Zahner: «Wir müssen Wege finden, um die Lohnspirale zu stoppen»

Martina Baltisberger

26.11.2018

Die Klubs der National League sind nach Ablehnung des Ausländer-Antrags gefordert: Wie kann die Entwicklung der Lohnspirale gestoppt werden? ZSC-CEO Peter Zahner nennt mögliche Lösungen.

Steigende Lohnkosten beschäftigen die Schweizer Hockey-Vereine zunehmend. Grund dafür ist das Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage auf dem Spielermarkt. Vor rund einer Woche wurde in der National League über die Aufstockung von vier auf sechs Ausländer abgestimmt. Der Antrag wurde abgelehnt.

In einem zweiteiligen Interview erklärt der CEO der ZSC Lions, Peter Zahner, die Auswirkungen und er nennt Möglichkeiten, wie dem steigenden Kostendruck entgegengewirkt werden kann.


Peter Zahner, der Sechs-Ausländer-Antrag wurde mit 3:9-Stimmen abgelehnt. Haben Sie damit gerechnet, dass die Abstimmung so deutlich ausgehen wird?

Ich habe erwartet, dass der Antrag abgelehnt wird. Das hat sich schon früh abgezeichnet. Das Überraschende war nur, dass Servette-Genf als ursprünglicher Antragssteller letztlich ebenfalls dagegen stimmte. Die Genfer begründen ihren Meinungswechsel mit dem Eigentümerwechsel des Vereins.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Es ist nicht so, dass ich nun zufrieden bin oder mich als Sieger sehe. Ich mache mir immer noch Sorgen, dass sich diese Salär-Spirale weiter unaufhaltbar dreht. Der Antrag hatte Vorteile, aber eben auch viele Nachteile und Unsicherheiten. Wenn ein Gesuch zu viele Unsicherheiten und Fragezeichen birgt, bleibt man lieber beim Status Quo. Man muss nun andere Wege finden, diese Spirale zu stoppen. 

Welche Unsicherheiten sprechen Sie an?

Die Unsicherheiten sind extrem vielfältig. Einerseits wäre die Förderung des eigenen Nachwuchses durch ausländische Spieler gefährdet gewesen. Die Karrieren von Pius Suter, Roger Karrer, Chris und Phil Baltisberger beispielsweise wären vielleicht ins Stocken geraten oder in eine andere Richtung verlaufen, wenn zwei weitere Plätze mit Ausländern besetzt gewesen wären.



Aber sogenannte «Zweitklasse-Ausländer» hätten immerhin die Lohnsumme gesenkt.

Man spricht immer von den günstigen Ausländern, aber solche Spieler kann man ja auch schon heute holen. Ich bezweifle, dass die Klubs dies umgesetzt hätten. 

Gibt es weitere Gründe für das Nein der ZSC Lions?

Es hätte für uns ein Reputationsschaden entstehen können. Unsere Sponsoren und Business-Partner könnten denken, wir würden weniger auf den Nachwuchs setzen. 

Peter Zahner ist seit elf Jahren im Amt als CEO der ZSC Lions.
Bild: Keystone

Das Problem der Lohnspirale bleibt. Welche Massnahmen müssen jetzt getroffen werden?

Vor bald zwei Jahren wurde ein Dokument mit circa zwölf möglichen Massnahmen erstellt, wie wir die steigenden Löhne in den Griff bekommen. Jeder Punkt wurde mit Pros und Kontras analysiert und auf seine Machbarkeit geprüft. Ein Punkt ist der Salary-Cap, der in der Schweiz aber rechtlich nicht möglich ist. Weiter ist ein Entry-Level-Vertrag eine mögliche Option. Junge Spieler, die erstmals einen National-League-Vertrag unterschreiben, erhalten bei allen Klubs einen einheitlichen Lohn. So wird geregelt, dass nicht bereits bei den Jungen die Löhne in die Höhe getrieben werden.

Das klingt vernünftig.

Ja, so ist es. Man hat es aber als zu schwierig empfunden, dies umzusetzen, beziehungsweise zu kontrollieren. Man müsste alle Verträge irgendwo deponieren. Ein weiterer Vorschlag ist, dass jeweils zwei Junioren auf dem Matchblatt sein müssen. Es wäre zwar einfach umzusetzen. Die Gefahr von sogenannten Quoten-Junioren wäre aber da, die zu wenig Eiszeit bekommen würden. Es besteht auch die Möglichkeit, das Line Up von 20 auf 18 Spieler plus zwei Torhüter zu reduzieren. So braucht man auch zwei Spieler weniger im Kader. Die Lohnsumme könnten wir damit senken.



Die Lohnsumme der Mannschaft ja, aber inwiefern wirkt sich dies auf die Lohnspirale aus?

Wenn wir ein bis zwei Spieler weniger im Kader hätten, wären jene Spieler auf dem Markt. So würde es zu mehr Konkurrenz kommen und wir hätten wieder mehr Handlungsspielraum bei den Arbeitsverträgen.

Für welche Lösung sind Sie persönlich?

Ich finde, wir müssen die Reduktion der Spieler auf dem Matchblatt und den Entry-Level-Vertrag weiter verfolgen. Es sind gute Ansätze, die wir diskutieren sollten und die vielleicht auf eine veränderte Art und Weise durchführbar sind.



Peter Zahner ist seit 2007 als CEO bei den ZSC Lions tätig. Er holte in dieser Zeit vier Meistertitel, einen Cupsieg und gewann 2009 die Champions-Hockey-League und den Victoria Cup. Zuvor war er drei Jahre lang als Verbandsdirektor tätig. 

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