Nati-Noten: Die Schweiz bringt zwei Torten mit – Portugal die Kirsche

Aus Porto: Patrick Lämmle

6.6.2019

Die drei besten Spieler des Abends in einem Bild: Kevin Mbabu, Cristiano Ronaldo und Xherdan Shaqiri (v.l.n.r.).
Bild: Keystone

Die Schweiz verliert den Nations-League-Halbfinal gegen Portugal 1:3 – Ronaldo lässt alle Schweizer Titelträume platzen. Aber auch auf Seiten der Schweizer stechen zwei Spieler heraus. Hier sind die Nati-Noten.

Bewertungsschlüssel
6 Sackstark
5 Gut
4 Genügend
3 Schwach
2 Sehr schwach
1 Unterirdisch


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Stimmen zum Spiel


Ø  3

Torhüter

Yann Sommer

Schon nach 20 Sekunden sorgt der 30-Jährige mit seinem Ausrutscher für den ersten Aufreger der Partie. Beim Freistoss-Tor von Ronaldo macht Sommer erst einen Schritt in die falsche Richtung und bleibt dann wie angewurzelt stehen – in neun von zehn Fällen wehrt er diesen Schuss ab. Dass es definitiv nicht sein Tag ist, unterstreicht er später, indem er einen Abstoss direkt ins Seitenaus befördert. Beim zweiten Gegentreffer wird Sommer zwar auch in der Torwartecke erwischt, doch diesen Treffer muss er nicht auf seine Kappe nehmen. Beim dritten Ronaldo-Tor ist er machtlos.


Ø  5.5

Rechter Verteidiger

Kevin Mbabu

Eine Aktion aus der 4. Minute zeigt, was er für Qualitäten mitbringt. Erst erobert er die Kugel mit einem sensationellen Tackling, dann sprintet er in den freien Raum, wo er angespielt wird und den Ball dann mustergültig auf Zakaria weiterleitet. Er ist neben Shaqiri der Spieler, der am meisten Torgefahr entfacht. Mbabu verschuldet zwar den Freistoss, der zum ersten Gegentor führt und wird in der 36. Minute von Ronaldo so richtig vernascht, doch das kann seine herausragende Leistung nicht schmälern. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass es gar kein Freistoss gewesen wäre. Mbabu kommt zwar mit Maximaltempo angebraust, ehe er zur Grätsche ansetzt, trifft aber nur den Ball, nicht den Mann.


Ø  4

Innenverteidiger

Fabian Schär

Das Spiel läuft über weite Strecken an ihm vorbei, und wenn er doch mal auffällt, dann vor allem deshalb, weil er seine Gegenspieler umsäbelt. So wie etwa João Félix kurz vor dessen Auswechslung. Auf einen seiner berüchtigten langgezogenen Diagonalbälle wartet man vergeblich, vielleicht war das aber auch eine taktische Order, spielt die Schweiz doch konsequent flach hinten raus. Sein einziger Abschlussversuch – kurz vor Ronaldos Doppelschlag – fliegt meilenweit am Ziel vorbei. Grobe Schnitzer sind dem 27-Jährigen allerdings keine unterlaufen.


Ø  4

Innenverteidiger

Manuel Akanji

Mit einem katastrophalen Fehlpass serviert Akanji den Portugiesen in der 12. Minute die erste Grosschance auf dem Silbertablett, doch Ronaldo hat das Visier noch nicht gerichtet. Der 23-Jährige lässt sich dadurch aber nicht aus dem Konzept bringen und überzeugt mit seinem Mut im Spielaufbau. Abzüge gibt’s für die Schlussminuten, denn bei beiden Gegentoren ist Akanji Ronaldos direkter Gegenspieler. Allerdings macht der fünffache Weltfussballer bei diesen beiden Toren auch schlichtweg alles richtig. Akanji für die Niederlage verantwortlich zu machen, wäre lächerlich.


Ø  4.5

Linker Verteidiger

Ricardo Rodriguez

Er spielt defensiv grundsolid und streut zwei, drei perfekt gezogene Diagonalbälle ein. Flügelläufe meidet er in diesem Spiel wie der Teufel das Weihwasser – wahrscheinlich aus taktischen Gründen. In der 57. Minute verwandelt Rodriguez den Elfmeter zum 1:1. Ein bisschen Glück ist auch dabei, doch wen interessiert’s?


