Vollständige Prozessakten

Neues Werk gibt Zeugnis über schaurige Hexenprozesse im Wallis

SDA/tafu

23.11.2020 - 17:19

Der Boeoegg brennt, ca. 18 Minuten, am Funkensonntag, aufgenommen am Sonntag, 14. Februar 2016 in st. gallischen Wittenbach. Von der ersten bis zur vierten Klasse verkleiden sie sich als weisse Schellenklaeuse mit den verzierten Iffeln, von der fuenften Klasse an aufwaerts als braune Hexen mit den Holzlarven. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Während des 15. Jahrhunderts wurden in Goms mindestens zehn Menschen mit dem Feuertod bestraft. Der Vorwurf: Sie sollen Hexen gewesen sein. (Symbolbild) 
Bild: KEYSTONE/Ennio Leanza

Ein neues Standardwerk des Staatsarchivs Wallis gibt Einblick in Hexenverfolgung des 15. Jahrhunderts. Darin enthalten: Vollständige Prozessakten der zum Feuertod verurteilten «Hexen».

In den 1960er-Jahren des 15. Jahrhunderts fand im Goms VS eine Hexenjagd statt: Auf einem Hügel in Ernen erlitten mindestens zehn Personen den Feuertod. Das Staatsarchiv Wallis hat nun ein 650 Seiten starkes Standardwerk der Historikerin Chantal Ammann-Doubliez über die Hexenprozesse im Goms veröffentlicht.

Die aussergewöhnlich gut erhaltenen und vollständigen Prozessakten von zwei Männern, einem Schuhmacher und einem Schneider, sowie von einer Mutter und ihrer Tochter, zeugen von der damaligen Hexenverfolgung im Goms, wie der Kanton Wallis mitteilte.



Hunger, Epidemien und andere Katastrophen bedurften im Mittelalter einer Erklärung – Schuldige mussten her. So warfen Staat und Kirche gewissen Menschen vor, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben.

Geständnisse nach Folter

Wollte man eine Hexe bestrafen, so brauchte es ein Geständnis. So bestätigen die historischen Dokumente, dass die Angeklagten nach erlittener Folter eine Begegnung mit dem Teufel gestanden. Sie offenbarten ihre Untaten und nannten Komplizen, die sie bei erfundenen Versammlungen getroffen haben sollen.

Auch die Mitbürger spielten eine Rolle bei den Hexenverfolgungen, indem sie die Angeklagten verdächtigten und beschuldigten. So zeugen Voruntersuchungen bei den Leuten im Dorf davon, dass diese den schlechten Ruf der Angeklagten zementierten: Aufgrund von Gerüchten warfen sie ihr bösen Schadenzauber vor.



In der Schweiz wurden im Mittelalter Tausende Menschen als Hexen ermordet, in der Westschweiz war die Verfolgung am heftigsten. Die ersten Hexenverfolgungen fanden um 1430 im Wallis statt.

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