Thornton lobt Qualitätssprung: «Kein Zufall, dass heute so viel mehr Schweizer in der NHL spielen»

SB10

19.11.2020 - 13:28

Ein Highlight für alle Hockey-Fans: Joe Thornton im Dress des HC Davos.
Bild: Keystone

Mit dem Zuzug von Joe Thornton bekam nicht nur der HCD, sondern die ganze National League eine grosse Attraktion. Der Hockey-Star spricht über seine bisherige Bilanz bei seinem dritten Gastspiel bei den Bündnern und wie lange er noch vorhat, weiterzumachen.

Aufgrund des NHL-Lockouts konnte sich der HC Davos vor 16 Jahren die Dienste von Rick Nash, Niklas Hagman und Joe Thornton sichern. Der Kanadier erinnert sich im Interview mit der «NZZ» (kostenpflichtig) an seine Ankunft im Landwassertal zurück: «Ich war überwältigt vom Bergpanorama. Ich komme aus Ontario, es gibt dort nichts Vergleichbares. Es war ein sonniger Tag, und ich habe einfach nur gestaunt. Es war Liebe auf den ersten Blick.»

Der damalige Boston-Spieler bemängelte aber öffentlich das Niveau in der Schweiz. Eine Sache, die er heute bereut: «Ich glaube, ich war einfach ein überheblicher 24-Jähriger, der glaubte, ihm gehöre die Welt. Heute sehe ich es jedenfalls anders. Die National League ist nach der NHL eine der besten Ligen der Welt. Es ist kein Zufall, dass heute so viel mehr Schweizer in der NHL spielen als vor 15 Jahren. Das Niveau hier ist sehr viel besser geworden.»



Wieso der hochdekorierte Eishockey-Star (u.a. Olympiasieger und NHL-Topskorer) mit 41 Jahren noch nicht genug hat, ist simpel: «Es mag nach einem Klischee tönen, aber ich liebe diesen Sport einfach. Ich liebe die Trainings, die Spiele, die Road-Trips, die Atmosphäre, die Garderobe. Solange ich dieses Feuer spüre, spiele ich weiter.»

Natürlich merke er nach seiner langen Karriere seinen Körper. Aber er wolle sich nicht beklagen und sei dankbar dafür, dass er gesund sei, so Thornton: «Grundsätzlich hat mich der Sport jung gehalten. Was den Kopf angeht, fühle ich mich nicht annähernd wie 41.» Der Sport sei viel schneller geworden, dafür weniger brutal, hält er fest. «Als ich angefangen habe, gab es so viele schwere, böse Gegenspieler, die dir richtig Schmerzen zufügen konnten. Die NHL hat diesbezüglich grosse Fortschritte gemacht. Ich bin heute selber neun Kilo leichter als einst.»

Persönliche Prioritäten auf dem Feld haben sich geändert

Der Stanley Cup fehlt noch in seinem Palmarès. Trotzdem sei dies nicht der Grund, wieso er noch aktiv sei: «Natürlich will ich diesen Titel holen. Und natürlich ärgert es mich, dass es bisher nicht geklappt hat. Aber ich spiele nicht deswegen Eishockey. Und ich muss auch niemandem mehr etwas beweisen.» In der kommenden Saison hat er bei den Toronto Maple Leafs einen Vertrag erhalten. Seit 2005 spielte er für die San Jose Sharks.

Ob Thornton auch nächstes Jahr für den HCD spielen wird, ist «völlig offen». Er schaue seit einer ganzen Weile von Jahr zu Jahr und sei damit gut gefahren, erläutert der smarte Center. Grund zur Hoffnung für alle Schweizer Hockey-Fans gibt es aber allemal: «Es ist möglich, dass ich hier sein werde.» 



Bis jetzt hat sich der Coup übrigens für das Team von Christian Wohlwend – trotz schlechter Klassierung in der Tabelle – gelohnt. Die Nummer 97 beansprucht dank seinem Schweizer Pass (seine Frau ist Schweizerin) keine Ausländerlizenz und spielt zudem fast zum Nulltarif für die Bündner, andererseits hat «Big Joe» bisher auch sportlich geliefert. In bisher sechs Partien traf er zwei Mal und gab vier Assists. Doch seine Skorerwerte interessieren ihn nicht (mehr) gross: «Ich denke teamorientierter als vor 15 Jahren. Es freut mich heute eigentlich mehr, wenn ein Teamkollege ein Tor erzielt, als wenn ich das selber tue.»

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