FCB-Coach Rahmen: «Das war die Basis, dass wir wieder besser spielen können»

Patrick Lämmle

17.5.2021

Heimspiel – Der Fussball-Talk vom 16. Mai 2021

Heimspiel – Der Fussball-Talk vom 16. Mai 2021

Stefan Eggli diskutiert mit Trainer Patrick Rahmen und blue-Fussballexperte Rolf Fringer unter anderem über die aktuelle Lage beim FC Basel.

16.05.2021

Im Fussball-Talk «Heimspiel» auf «blue Sport» dreht sich nach einer turbulenten Woche alles um den FC Basel. Zu Gast im Studio: FCB-Trainer Patrick Rahmen und Experte Rolf Fringer. Per Skype ist zudem Marcel Rohr, Chefredaktor der «Basler Zeitung», zugeschaltet.

Patrick Lämmle

17.5.2021

Seit Patrick Rahmen beim FC Basel als Cheftrainer übernommen hat, läuft es wieder rund. Fünf Siege, zwei Remis und eine Niederlage stehen zu Buche – dies, nachdem der FCB in den Wochen davor auf und neben dem Platz bisweilen ein desolates Bild abgab. An welchen Schrauben hat der vom Assistenz- zum Cheftrainer beförderte Rahmen gedreht – und welche Rolle spielen dabei die zuvor arg in die Kritik geratenen Führungsspieler? Auch die neuen Besitzerverhältnisse beim FC Basel sind im Fussball-Talk «Heimspiel» ein heissdiskutiertes Thema.

Rahmen über den Druck der letzten Wochen

«Wenn man auf die letzten Wochen zurückblickt, dann ist jetzt ein gewisser Druck abgefallen. Weil es war schon eine klare Vorgabe von oben, aber auch unser Anspruch als Staff und von der Mannschaft, dass wir den zweiten Platz holen. Und das konnten wir am Samstag bestätigen», so Rahmen. Was ihn und die Mannschaft erwarte, habe er ja gewusst. «Es war wichtig, dass man Ruhe reinbekommt» und der Mannschaft einen Weg aufzeige, den man gemeinsam bestreiten wolle. «Und das ist uns gut gelungen», gibt sich der Trainer zufrieden.

Welche Rolle spielen die Führungsspieler?

«In den letzten Wochen haben sie die Führungsansprüche, die wir an sie gestellt haben, wahrgenommen. Sie sind vorausgegangen und haben die Mannschaft mit dem Staff zusammengeführt. Und ich glaube, das ist das, was zählt», lobt Rahmen die zuvor in die Kritik geratenen Routiniers. «Wir werden jetzt Gespräche führen, wie die Mannschaft nächste Saison aussehen wird. Aber sie haben laufende Verträge und für mich ist wichtig, dass sie zusammen mit uns den Weg konsequent weitergehen.»

Für Fringer standen die Führungsspieler ohnehin zu Unrecht in der Kritik. «Sie verdienen in der Regel am meisten und wenn etwas nicht gut läuft, dann macht man es meistens an ihnen fest. Aber im allgemeinen Chaos können auch die sogenannten Leaderfiguren nicht erfolgreich sein.» Nur wenn man an der Basis gesund sei, könne sich der Bessere durchsetzen «und dann bist du auch wieder erfolgreich». Das habe man etwa bei Valentin Stocker gesehen, der unter Sforza zwischenzeitlich beurlaubt wurde und zuletzt unter Rahmen wieder ganz Gross aufspiele. In der Tat hat Stocker in letzten acht Spielen mit sechs Assists und zwei Toren seine ganze Klasse auf den Rasen gebracht.

