Studie Gesundheit im Alter hängt zunehmend vom Schulabschluss ab

SDA/tafi

12.11.2019

Die Schweizer Gesellschaft wird älter, aber nicht alle Menschen bleiben auch länger gesund.
Die Schweizer Gesellschaft wird älter, aber nicht alle Menschen bleiben auch länger gesund.
Symbolbild: DPA/Mohssen Assanimoghaddam

Frauen und Männer in der Schweiz werden immer älter. Ob sie gesund bleiben, hängt laut einer Studie auch vom Bildungsniveau ab. Wer nur die Pflichtschule absolviert hat, dem drohen mehr Jahre voller Gebrechen. 

Bedeutet eine höhere Lebenserwartung auch mehr Jahre bei guter Gesundheit? Oder verlängert sich damit nur der Lebensabschnitt mit stark belastenden Gesundheitsleiden? Dieser Frage ist eine Studie des Nationalen Forschungsschwerpunkts «Lives» nachgegangen. Die beunruhigende Antwort: Vor allem die Entwicklung bei Menschen mit tiefem Bildungsniveau gibt Anlass zur Sorge. Davon berichteten die Forschenden im Fachblatt «International Journal of Public Health».

Für ihre Studie werteten die Forschenden um Adrien Remund und Michel Oris von der Universität Genf Daten aus einer Langzeitstudie aus: Sie untersuchten mehr als elf Millionen Menschen, die zwischen 1990 und 2015 in der Schweiz lebten, wie die Uni Genf in einer Medienmitteilung festhielt.

Diese Daten verknüpften die Wissenschaftler mit Informationen aus den Schweizerischen Gesundheitsbefragungen. Bei ihrer Analyse unterschieden sie den Zuwachs der Lebenserwartung und die Anzahl zusätzlicher Lebensjahre bei guter Gesundheit – aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Bildungsniveau.

Die Schere öffnet sich

Der Befund: Wer nur die Pflichtschule absolviert hat, kann sich im Schnitt weniger lange guter Gesundheit erfreuen als Männer und Frauen, die einen höheren Bildungsabschluss haben. Dass Gesundheit und Lebenserwartung mit dem Bildungsniveau zusammenhängen, ist zwar aus anderen Studien bekannt. Brisant ist jedoch, dass sich die Schere im Verlauf der Jahrzehnte weiter zu öffnen scheint, wie die Forschenden berichten.



Insbesondere seit der Jahrtausendwende stagniert der Zuwachs an gesunden Lebensjahren bei Männern, die nur die obligatorische Schule abgeschlossen haben. «Die Daten über Männer mit Pflichtschulabschluss zeigen, dass es in den 2000er-Jahren keinen Anstieg ihrer gesunden Lebenserwartung gab: Sie stagnieren bei 73 Jahren», sagt Remund. Die gesunde Lebenserwartung von Männern mit Sekundarschulabschluss steigt hingegen kontinuierlich an und erreichte 2010 78 Jahre, bei Männern mit Hochschulabschluss waren es 81 Jahre.

Weniger Einkommen, weniger Check-ups

Lag die Differenz zwischen dem tiefsten Bildungsniveau und dem höchsten 1990 noch bei 7,6 gesunden Lebensjahren, war sie 2010 schon auf 8,8 Jahre angewachsen. Bei Frauen hat sich diese Differenz zwischen tieferen und höheren Bildungsniveaus von 3,3 gesunden Lebensjahren im Jahr 1990 auf 5,0 Jahre in 2010 erhöht.



Erklären könne man die Unterschiede unter anderem damit, dass Menschen mit geringeren Einkommen regelmässige Check-ups bei Ärzten hinausschöben oder ganz aufgäben, erklärte Oris gemäss der Mitteilung. «Sie meiden Vorsorgeuntersuchungen, weil sie zu teuer und nicht von der Versicherung abgedeckt sind.» Weniger Prävention bedeute, dass chronische Erkrankungen später entdeckt würden und sich die Gesundheit schneller verschlechtere.

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