Wie können wir verhindern, dass ein neues Virus kommt?

tsha

23.3.2020 - 14:15

Auf einem Markt wie diesem in Wuhan könnte das Coronavirus seinen Ursprung haben.
Bild: Keystone

Die Corona-Pandemie könnte erst der Anfang sein: Wissenschaftler warnen vor einem neuen Virus, das Hunderte Millionen von Menschen töten könnte – sofern China nicht handelt.

Das neuartige Coronavirus hat weltweit zu Tausenden Todesfällen geführt; Hunderttausende Menschen haben sich infiziert, und der Höhepunkt der Krise ist wohl noch nicht erreicht. In einem Text für das «Wall Street Journal», der in der «Süddeutschen Zeitung» auch auf Deutsch veröffentlicht wurde, fordern zwei renommierte Wissenschaftler nun: Jetzt ist der Zeitpunkt, sich Gedanken darüber zu machen, wie der Ausbruch eines ähnlichen Virus in Zukunft verhindert werden kann.

«Schon während der SARS-Epidemie 2002 und 2003 haben wir es versäumt, uns für die wahrscheinlich nächste Epidemie zu rüsten. Wir hätten sie verhindern können», so Evolutionsbiologe und Bestseller-Autor Jared Diamond und Virologe Nathan Wolfe in ihrem Beitrag.



Das aktuell grassierende Coronavirus sei eine Zoonose, also eine Krankheit, die von einem Tier auf den Menschen übergesprungen sei. Schon bei SARS sei das der Fall gewesen, der Ursprung der Epidemie habe auf Wildtiermärkten in China gelegen.

Diese Märkte seien der perfekte Ort für Zoonosen, um sich einen neuen Wirt zu suchen, vor allem in China. Denn das Land habe nicht nur mehr Einwohner als jedes andere Land der Welt, auch seien die Einwohner Chinas dank einer guten Infrastruktur hervorragend vernetzt. Ein Virus, das auf einem chinesischen Markt auf einen Menschen überspringe, könne sich von dort aus rasant verbreiten.

«Nicht die letzten Epidemien»

«Als SARS sich 2004 von den Märkten aus verbreitete, hätte China das als Weckruf verstehen müssen, sie dauerhaft zu schliessen. Sie blieben geöffnet», so die Autoren. Zwar gebe es noch keinen Beweis, dass Covid-19 tatsächlich seinen Ursprung auf einem Wildtiermarkt in Wuhan habe, alles deute aber darauf hin. Entsprechend habe die chinesische Regierung Wildtiermärkte im ganzen Land nun geschlossen.

Das Problem sei damit aber noch lange nicht gelöst, so Diamond und Wolfe. Denn: «Die zweite grosse Kontaktstelle zwischen Menschen und Wildtieren hat die Regierung keineswegs unterbunden: den Handel mit lebenden Tieren für die traditionelle Medizin.» So würden etwa die Schuppen von Schuppentieren «in riesigen Mengen» in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) verwendet werden. Auch beim Handeln mit diesen Tieren könne das Virus auf den Menschen überspringen.

Diamond und Wolfe fordern die chinesische Regierung deshalb auf, den Wildtierhandel generell zu verbieten, auch wenn die TCM tief verwurzelt sei in der chinesischen Kultur.

«Passiert das nicht, können wir mit einiger Sicherheit vorhersagen, dass SARS und Covid-19 nicht die letzten Epidemien gewesen sein werden, die sich global ausbreiten», so die Autoren. Das nächste Virus könne gar noch schlimmer werden als das aktuelle Coronavirus und «mehrere Hundert Millionen Menschen töten».

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