An diesen Schrauben hat Rahmen gedreht

«Es war klar, dass wir jetzt Flagge zeigen müssen», sonst wäre es schwierig geworden den zweiten Platz ins Visier zu nehmen. Solidarisch und aggressiv sein, die Aufwände erhöhen, füreinander da sein, das habe er gefordert, so Rahmen. «Das war die Basis, dass wir wieder besser spielen können und das Selbstvertrauen zurückkehrt. Wichtig war auch, die Intensität im Training zu erhöhen, damit wir wieder mit einem guten Gefühl in die Spiele reingehen.» Nach und nach seien weitere Aspekte hinzugekommen, wie etwa das Spiel mit und gegen den Ball. Das habe zwar noch nicht immer gut funktioniert, «aber ausser gegen YB konnten wir immer punkten».

Was bleibt von der Ära Burgener?

«Dass es für jeden, der nach der Ära Heusler gekommen ist, ganz schwer war», meint Fringer. Burgener habe aber keineswegs alles falsch gemacht: «Ich glaube, er hat es von den Finanzen her hervorragend gemacht, gerade in der schwierigen Pandemie-Zeit.» Was den sportlichen Bereich und die Kommunikation anbelange, da sei vieles auf der Strecke geblieben. Nun habe Burgener aber «Grösse bewiesen» und einen gesunden Verein in Basler Hände gelegt. «Ich glaube, somit hat er seine Aufgabe erfüllt. Von jetzt an kann man wirklich nach vorne blicken und sich vermehrt aufs Sportliche konzentrieren.»

Was das Finanzielle angeht, da teilt Rohr die Meinung von Fringer nicht. «Die alte Führung hat 40 Millionen Franken auf die hohe Kante gelegt. 40 Millionen, die Burgener in den letzten vier Jahren verbrannt hat.»

Kehrt unter David Degen wieder Ruhe ein?

Mit Blick auf den Besitzerwechsel meint Rohr: «Da ist allen ein riesiger Stein von der Seele gepurzelt», denn jetzt herrsche Aufbruchstimmung. «David Degen und seine neue Crew müssen diese Aufbruchstimmung jetzt nutzen und sie müssen vor allem viele, viele, viele kluge Entscheidungen fällen auf sportlicher Ebene, damit man den Anschluss an YB wieder schafft.» Degen habe alle überrascht, ist sich Rohr sicher. «Er hat immer ganz klar kommuniziert, er hat einen Plan gehabt und er hat sich auch nicht provozieren lassen.» Nun sei es ganz wichtig, dass Degen – wie Burgener vor vier Jahren – eine faire Chance erhalte.

FC Basel 
Kehrt unter der Führung von David Degen wieder Ruhe ein?

Die grösste Gefahr für die neue Führung sieht Fringer in deren Grösse: «Es ist nicht so einfach, wenn man sieben Leute in einem Verwaltungsrat hat. Da muss man sich Grenzen setzen und ganz klar sagen, wer kommuniziert was nach Aussen. Sonst hat man wieder einen Hühnerhaufen.» Aber so wie er Degen jetzt erlebt habe, scheine der das zu wissen. Dass jeder seine Rolle kenne, das sei der entscheidende Punkt. «Darum habe ich auch gesagt: ‹Man ist jetzt aus der Sackgasse herausgekommen, man ist jetzt am Kreisel. Aber man muss jetzt die richtige Abzweigung erwischen. Das ist sicher eine Herausforderung, sich mit sieben Leuten so zu verhalten, dass man alles im Griff hat und die nötige Ruhe einkehr.›»

Die Zukunft wird zeigen, ob der FC Basel die richtige Abzweigung erwischt hat. Wenn nicht, dann droht dem FCB mittelfristig wohl der Fall in die Bedeutungslosigkeit.

Das darfst du als FCB-Fan nicht verpassen

Richtigen FCB-Fans legen wir ans Herz, die ganze Sendung zu schauen (Video am Anfang des Artikels). Denn es werden weitere Aspekte beleuchtet und noch tiefer gegraben. Reinschauen lohnt sich.

Bereits am kommenden Freitag steht dann das letzte Spiel der Saison auf dem Programm. Basel gastiert in Sion und könnte die Walliser mit einem Sieg in die Challenge League schicken – auf «blue Sport» bist du auch dann wieder live dabei.