Gefahr von Asbest lauert in der Immunantwort des Körpers

sda

8.3.2018

Ein Arbeiter mit Atemschutz und Schutzkleidung trägt einen Plastiksack voll asbestverseuchtem Restmaterial. (Archiv)
Keystone

Dass Asbestfasern Krebs auslösen, ist schon lange bekannt. Nun haben Forschende aus der Schweiz herausgefunden, weshalb die Fasern dem Körper derart schaden.

Entgegen der landläufigen Meinung löst Asbest nicht Lungenkrebs aus, sondern gelangt durch die Lunge in eine Zellschicht, die sämtliche inneren Organe umgibt, ins Mesothel. Das Lymphsystem kann die langen und spitzen Asbestfasern aber nicht entfernen, weshalb sie dort hängen bleiben und das Gewebe immer wieder verletzen.

Wundheilung setzt ein

Obwohl Asbest an sich chemisch harmlos ist, lösen diese Mikroverletzungen eine Immunreaktion aus: Entzündungssignale werden ausgesandt und weisse Blutkörperchen angelockt. Im entzündeten Mesothel-Gewebe werden Signalstoffe für die Wundheilung aktiviert. Diese regen gleichzeitig aber auch die Zellteilung an und fördern damit die Bildung von Tumoren.

Dies fanden die Forschenden heraus, indem sie in Experimenten Asbestfasern in die Bauchhöhle von Mäusen injizierten, in der sich ebenfalls ein Mesothel befindet. Zudem stellten die Wissenschaftler eine Häufung von Mutationen in der RNA - einer Art Arbeitskopie der DNA - fest. Die Forscher gehen davon aus, dass unter anderem dadurch die Immunreaktion gedämpft wird. Das Resultat: Entstehende Tumorzellen werden nicht mehr konsequent bekämpft und es kann Krebs entstehen.

Sehr ähnlich funktioniert dies auch bei Menschen, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der die Studie finanziell gefördert hat, am Donnerstag mitteilte. In den Tumoren von Patienten mit einem schlechten Krankheitsverlauf war das Enzym, das die RNA mutiert, in grösseren Mengen vorhanden. Dies zeigt eine Analyse einer entsprechenden Gendatenbank.

Bisher eine Blackbox

"Bisher war der von Asbest verursachte Krebs eine Blackbox", wird Emanuela Felley-Bosco in der Mitteilung zitiert. Die Forscherin arbeitet am Labor für Molekulare Onkologie des Universitätsspitals Zürich, das an der Studie massgeblich beteiligt war.

Die Resultate seien nützlich, um schon die frühen Signale der Entzündung zu erkennen und eine spezifische Therapie gegen den Mesothel-Krebs zu entwickeln. "Eine Therapie gegen die Hemmer des Immunsystems ist ein vielversprechender Ansatz", so Felley-Bosco.

Die Entdeckungen könnten ausserdem zum Verständnis anderer Krebsarten beitragen, die durch chronische Entzündungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Infektionen mit Helicobacter pylori verursacht werden können.

An der Studie waren die Universitätsspitäler Zürich, Genf und Toronto (Kanada) sowie die Universität Freiburg und die ETH Zürich beteiligt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden in der Fachzeitschrift "Oncogene".

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