Gladbach-Sportchef Eberl: «Wir sind in der Schweiz sehr präsent»

14.3.2019 - 16:29, Syl Battistuzzi

Max Eberl gehört trotz seiner erst 45 Lenzen zum Inventar der Bundesliga.
Bild: Getty

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl nahm sich vor seinem Einsatz als TV-Experte bei Teleclub Zeit für ein Interview mit «Bluewin». Hier lesen Sie den ersten Teil.


Sie sind heute als Experte für Teleclub im Einsatz. Machen Ihnen solche Sachen Spass?

Fairerweise muss ich sagen, so viele Male habe ich es noch gar nicht gemacht. In Deutschland etwa ein oder zwei Mal, und dabei werde ich natürlich oft zu unserem Verein befragt. Bei Anfragen zu Champions-League-Spielen habe ich mich bisher zurückgehalten. Am liebsten war ich natürlich selber mit meinem Verein dabei.

Ist Ihnen in dieser aktuellen Champions-League-Kampagne ein Spieler besonders aufgefallen?

Ich schaue natürlich vor allem die Spiele mit deutscher Beteiligung. Klar kenne ich die jeweiligen Teams und Spieler bereits ziemlich gut. Es gibt in der Champions League immer wieder Spieler, die für einen interessant sind. Aber wenn wir die Partie Bayern gegen Liverpool als Beispiel nehmen, sind die Spieler für uns leider nicht mehr interessant, auch wenn sie natürlich dem normalen Fussballfan grosse Freude bereiten.

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Haben Sie schon einmal einen Spieler in einem TV-Spiel entdeckt, den Sie danach umgehend verpflichten konnten?

Nein, das machen wir nicht. Es gäbe natürlich einige Spieler, die wir gerne direkt verpflichten würden, aber die können wir uns nicht leisten. In der Regel sind wir schon vorher sehr gut informiert über die Spieler. So kennen wir bei den kleineren Vereinen – oder auch beispielsweise bei Ajax Amsterdam, die aktuell für grosses Aufsehen sorgen – die Topspieler schon früher. In der Champions League können wir sie da einfach noch mehr beobachten. Aber es gab noch keinen Spieler, denn ich direkt vor dem Fernseher gesehen hätte und zu mir gesagt hätte, den muss ich holen, den wir nicht kennen.



Sie haben immer wieder Schweizer Spieler verpflichtet und dabei meist positive Erfahrungen gemacht. Wie sehen Sie aktuell das Niveau in der Schweiz? Verfolgen Sie die Super League regelmässig?

Wenn man die Schweizer Nationalmannschaft als Beispiel nimmt, war Michael Lang der letzte Spieler im Kader, der noch in der Super League spielte, alle anderen waren bereits im Ausland tätig. Natürlich leidet die Super League darunter. Die Situation ist mit Deutschland vergleichbar, wo viele Spieler in die Premier League abwandern. Wenn Topspieler eine Liga verlassen, ist es immer auch ein wenig schade, weil sie damit ein wenig Qualität einbüsst.

Und nun zur Schweiz?

Ich verfolge die Schweizer Liga regelmässig und beobachte weiterhin, ob junge Spieler auftauchen. Der FC Basel hat ja fast zwei Jahrzehnte den Schweizer Fussball dominiert. Nun scheinen ihnen die Young Boys, die auch eine sehr spannende Mannschaft haben, den Rang abzulaufen. Mit Denis Zakaria haben wir ja einen Spieler von YB verpflichtet. Ich habe YB in der Champions League verfolgt, wo sie eine Hammergruppe erwischten. Dort haben sie sich sehr gut geschlagen, was ich bemerkenswert fand.

Denis Zakaria (l.) und Josip Drmic hat Eberl in der Super League entdeckt.
Bild: Keystone

Mit Djibril Sow spielt ein ehemaliger Gladbacher bei YB stark auf. Verfolgen Sie die Entwicklung ihrer einstigen Schützlinge?

Wir verfolgen unsere Jungs. Ein Marvin Schulz, der in Luzern spielt. Oder Tsiy Ndenge, der ebenfalls dort spielt. Wir schauen schon, was unsere Jungs zeigen. Aber die Super League ist auch ein schöner Markt für uns, um die Spieler den nächsten Schritt machen zu lassen. ‹Djibi› haben wir früh von Zürich geholt, auf seiner Position gab es extrem grosse Konkurrenz. Er hat sich dann entschieden, in die Schweiz zurückzugehen. Er hat mit YB einen fantastischen Entscheid gefällt. Mal schauen, was sein Weg noch bringt.

Haben Sie hier einen eigenen Scout für die Schweiz oder wie finden Sie hierzulande ihre Wunschspieler?

Wir haben tatsächlich einen Scout, der regional für die Schweiz und Süddeutschland, gerade Baden-Wüttemberg, zuständig ist. Wenn wir Spieler verfolgen, wollen wir das intensiv tun. Wir wollen nicht nur das Spiel an sich sehen, sondern informieren uns auch, was über ihn geschrieben wird – ob irgendwas skandaltechnisches unterwegs ist oder so. Solche Dinge kriegt man besser mit, wenn man im Land selber präsent ist als aus der Ferne. Dass der Schweizer Markt für uns interessant ist, zeigt ja unsere Geschichte in den letzten zehn Jahren, wo wir sehr viele Spieler verpflichtet haben. Wir sind also in der Schweiz sehr präsent.

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