»

SDA/tjb

8.10.2019 - 14:30

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht zur Hälfte an zwei Schweizer: Michel Mayor und Didier Queloz von der Uni Genf werden für die Entdeckung des ersten Planeten ausserhalb des Sonnensystems geehrt.

Das Nobelkomitee ehrt zwei Schweizer Planetenforscher: Michel Mayor und Didier Queloz von der Universität Genf erhalten für die Entdeckung des ersten Exoplaneten die eine Hälfte des diesjährigen Nobelpreises. Zur anderen Hälfte geht der Preis an James Peebles für Entdeckungen zur physikalischen Kosmologie.

«Diese Entdeckung ist die aufregendste unserer gesamten Karriere, und einen Nobelpreis zu erhalten, ist einfach aussergewöhnlich», werden die Schweizer Forscher Michel Mayor und Didier Queloz in einem Communiqué der Universität Genf zitiert. Die beiden Nobelpreisträger für Physik sind derzeit im Ausland.




Auch bei der Universität Genf (Unige) ist die Freude riesig. «Dies ist eine fantastische Anerkennung der Arbeit von Michel Mayor und Didier Queloz», sagte Unige-Rektor Yves Flückiger. «Das sind gute Nachrichten für unsere Universität, für Genf und für die ganze Schweiz», fügte er hinzu.

Sicht auf Kosmos revolutioniert

Mayor und Queloz entdeckten 1995 den ersten Planeten ausserhalb des Sonnensystems, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist, 51 Pegasi. Sie revolutionierten damit die Astronomie und begründeten das Feld der Exoplanetenforschung. «Niemand wusste, ob es Exoplaneten gibt oder nicht», wird Mayor in der Pressemitteilung der Unige zitiert. Die Jagd war schon eine Weile im Gange. «Renommierte Astronomen haben seit Jahren vergeblich danach gesucht.»

Mittlerweile sind über 4'000 Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems entdeckt worden. Einige davon sind Gasriesen, wie 51 Pegasi b, andere Gesteinsplaneten wie die Erde. In Kürze soll auch eine ESA-Mission unter Schweizer Leitung starten: Mit dem Cheops-Weltraumteleskop will ein internationales Team um Forschende der Unversität Bern bekannte Exoplaneten genauer untersuchen.



Hinter der Suche nach und der Erforschung von Exoplaneten steht auch die Frage, ob es Leben dort draussen gebe, hielt die Schwedische Akademie in der Medienmitteilung zum Preis fest.

Dunkle Energie und Dunkle Materie

Der Physik-Nobelpreis geht zur anderen Hälfte an den kanadischen Kosmologen James Peebles von der Princeton University, USA. Er habe mit seinen Arbeiten zur physikalischen Kosmologie das theoretische Rahmengerüst gebaut, auf dem sich unsere heutigen Vorstellungen über das Universum, seine Struktur und seine Geschichte vom Urknall bis heute abstützen, hiess es in der Begründung der Schwedischen Akademie.

Das Urknall-Modell beschreibt, wie das Universum vor fast 14 Milliarden Jahren begann sich auszudehnen. Mit theoretischen Berechnungen habe er der uralten Strahlung aus der Jugend des Universums nachgespürt und neue physikalische Prozesse aufgedeckt, schrieb die Nobelversammlung. Daraus ergab sich auch die Erkenntnis, dass nur fünf Prozent des Universums aus sichtbarer Materie besteht, die anderen 95 Prozent aus Dunkler Materie und Dunkler Energie. Die Beschaffenheit dieser beiden gehört zu den grossen Rätseln der heutigen Physik.

Gewinner erhalten 900'000 Franken

Die Nobelpreise sind pro Kategorie mit neun Millionen schwedischen Kronen (gut 900'000 Franken) dotiert. Offiziell geehrt werden die Preisträgerinnen und Preisträger am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel. Sie erhalten dann neben dem Preisgeld die berühmte Medaille sowie eine Nobelurkunde.

Es ist bereits das siebte Mal, dass der Physik-Nobelpreis an Schweizer oder Doppelbürger mit Schweizer Pass geht. Die letzte Auszeichnung liegt allerdings schon über 30 Jahre zurück. 1987 wurde Karl Alexander Müller für die Entdeckung der Supraleitung in keramischen Materialien ausgezeichnet.

In einem Tweet gratulierte Bundesrat Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), den beiden Nobelpreisträgern. «Die Schweiz bleibt die unverzichtbare Nation, wenn es um wissenschaftliche Spitzenforschung geht», schreibt der Waadtländer.

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