Das Lobbying um die Aufnahme von neuen Sportarten ins Programm der kommenden Winterspiele in den französischen Alpen 2030 ist voll im Gang.
Die Skitourenrennen auf dem untersten Teil der Piste Stelvio in Bormio boten letzte Woche viel Spannung und Spektakel. Ob diese Sportart olympisch bleibt, wird sich trotzdem erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.
Mit Gravel, Radquer, Cross oder Trailrunning könnten auch Sportarten, die nicht aus dem Eis- oder Schneesport stammen, in vier Jahren in Frankreich Einzug halten. Das wäre eine echte Revolution – und sorgt bei den Wintersportverbänden für Unmut.
«Zwischen 1000 und 2500 Metern über Meer haben wir den ganzen Schnee und alle Skigebiete. Aber zwischen null und 1000 Metern Höhe gibt es nichts, obwohl das ein fantastisches Spielfeld ist. Und da denken wir an Outdoor-Sportarten: Trail, Radquer, Gravel (Radrennen auf unbefestigten Wegen und Schotterpisten). Es wäre doch schade, diese Facette nicht zu zeigen», erklärte im Dezember Edgar Grospiron, OK-Präsident der nächsten Winterspiele in den französischen Alpen.
Entscheid im Juni 2026
Angesichts der Erderwärmung und der zunehmenden Schneeknappheit plädiert der ehemalige Olympiasieger für Winterspiele, welche «die Berge des Jahres 2050» widerspiegeln. Die Auswahl der vier neuen Sportarten, die das OK um Grospiron dem Internationalen Olympischen Komitee vorschlagen kann, hält er jedoch noch geheim.
Das IOC hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um «über die Möglichkeit nachzudenken, Sportarten, die traditionell im Sommer oder im Winter ausgetragen werden, zusammenzuführen». Etwas, das die Olympische Charta bislang nicht vorsieht. Im Juni wird das IOC den Entscheid über die zusätzlichen Sportarten und Disziplinen für 2030 bekannt geben.
Während mit der Nordischen Kombination für die nächsten Winterspiele eine Disziplin verschwinden könnte, herrscht auf Seiten der potenziellen Neuzugänge grosses Gedränge: Eisklettern, Synchroneiskunstlauf, 3x3-Hockey, Telemark, Freeride erhoffen sich die Aufnahme, aber auch Sportarten ohne unmittelbaren Bezug zu Schnee oder Eis wie eben Radquer, Cross und Gravel.
Alleine, dass diese Möglichkeit in Betracht gezogen wird, liess die olympischen Wintersportverbände aufhorchen. Sie erklärten im Herbst, dies würde «die Marke, das Erbe und die Identität» der Winterspiele verwässern.
Wie sieht die Zukunft der Winterspiele aus?
Der Tenor in Wintersportverbanden lautet dahingehend, dass «die Klimafrage absolut im Zeitgeist liegt», aber angebracht wäre trotzdem, «die Olympischen Spiele für bestimmte Wintersportarten zu öffnen, die seit 30 Jahren warten, und die Wintersportarten beim ökologischen Wandel zu begleiten, anstatt alternative Wege zu gehen».
Eine andere Meinung vertritt Jean Gracia: «Das Klima verändert sich – also wie sieht die Zukunft der Winterspiele aus? Heute sprechen sie einen grossen Teil der Welt nicht an.» Gracia ist Präsident des französischen Leichtathletikverbands, er setzt sich «für Trail und/oder Cross» bei den Spielen 2030 ein. Zugleich räumt er auch ein, dass «überall ein bisschen Lobbyarbeit betrieben wird und unsere Freunde aus den Bergen nicht besonders begeistert sind».
OK-Präsident Grospiron seinerseits hat für 2030 bereits die Möglichkeit eines für die Öffentlichkeit offenen Wettbewerbs nach Art eines Trail-Lauf ins Spiel gebracht – ähnlich dem «Marathon für alle» bei Paris 2024.