Wie einer der gefährlichsten Seen der Welt entschärft werden soll

DPA/phi

8.2.2019

Der Kiwusee zwischen Ruanda und Kongo ist wegen im Wasser gelöster Gase eine Gefahr, die explosionsartig zwei Millionen Menschen töten könnte. Nun gibt es eine Lösung für das Problem.

Der Kiwusee zwischen Ruanda und Kongo ist geologisch gesehen etwas Besonderes: Sein Grund liegt 480 Meter unter der Erdoberfläche, womit er zu den zehn tiefsten Seen der Welt gehört. Weil es in der Gegend keine grossen Temperaturschwankungen zwischen den Jahreszeiten gibt, kommt es kaum zu einem Austausch des Wassers im See. 



Der hohe Druck in der Tiefe und die stabile Wasserschichtung sorgen im Zusammenspiel mit Vulkanen dafür, dass der Kiwusee explodieren könnte: In den Tiefen schlummern grosse Mengen Methan und Kohlendioxid (CO2). Beim ersteren Gas gehen Fachleute von einem Vorkommen von 60 Kubikkilometer aus, beim CO2 sollen es 225 Kubikkilometer sein.

Bis zu zwei Millionen Menschen bedroht

Das macht das Gewässer zur potenziellen Todesfalle: Wenn Gase im grossen Stil entweichen, formen sie eine Wolke, die so ziemlich alles Leben tötet, was sich ihr in den Weg stellt. Das könnte beispielsweise der Fall sein, wenn ein Vulkan ausbricht: Bis zu zwei Millionen Menschen rund um den See würden bei diesem Szenario ersticken. Zudem würde eine grosse Flutwelle. weitere Opfer fordern.

Vulkane könnten der unerwünschte Funke sein, der die Gase des Kiwusees entzündet.
Bild: keystone

Die Gefahr eines verheerenden Gasunglücks mit vielen Tausend Toten soll nun verringert werden. Ein 400-Millionen-Dollar-Projekt in Ruanda soll künftig das Methan für die Energiegewinnung nutzbar machen – und gleichzeitig die Angst vor einer Katastrophe in Luft auflösen.

Der Kiwusee liegt an der Grenze von Ruanda und dem Kongo und ist etwa sechs Mal so gross wie der Bodensee. Die Initiative werde nicht nur sauberen Brennstoff produzieren, sondern auch Jobs schaffen und die Gasexporte erhöhen, teilte die Leiterin der ruandischen Entwicklungsbehörde (RDB), Clare Akamanzi, mit. 

400 Stellen auf See

«Die Gase sind eine ernsthafte Bedrohung für alle Lebewesen in der Nähe des Sees, die auf Sauerstoff angewiesen sind», sagte Akamanzi am Dienstag. Gleichzeitig werde das hergestellte Methan dabei helfen, die Nutzung von Holz und Holzkohle als Kochbrennstoff reduzieren.

Das Unternehmen Gasmeth Energy plant laut der RDB den Bau einer Gasförderungsanlage auf dem See. Dort soll das Methan gewonnen und vom Wasser getrennt werden. In einem Werk an Land soll es dann komprimiert und im In- und Ausland verkauft werden.

Das Projekt soll demnach während des Baus 600 bis 800 Stellen schaffen, danach wird es rund 400 Mitarbeiter haben. Das Abkommen mit der ruandischen Regierung gilt für 25 Jahre, sagte Stephen Tierney, der Chef von Gasmeth Energy.

Tatort Urmia-See:

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