Meistermacher Spycher

YB will nicht mit Worten glänzen – und tut es trotzdem

Von Patrick Lämmle

27.1.2022

Sportchef Christoph Spycher will mit YB den fünften Meistertitel in Folge gewinnen.
Bild: Keystone

Mit Silvan Hefti und Michel Aebischer hat YB in der Winterpause zwei erfahrene Spieler verloren. Sportchef Christoph Spycher analysiert das Ganze mit kühlem Kopf und macht klar, dass die Ambitionen ungebrochen hoch bleiben.

Von Patrick Lämmle

27.1.2022

Wären die YB-Spieler in der Vorrunde immer so souverän aufgetreten, wie es ihr Sportchef an der Pressekonferenz vor dem Rückrundenstart tut, wahrscheinlich würden sich die Berner nicht in der Rolle des Verfolgers wiederfinden, sondern von der Tabellenspitze grüssen. Wenn der 43-Jährige in seiner gewohnt ruhigen Art zu den Medien spricht, über Zuzüge, Abgänge und Ziele informiert, dann kann man fast nicht anders, als an den fünften YB-Titel in Folge zu glauben.

Er vermittelt das Gefühl, dass YB alles unter Kontrolle hat. So trauert Spycher auch den Abgängen nicht hinterher, im Gegenteil. Im Fall des zu Bologna in die Serie A abgewanderten Aebischer spricht er von einem «Musterbeispiel für unseren Weg, den wir gehen wollen». Der 25-Jährige wurde bei YB intern ausgebildet und hat sich dann Schritt für Schritt nach oben gearbeitet. «Er hat auf eindrückliche Art und Weise auf dem Platz abgeliefert, ist Nationalspieler geworden, hat verschiedene Titel gewonnen und wird sein Glück jetzt in einer grossen Liga versuchen.»

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Und so hat Spycher für sämtliche Abgänge die passenden Worte, sei es für einen talentierten Spieler wie Alexandre Jankewitz, der leihweise beim FC St. Gallen parkiert wurde, um dort Spielpraxis zu sammeln, oder für einen Silvan Hefti, der wie Aebischer in die Serie A abgewandert ist. Aber auch für einen Marvin Spielmann, der bei YB nie so richtig angekommen ist und nun bei Lausanne zu alter Stärke finden will.

Jeder Wechsel scheint bis ins letzte Detail durchdacht. So natürlich auch die Neuzugänge. Und da gilt es vor allem jenen auf der Torhüterposition zu erwähnen. Mit Anthony Racioppi stösst der ehemalige Junioren-Nationalgoalie, der bei Olympique Lyon ausgebildet wurde und zuletzt in Frankreich bei Dijon spielte, zu YB und wird den verletzten David von Ballmoos vorübergehend als Stammkraft ersetzen. «Ein Torhüter, den wir schon lange auf dem Radar haben und der uns sofort weiterbringen wird», ist sich Spycher sicher.

Spycher über die Ziele

Und so wirkt es auch nicht überheblich, wenn der Sportchef trotz schwieriger Ausgangslage verkündet, dass sich an den Zielen seit Sommer nichts geändert hat. «Es ist so, dass unser erklärtes Ziel ist, den Meistertitel zu verteidigen. Ganz klar, ich glaube, alles andere wäre auch nicht glaubwürdig, wir sind der vierfache Meister. Auf der anderen Seite müssen wir auch konstatieren, das ist ein Fakt, dass wir erstmals in der Rolle des Jägers sind.» Die acht Punkte Rückstand auf den FCZ und der eine Punkt Rückstand auf Basel blendet man nicht aus. Man sei sich bewusst, dass man mehr Punkte holen müsse als in der Vorrunde, um die Ziele zu erreichen.

In Bern hat man auch Erklärungen dafür, weshalb es im ersten Teil der Saison nicht ganz nach Plan lief. «Wir hatten eine Vorrunde, die natürlich auch geprägt war von der Champions League. Wir haben dort sicherlich auch Energie gelassen, wir hatten auch mit vielen Verletzungssorgen zu kämpfen», sagt Spycher. Zu keinem Zeitpunkt beschleicht einen das Gefühl, dass er sich in Ausreden verstrickt. Zu schlüssig sind die Argumente, die er an der Pressekonferenz zutage bringt.

Am kommenden Samstag will YB die Aufholjagd starten, oder wie es Spycher ausdrückt: «Wir konzentrieren uns auf das Lugano-Spiel, wollen dann das nächste Spiel angehen und so am Schluss zeigen, welche Qualität wir haben. Aber nicht hier mit Worten, sondern dann mit Taten auf dem Platz.»

Ob es am Ende zum Meistertitel reicht, steht derzeit in den Sternen. In Stein gemeisselt ist, dass du auf blue Sport weiterhin alle Spiele der Super League live siehst.

Die Pressekonferenz mit Spycher und Wagner