Barberio zeigt wieder seine hässliche Seite und Grönborg flippt total aus

Von Marcel Allemann

22.11.2021

Zuerichs Zuerichs Cheftrainer Rikard Groenborg waehrend dem Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos, am Dienstag, 28. September 2021, im Zuercher Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Hatte nach Spielschluss einen spektakulären Auftritt: ZSC-Trainer Rikard Grönborg.
Bild: Keystone

Ein hässliches Foul, ein Trainer, der vor laufender Kamera tobt und anschliessend vor den Medien auch noch nachlegt. Bei ZSC Lions – Lausanne (1:0) ging es am Sonntag zu und her wie im hölzernen Himmel.

Von Marcel Allemann

22.11.2021

Ein spielerisches Highlight war das Löwen-Duell mit lediglich einem Törchen wahrlich nicht, die grosse Action fand auf Nebenschauplätzen statt. Da war zunächst diese Szene in der 31. Minute, als Lausannes Mark Barberio wieder einmal eine ganz hässliche Seite von sich zeigte und ZSC-Stürmer Garrett Roe mit einem üblen Crosscheck gegen den Kopf niederstreckte.

Für Roe, der schon mehrfach Opfer von Hirnerschütterungen geworden ist, war die Partie anschliessend vorbei. Benommen zog er sich in die Kabine zurück. Die ärztliche Untersuchung ergab einen Kieferbruch. Der Amerikaner wurde bereits operiert und wird den ZSC Lions während mehreren Wochen fehlen. Zum Rächer für Roe wurde dessen Sturmkollege Chris Baltisberger, der sich wutentbrannt auf Barberio stürzte und auf ihn einschlug.

Vorgeschichte aus den letzten Playoffs

Die Reaktion des Aggressivleaders der ZSC Lions ist durchaus verständlich. Denn es war nicht das erste Mal, dass Barberio gegen die ZSC Lions austickte. Die Playoff-Viertelfinals vom Frühling, als Barberio den Zürcher Sven Andrighetto auf übelste Weise von hinten in die Bande beförderte und anschliessend für sechs Spiele gesperrt wurde, sind noch in frischer Erinnerung. Es war der unrühmliche Höhepunkt einer Serie, in der Gift und Galle gespuckt wurde.

Doch zurück zu den aktuellen Begebenheiten. Um auf ein Mass zu kommen, das Barberio nach seiner Attacke gegen Roe lediglich mit zwei Minuten bestrafte und stattdessen Baltisberger mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe versah, brauchte es seitens der Schiedsrichter Michael Tscherrig und Thomas Urban schon eine gröbere Fehleinschätzung oder ein beträchtliches Mass an Fantasie. Zur Beruhigung der Geschehnisse trug ihr Entscheid jedenfalls nicht bei, die Partie blieb hitzig und bis zum Schluss immer wieder von Keilereien begleitet. 

Grönborg tobt wegen Barberio, Douay, Sekac und Trainer-Kollege Fust

Und nach Spielschluss flippte dann auch noch ZSC-Trainer Rikard Grönborg total aus, indem er sich vor laufender TV-Kamera mit der Lausanner Bank anlegte und sie aufs Heftigste beschimpfte. «Ihr seid ein Stück Scheisse», tobte der Schwede und forderte Lausannes Stürmer Florent Douay auf, rüberzukommen: «Hey, komm schon! Komm schon! Willst du es tun?» Gefolgt von einem anschliessenden Wortgefecht mit Lausanne-Trainer John Fust.

Die Stimmung war derart explosiv, dass nur wenig fehlte und die Lage nach Spielschluss wäre komplett eskaliert. Grönborg auch danach noch nicht beruhigt, als er sich den Journalisten stellte. Er schimpfte über Douay, der nur prügeln wolle. Über den Tschechen Jiri Sekac, der für seine Faustschläge nach der Sirene gesperrt gehöre.

Richtig massiv wurde es dann, als sich über Barberio äusserte. Im «Tages-Anzeiger» (Bezahlschranke) wird Grönborg wie folgt zitiert: «Wenn das auf der Strasse passiert, gibt es zehn Jahre Gefängnis. Barberio ist noch übergewichtiger als letztes Jahr. Deshalb kann er mit dem Tempo nicht mithalten. Solche Aktionen sind das Einzige, was er noch tun kann. Er hat ja gar keine Lust, hier zu sein. Ich habe keine Ahnung, wieso sie ihn überhaupt noch einsetzen.»

Auch über seinen Trainer-Kollegen Fust äusserte sich Grönborg abschätzig: «Wenn du keine Kontrolle hast über dein Team, solltest du auch nicht in dieser Liga coachen.»

Dass Grönborg durchaus laut werden kann, hatte man in Zürich gewusst. Aber derart ausgeflippt, ist er während seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit zumindest öffentlich noch nie. Es scheint so, dass der schwedische Weltmeister-Coach den derzeit auf ihm lastenden Druck spürt, denn zuletzt wurde seine Absetzung in den Medien immer wieder zum Thema.

Barberio gesteht sein Fehlverhalten ein

Mit Rang 6 und 12 Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze hinken die ZSC Lions den Erwartungen weit hinterher. Durch den desolaten Auftritt bei der  1:6-Pleite am Samstag gegen den SC Bern wurde dann auch noch ein absoluter Tiefpunkt erreicht. Wäre am Sonntag auch die Partie gegen Lausanne verloren gegangen, dann wäre die Luft für Grönborg möglicherweise sehr dünn geworden. Nun konnte er sich neu positionieren – durch drei Punkte und einen Auftritt nach Spielschluss, der in Erinnerung bleiben will.

Einem der Opfer seiner Tirade, John Fust, geht es indes gerade noch schlechter. Trotz der vielen Investitionen der Besitzer kommt Lausanne nicht vom Fleck und liegt nur auf Rang 10. Und nach dem aktuellen Null-Punkte-Wochenende (neben der Niederlage gegen die ZSC Lions setzte es auch noch ein 4:8 gegen Lugano ab) gehen dem Kanada-Schweizer allmählich die Argumente aus.

Nochmals zurück zu Barberio, der bevor Grönborg nach Spielschluss den Lead übernahm, ursprünglich für den Hauptaufreger der Partie sorgte. Nach der Partie zeigte er sich erstaunlich abgekühlt und stand sogar den Medien Red und Antwort. Gegenüber dem Tages-Anzeiger äusserte er sich zur Szene mit Roe sogar selbstkritisch: «Ich habe mir die Szene gegen Roe im Video angeschaut. Sie sieht gar nicht gut aus.»



Dass ihm nun eine neuerliche Sperre droht, ist sich der Kanadier bewusst. Und er wisse auch, dass er eine Vorgeschichte habe in der Schweiz: «Egal, wie das Urteil ausfällt, ich muss es akzeptieren.» Ein ordentliches Verfahren gegen ihn ist inzwischen eröffnet worden.