Klimawandel radiert fast jeden zweiten Strand aus

uri

8.3.2020 - 14:00

Das an Stränden reiche Australien ist durch den Klimawandel besonders betroffen. Bis zur Jahrhundertwende könnten hier rund 15'000 Kilometer Strand verloren gehen. Im Bild setzt ein Sturm dem Strand in Collaroy, Sydney, zu. 
Bild: Keystone

In gar nicht so ferner Zukunft könnten Strandferien vielerorts der Vergangenheit angehören: Durch den Klimawandel dürften bis zum Ende des Jahrhunderts fast die Hälfte alle Strände verschwinden.

Über ein Drittel der Küstenlinien weltweit machen feine Sandstrände aus. Sie sind nicht nur willkommene Touristendestinationen und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern erfüllen als Pufferzonen zwischen Meer und Land auch wichtige ökologische Funktionen.



Die beliebten Erholungsgebiete geraten durch den Klimawandel allerdings stark unter Druck, wie Forscher diese Woche im Fachmagazin «Nature Climate Change» schreiben.

Der Bondi Beach in Australiens Metropole Sydney gehört zu den bekanntesten Stränden der Welt. An belebten Tagen sieht er bis 40'000 Besucher.
Bild: Keystone

Der Klimawandel geht auch den Stränden mächtig an die Substanz. Laut der Studie werden bis zum Ende des Jahrhunderts 50 Prozent von ihnen verschwunden sein. Schon in 30 Jahren seien laut der Prognose zwischen 14 und 15 Prozent der Küstenlinien nicht mehr wiederzuerkennen.



Durch Erosionsvorgänge werden viele Strände bereits jetzt immer kleiner. Wie die Forscher der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission und verschiedener Universitäten aus Spanien, Portugal und den Niederlanden herausgefunden haben, kommt mit dem Klimawandel – und dessen Folgen wie ansteigende Meeresspiegel und schwere Stürme – eine noch viel grössere Bedrohung auf die Küstenlinien zu.

Australien verliert mindestens 11'500 Kilometer Strand

Durch die Auswertung von Satellitendaten aus den Jahren zwischen 1984 und 2015 simulierten die Wissenschaftler zwei Szenarien für Küsten: In einer wurde eine ungebremste Erderwärmung (RCP8.5) bis 2100 angenommen, in der anderen wurde diese wenigstens durch «begrenzte Klimaschutzmassnahmen» (RCP4.5 ) abgemildert.

Die schönsten Strände 2019

Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend, wie das Team um den Küstenozeanografen Michail Vousdoukas festhält. Die Analysen zeigten «einen allgemeinen Erosionstrend, der mit der Zeit und der Intensität der Treibhausgasemissionen zunimmt». Hauptsächlich verantwortlich sei dafür der Meeresspiegelanstieg.

Besonders betroffen vom Verlust von Stränden ist gemäss der Simulation Australien. Das Land verliere bei ungebremster Klimaerwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts rund 15'000 Kilometer an Sandstränden. Auch mit «begrenzten Klimaschutzmassnahmen» werde das Land noch immer 11'500 Kilometer Sandstrand verlieren. Das entspreche etwa 50 Prozent der Strände an der Küste des Kontinents, so die Forscher.

Klimaschutz als beste Massnahme

Am meisten seiner Strände einbüssen – nämlich über 60 Prozent –, würden Länder wie die Demokratische Republik Kongo, Gambia, Jersey, Guinea und Pakistan, während Kanada, Chile, Mexiko, China und die USA noch hohe Verluste zu verzeichnen hätten. Im schlimmsten Falle könnten das für die USA etwa 5'500 Kilometer bis zum Jahr 2100 bedeuten.



Da viele der Strände in dicht besiedelten Gebieten liegen, bedeute ihr Schrumpfen ein geringerer Schutz vor Fluten und Stürmen für die dort lebenden Menschen, so die Forscher. Zudem seien grosse Einbussen beim Tourismus zu erwarten, was vor allem für wirtschaftlich schwache Länder ein Problem sei.

Um der Entwicklung etwas entgegenzusetzen, empfehlen die Autoren eine Reduzierung der Erosion durch intelligente Küstenplanung, wie sie etwa in den Niederlanden betrieben werde. Allerdings sei der beste Massnahme der Klimaschutz: Bereits «eine moderate Reduzierung von Klimagasen könnte den errechneten Rückgang der Küstenlinie bis 2050 um 17 Prozent reduzieren, bis zum Ende des Jahrhunderts sogar um 40 Prozent», schreiben die Wissenschaftler. 

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