Nach Entzug für Belarus: Wie weiter mit der Eishockey-WM?

dpa/jar

19.1.2021 - 11:06

Switzerland's Leoardo Genoni in action, during the friendly Ice Hockey match between Switzerland and Latvia in Weinfelden, Switzerland, Saturday, 04, May 2019. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Wo geht die Eishockey-WM über die Bühne? Lettland soll auf jeden Fall ein Gastgeber bleiben.
Bild: Keystone

Belarus ist raus. Und wie nun weiter mit der Eishockey-WM 2021? Der Weltverband prüft mehrere Szenarien. Co-Gastgeber Lettland soll auf jeden Fall im Boot bleiben.

Bis Anfang kommender Woche will der Eishockey-Weltverband IIHF entscheiden, wo die Weltmeisterschaft im Frühling ausgetragen wird. Am Montag hatte das Exekutiv-Komitee der IIHF Co-Gastgeber Belarus die WM «aus Sicherheitsgründen» entzogen. Zuletzt waren die internationalen Proteste wegen der Machenschaften von Machthaber Alexander Lukaschenko zu gross geworden.



Der Schweizer Eishockey-Verband begrüsst den Entscheid. «Wir unterstützen ihn zu hundert Prozent. Es war das einzig Richtige», wird SIHF-CEO Patrick Bloch vom «Blick» zitiert. «Vor allem in Anbetracht der politischen Situation und der Menschenrechtsverletzungen in Belarus.» Es sei wichtig, dass man nun Gewissheit habe, dass die WM nicht in Minsk stattfinden wird. «Stand jetzt gehen wir davon aus, dass die WM 2021 durchgeführt wird. Sportlich und wirtschaftlich wäre es wichtig», so Bloch.

Die WM soll vom 21. Mai bis 6. Juni stattfinden. Ursprünglich waren das lettische Riga und das belarussische Minsk als Spielorte geplant. «Die IIHF prüft drei Optionen: Lettland alleine, Lettland mit der Slowakei und Dänemark mit Lettland», sagt Wladislaw Tretjak, Präsident des russischen Eishockey-Verbandes, der Nachrichtenagentur TASS nach der IIHF-Entscheidung am Montag. Auch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bleibt Riga in jedem Fall Spielort.

Eine WM nur in Riga gilt momentan als wahrscheinlich, da dies mit den wenigsten Reisen inmitten der Coronavirus-Pandemie verbunden wäre. Auch infrastrukturell und organisatorisch gilt eine WM nur in Riga als unproblematisch. Lettlands Regierungschef Krisjanis Karins schloss dies in einem Interview der Tageszeitung «Diena» (Montag) nicht aus. Dazu gebe es aber noch offene Fragen, besonders die Finanzierung.

IIHF rechnet mit finanziellen Forderungen von Lukaschenko

Unklar sind auch die finanziellen Folgen, die wegen des WM-Entzugs für Belarus nun auf die IIHF zukommen. Der Weltverband beruft sich auf seine eigenen Statuten. Diese böten «die Möglichkeit, eine WM aus einem Gastgeberland zurückzuziehen, wenn Grund zur Sorge besteht, dass das Wohlergehen oder die sichere Bewegungsfreiheit der Spieler, Offiziellen, Zuschauer und Medien gefährdet ist».



Die EU erkennt Lukaschenko seit der als gefälscht eingestuften Wahl vom 9. August nicht mehr als Präsidenten an. Dutzende Staaten haben Sanktionen gegen Funktionäre des Machtapparats erlassen. Bei Protesten gegen Lukaschenko gab es seit August mehr als 30'000 Festnahmen, Hunderte Verletzte und zahlreiche Tote. Zudem steht Belarus wegen mangelnder Corona-Schutzmassnahmen in der Kritik.

Trotz des Verweises auf die Statuten rechnet die IIHF nun mit finanziellen Forderungen von Lukaschenko. Einen WM-Boykott vom belarussischen Verband befürchtet die IIHF aber nicht. Zuletzt hatte 2014 eine WM in Minsk stattgefunden. Damals waren internationale Proteste im heutigen Masse ausgeblieben.

Die oppositionsnahe Athletenvereinigung «Belarusian Sport Solidarity Foundation» spricht derweil auf Facebook von einer «klugen Entscheidung», die Belarus und der Welt «den Glauben an Gerechtigkeit und universelle Werte zurückgegeben» habe. «Das ist eine hervorragende Entscheidung, die den Stolz des Diktators verletzen und zeigen wird, dass die Menschenrechtssituation in Belarus in Europa nicht ignoriert wird», erklärt der belarussische Menschenrechtsaktivist Ales Beljazki laut einer Mitteilung der Right-Livelihood-Stiftung.


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