Woran Corona-Infizierte sterben

AFP/uri

19.2.2021 - 09:58

A tracheotomy is performed on a COVID-19 patient in the intensive care unit of the Lugano Regional Hospital (Ente Ospedaliero Cantonale), on Monday, 16 November 2020, in Lugano, Switzerland. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)
Bei 84 Prozent der Corona-Toten soll das Virus die Ursache für das Ableben sein. 
Bild: Keystone

Viel wird diskutiert, ob Menschen «am Coronavirus sterben oder mit dem Virus», also an ihren Vorerkrankungen. Rechtsmediziner in Hamburg sind der Frage noch einmal gründlich nachgegangen und haben dazu 735 Verstorbene obduziert. 

Die allermeisten Corona-Todesfälle gehen einer aktuellen Studie zufolge direkt auf das Virus zurück – und nicht auf eine Vorerkrankung. In einer am Donnerstag vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) veröffentlichten Auswertung war bei 618 von 735 Verstorbenen deren Covid-19-Erkrankung die Todesursache. In sieben Prozent der Fälle waren die Verstorbenen zwar mit dem Covid-Erreger infiziert, die Infektion war aber nicht die Ursache für den Tod.

Krankhaftes Übergewicht

20 Prozent der Verstorbenen wiesen den Angaben zufolge ein krankhaftes Übergewicht auf. Zu den häufigsten Vorerkrankungen zählten ausserdem Bluthochdruck, eine chronische Niereninsuffizienz oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung.

Im Mittelwert – dem sogenannten Median – waren die Covid-19-Verstorbenen 83 Jahre alt, 75 Prozent aller Todesopfer waren älter als 76 Jahre. Die verstorbenen Männer waren demnach statistisch etwas jünger als die Frauen, und es verstarben mehr Männer als Frauen.

Schutz der Hochrisikogruppe

Bei 84 Prozent der Corona-Toten sei das Virus die Ursache für das Ableben, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Nachrichtenagentur AFP. «Die allermeisten Menschen sterben nicht mit, sondern an Covid-19.» Deshalb müsse der Schutz der Hochrisikogruppe endlich konsequent greifen. «Da die meisten Virustoten in den Pflegeheimen zu zählen sind, ist das mit einem sicheren Infektionsgrundschutz und täglichen Testungen möglich.»

Die Rechtsmediziner konnten im Rahmen der Vorstellung ihrer Studie auch eine gute Nachricht übermitteln: So sei die Zahl der Covid-19-Toten aufgrund von Lungenembolien merklich gesunken, was inzwischen vor allem an der Gabe von Blutverdünnungsmitteln liege.

Nichtsdestotrotz hätten Verstorbene bei der Obduktion teils aber immer noch Blutgerinnsel in den Lungenschlagadern aufgewiesen. Allerdings hätten statistische Auswertungen längere Überlebenszeiten seit einer entsprechenden Therapieumstellung gezeigt, sagte Benjamin Ondruschka, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin, Benjamin Ondruschka dem NDR Fernsehen.

Keine Toten im Zusammenhang mit Impfung

Ondruschka sagte dem Sender zudem: «Bisher können wir von keinem Fall berichten, wo ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen dem Tod und der vorher verabreichten Impfdosis existiert». Man werde aber auch diesen Aspekt noch weiter gründlich untersuchen. 

Das Institut für Rechtsmedizin des UKE hatte seit Beginn der Pandemie eine Evaluation von 735 SARS-CoV-2 assoziierten Todesfällen aus dem Jahr 2020 durchgeführt. Rund zwei Drittel der Untersuchten starben während der zweiten Pandemie-Welle ab Oktober, die meisten im Dezember.

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