Der Erfolgsmacher Die nächste goldene BVB-Ära? Lucien Favre ist besser als Klopp und Co.

pat

4.12.2018

Lucien Favre ist auf dem besten Weg, sich in Dortmund ein Denkmal zu setzen.
Lucien Favre ist auf dem besten Weg, sich in Dortmund ein Denkmal zu setzen.
Bild: Getty

2012 führte Jürgen Klopp den BVB zum letzten Meistertitel. Zum selben Zeitpunkt (13 Spieltage) hatte Dortmund in der Titel-Saison sieben Punkte weniger auf dem Konto als jetzt unter Lucien Favre. Wo hat der Schweizer die Hebel angesetzt?

Dortmund präsentiert sich so stark wie seit Jahren nicht mehr. Nach 13 Runden hat der BVB sieben Punkte Vorsprung auf Mönchengladbach, acht auf Leipzig und sogar neun auf Meisterkandidat Nummer 1, Bayern München. Der Herbstmeistertitel ist den Schwarz-Gelben so gut wie sicher, zumal das Team von Lucien Favre in der Liga noch nie verloren hat (10 Siege, 3 Unentschieden). Noch nie hatte ein BVB-Trainer einen besseren Start hingelegt. Derzeit würde es niemanden wundern, wenn wir 2018/19 den ersten Schweizer Meistertrainer in der Bundesliga sehen würden. Und auch in der Champions League ist dem Team von Favre einiges zuzutrauen, die Achtelfinals hat man vorzeitig erreicht.

Vor der Saison hätte es niemand für möglich gehalten, dass Dortmund die Liga dermassen dominieren würde. Bayern München hatte in der vergangenen Saison zum gleichen Zeitpunkt 29 Punkte auf dem Konto. Was zeichnet den BVB in dieser Saison aus?

Tore am Laufmeter

In 13 Liga-Spielen haben die Dortmunder 37 Tore erzielt, macht 2,85 pro Spiel. Unter Klopp waren es in der Meistersaison 2011/12 zum selben Zeitpunkt im Schnitt 2,1 Tore pro Spiel (Ende Saison 2,35) – obwohl die Klopp-Elf damals viel öfters aufs gegnerische Tor schoss. In der Tabelle lag der BVB in der Titel-Saison 11/12 nach 13 Runden zwei Punkte hinter Bayern München. Favre hat 77 Prozent der Liga-Spiele gewonnen, unter Klopp waren es 56 Prozent.

Favres goldenes Händchen

13 Jokertore hat Favre in der Liga bereits eingewechselt, wettbewerbs-übergreifend sind es 20 – ein unglaublicher Wert. Ein Spieler sticht dabei heraus: Paco Alcacer. Der 25-jährige Spanier stand in der Liga erst zweimal in der Startelf (ein Tor). Sechsmal kam er von der Bank und erzielte dabei neun Tore. In der Champions League fehlte Alcacer zweimal verletzungsbedingt, drei Mal stand er in der Startelf und erzielte dabei ein Tor.

Marco Reus stärker denn je

Der Stern von Marco Reus ging bei Borussia Mönchengladbach auf, als sein Trainer Lucien Favre hiess. In der ersten Saison unter Favre wurde Reus im Jahr 2012 in der Bundesliga zum «Spieler des Jahres» erkoren. Als der Schweizer im Sommer als neuer Trainer vorgestellt wurde, schwärmte der Deutsche: «Er ist der beste Trainer, den ich je hatte.» Denn Favre mache Spieler besser: «Er zeigt Dir, wie Du verteidigen sollst, wo Du richtig stehst, welchen Fuss des Mitspielers Du anspielen musst.»

Zurzeit ist Reus auf bestem Weg, zum zweiten Mal in seiner Karriere den Titel «Spieler des Jahres» abzuräumen. Der 29-Jährige spielt auf Weltklasseniveau und hat bereits neun Tore und fünf Torvorlagen auf dem Konto. Der Nationalspieler geniesst das volle Vertrauen und ist als Zehner das zentrale Element in der BVB-Offensive. In insgesamt 59 Bundesliga-Spielen unter Favre stand Reus 57 Mal in der Startelf, zwei Mal fehlte er verletzt.

Defensiv-Bollwerk

In den letzten Jahren war Dortmund in der Defensive fehleranfällig. Auch hier hat der Fussball-Lehrer den Hebel angesetzt. Nur RB Leipzig (10) hat noch weniger Gegentreffer zugelassen als Dortmund (13). Und dies, obwohl die Verteidiger noch relativ unerfahren sind. Abwehrchef Manuel Akanji ist 23 Jahre alt, Abdou Diallo 22 und Dan-Axel Zagadou sogar erst 19. Wichtig für die defensive Stabilität ist auch der 29-jährige Axel Witsel, der als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive fungiert. Mit Roman Bürki hat er zudem einen nur schwer zu überwindenden Torhüter im Kasten.

Für Unterhaltung sorgen die Spieler

Favre ist keiner, der grosse Töne spuckt. Zufrieden ist er (fast) nie. Er ist als Person kein Entertainer, doch für Spektakel sorgen seine Spieler. Und das ist das, was am Ende zählt. Und bei den Fans hat er am Wochenende zusätzlich gepunktet. In allen Bundesliga-Stadien blieb es am vergangenen Wochenende eine Halbzeit lang still, damit wollten die Fans gegen die Montagsspiele protestieren. Der Schweizer zeigte Verständnis: «Ich verstehe die Menschen total, die hier und in den anderen Spielen protestieren – auch wenn wir das natürlich bedauern. Ich würde alle Spiele am Montag total verbieten. Das ist lächerlich.»

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