Island erklärt ersten Gletscher für «tot»

SDA

19.8.2019 - 10:13

Schuld ist der Klimawandel: Auf Island ist ein Gletscher symbolisch zu Grabe getragen worden, nachdem er massiv geschrumpft war.

Ein Opfer der Erderwärmung: Der 700 Jahre alte Okjokull gilt formell nicht mehr als Gletscher, weil er mit nur noch 15 Metern Eisdicke zu leicht geworden ist, um sich vorwärts zu schieben.

An der Abschiedszeremonie nahmen am Sonntag rund hundert Menschen teil, darunter Regierungschefin Katrin Jakobsdottir. An Ort und Stelle wurde eine Tafel enthüllt mit der Überschrift «Ein Brief an die Zukunft».

Darauf heisst es weiter: «In den nächsten 200 Jahren ist zu erwarten, dass alle unsere wichtigsten Gletscher den gleichen Weg gehen. Diese Gedenktafel dient dazu, anzuerkennen, dass wir wissen, was vor sich geht und was zu tun ist.»

Auf der Tafel ist zudem die im Mai gemessene CO2-Konzentration von 415 Teilen pro Million (ppm) vermerkt. Dies war der höchste jemals gemessene Kohlendioxid-Gehalt in der Erdatmosphäre.

Im Jahr 1986 (links) noch ein stolzer Gletscher, nun ist er offiziell «tot» (rechts): der Okjokull-Gletscher in Island.
Bild: Keystone

Gesicht der Klimakrise

«Ich hoffe, dass diese Zeremonie als Inspirationsquelle nicht nur für uns hier in Island, sondern auch für den Rest der Welt dient», sagte die isländische Ministerpräsidentin Katrin Jakobsdottir.

Schliesslich sei hier «ein Gesicht der Klimakrise» zu sehen. An der Zeremonie nahmen auch die frühere Uno-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson sowie zahlreiche isländische Forscher und Wissenschaftler der Rice University in den USA teil, die das Anbringen der Gedenktafel initiiert hatten.

Gletscherforschung in Zürich

Schmelzende Gletscher verlieren weltweit nach neuen Schätzungen jährlich rund 335 Milliarden Tonnen Eis. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Zürich, die Satellitenmessungen und Beobachtungen vor Ort ausgewertet haben.

Zahlreiche Menschen wandern über die Reste des Okjokull zu einer Gedenkveranstaltung für den vergangenen Gletscher.
Bild: Felipe Dana/AP

Der federführende Forscher Michael Zemp von der Universität Zürich sagte im April, die Welt verliere damit jährlich rund drei Mal das verbleibende Gletschervolumen der Europäischen Alpen. Die Gletscher hätten zwischen 1961 und 2016 mehr als 9'000 Milliarden Tonnen Eis verloren.

Anfang des Monats hatte der Weltklimarat IPCC in einem Sonderbericht festgestellt, dass der weltweite Temperaturanstieg über den Landflächen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits bei 1,53 Grad liegt.

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