Der Fall Kimmich und seine Konsequenzen

Luca Betschart

25.11.2021

Joshua Kimmich muss derzeit von einer Quarantäne in die nächste.
Bild: Keystone

Mit Joshua Kimmich infiziert sich ausgerechnet der wohl berühmteste ungeimpfte Deutsche mit dem Coronavirus. Das dürfte die Debatte bei den Bayern weiter anheizen.

Luca Betschart

25.11.2021

Die Corona-Turbulenzen beim FC Bayern nehmen vorerst kein Ende. Am Mittwoch wird bekannt, dass es mit Joshua Kimmich nun Deutschlands wohl berühmtesten Ungeimpften erwischt hat. Dem Mittelfeldspieler geht es nach Angaben seines Vereins gut. Nach der wochenlangen Debatte um Kimmichs Impfstatus dürfte seine Ansteckung die Diskussionen dennoch neu anheizen und Konsequenzen mit sich bringen.



Die lange Zwangspause

Der 26-Jährige befindet sich derzeit mehr in Quarantäne als auf dem Fussballplatz. Als ungeimpfte Kontaktperson des infizierten Teamkollegen Niklas Süle muss Kimmich bereits Anfang November während der Länderspielpause in Quarantäne. Kaum ist die überstanden, muss sich Kimmich nach einem Kontakt zu einer infizierten Person im privaten Umfeld erneut isolieren. Nun weist Kimmich selbst einen positiven Test vor. Die Folge: mindestens 14 Tage Quarantäne. Hat er keine Symptome, danach kann er sich freitesten.

Aber ob er nach den turbulenten und fussballfreien Wochen sowie der Corona-Infektion in Topform zurückkehren wird? Mit Ramy Bensebaini von Gladbach oder Freiburg-Verteidiger Jonathan Schmid gibt es Beispiele von Bundesliga-Profis, die Wochen oder gar mehrere Monate brauchten, um nach der Ansteckung wieder in die Spur zu kommen.

Die Auswirkungen für Bayern

Der Ausfall des Schlüsselspielers schmerzt die Bayern enorm, vor allem, weil die Personalsituation wegen Verletzungen und Corona-Infizierten ohnehin schon angespannt ist. Kimmich fehlte seiner Mannschaft bereits in Augsburg und Kiev. Gegen Bielefeld und dann vor allem im Liga-Gipfel in Dortmund wird Trainer Nagelsmann wohl ebenfalls auf seinen Mittelfeldstrategen verzichten müssen. Auch der Einsatz im Champions-League-Spiel gegen Barcelona (8. Dezember) steht derzeit in den Sternen.

Die Debatte um Kimmichs Impfstatus stellt den Verein aber auch andersweitig auf die Probe. Immer wieder dringen zuletzt interne Informationen an die Öffentlichkeit, die nicht oder zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt dafür bestimmt sind. Selbst Kimmichs positives Testresultat wird von der «Bild» noch vor der offiziellen Bestätigung des Klubs kommuniziert – mit Verweis auf Informationen «aus dem Mannschaftskreis». Durchaus denkbar, dass die aktuellen Unruhen neben Kimmichs Image auch jenes des Klubs beeinträchtigen. Und wie steht es um das Verhältnis zwischen Spieler und Vereinsführung?

Die anhaltende Grundsatzdiskussion

Bereits vor seiner Infizierung rückt Kimmich unfreiwillig ins Zentrum der gesellschaftlichen Impfdebatte. Nachdem er leichte Zweifel bezüglich möglicher Langzeitfolgen äussert, mischt sich irgendwann gar Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Zuletzt thematisieren Spitzenpolitiker wie Bayerns Ministerpräsident Söder gar ein Spielverbot für Ungeimpfte. Und der FC Bayern ist nicht mehr bereit, für seine ungeimpften Spieler aufzukommen, streicht den unwilligen Profis während der Quarantäne das Gehalt. Grundsätzliche Fragen, die durch den Fall Kimmich weiter an Brisanz gewinnen.

Für den Moment hat sich die Frage nach der Dringlichkeit einer Impfung beim 26-Jährigen erledigt. Nach der Infektion gilt er für sechs Monate als geschützt – also ungefähr bis Anfang Mai und der entscheidenden Phase der Saison. Ob die Debatte dann wieder von vorne losgeht?

Für die stets emotional geführte FCB-Jahresversammlung von Donnerstagabend herrscht allerdings mit Sicherheit genügend Gesprächsbedarf. Denn dank der jüngsten Entwicklungen um Kimmich gibt es – neben den Konflikten bezüglich des Engagements in Katar – gleich zwei Baustellen auszudiskutieren.