Ø  3.5

Rechter Mittelfeldspieler

Denis Zakaria

Mag sein, dass er defensiv die Räume gut zustellt, doch mit dem Ball am Fuss will ihm in diesem Spiel kaum etwas gelingen. Auch von seiner Offensivpower, die er bei Gladbach immer wieder zur Schau stellt, ist nichts zu sehen. In der 71. Minute wird er deshalb auch ausgewechselt.


Ø  4

Zentraler Mittelfeldspieler (Captain)

Granit Xhaka

Von seiner Bestform ist der Captain an diesem Abend weit entfernt. In der ersten Halbzeit weiss er zwar als Ballverteiler noch zu überzeugen, doch schleichen sich schon da Fehler ein. Der gröbste Fehler unterläuft ihm dann vor dem dritten Gegentor. Mit einem Fehlpass der Kategorie «unterste Schublade» leitet Xhaka den letztendlich alles entscheidenden Konter ein.


Ø  4

Zentraler Mittelfeldspieler

Remo Freuler

Freuler ist ein Teamplayer, einer der die «Drecksarbeit» für andere erledigt. Er steht deshalb selten im Scheinwerferlicht, auch gegen Portugal überzeugt er vor allem durch seinen Einsatz. Ein bisschen mehr Mut im Spiel nach vorne wünschte man sich trotzdem. Unter dem Strich eine solide Leistung, nicht mehr, nicht weniger.


Ø  4.5

Linker Mittelfeldspieler

Steven Zuber

Der 27-Jährige bleibt vieles schuldig, zwei richtig gute Aktionen hat er dann aber doch. In den Startminuten setzt er mit viel Gefühl im Fuss Shaqiri in Szene, der beinahe zum 1:0 einschiebt. Und Zuber ist es, der den VAR-Penalty herausgeholt hat. In der 83. Minute wird er ausgewechselt und sieht die grosse Ronaldo-Show von der Bank aus.


Ø  6

Hängende Spitze

Xherdan Shaqiri

Was Shaqiri zeigt, ist ein Genuss. Er spielt mit dem Selbstvertrauen eines Champions-League-Siegers und mit der Spielfreude eines kleinen Kindes. Wie eine nervige Mücke schwirrt er ein ums andere Mal um die Portugiesen und lanciert einen Angriff nach dem anderen. Sein einziges Problem: Er hat keinen Ronaldo als Teamkollegen. Freude bereitet uns aber auch eine Aktion aus der 85. Minute, denn sie zeigt, dass Shaqiri das Spiel um jeden Preis gewinnen will. Nach einem Ballverlust schaltet er blitzschnell um, jagt seinem Gegenspieler hinterher und begeht ein taktisches Foul. In der Vergangenheit wäre er in einer vergleichbaren Situation auch mal stehengeblieben.


Ø  4.5

Stürmer

Haris Seferovic

Der Torschützenkönig der portugiesischen Liga schafft es in der ersten Halbzeit immer wieder, sich in Szene zu setzen. Kurz vor der Pause küsst sein gefährlichster Torschuss die Querstange. Auch kämpferisch weiss Seferovic zu überzeugen, mal hilft er in der Not gar als Aussenverteidiger aus. In der zweiten Halbzeit hängt er etwas in der Luft, was weniger an ihm als an den Teamkollegen liegt.

Eingewechselte Spieler

Ø 

Ab 71. Minute für Zakaria – zu kurz für Benotung

Edimilson Fernandes

Der 23-Jährige kommt beim Stand von 1:1 ins Spiel, dass die Schweiz am Ende 1:3 verliert, ist nicht seine Schuld.


Ø 

Ab 83. Minute für Zuber – zu kurz für Benotung

Renato Steffen

Kurz vor dem 2:1 der Portugiesen hat Steffen seinerseits den Siegtreffer schon vor Augen, doch er wird entscheidend am Abschluss gestört.


Ø 

Ab 89. Minute für Freuler – zu kurz für Benotung

Josip Drmic

Unmittelbar nach dem 2:1 der Portugiesen wechselt Petkovic Drmic ein, in der Hoffnung, dem Stürmer gelingt noch der Lucky Punch. War wohl nix.


Telegramm

Portugal – Schweiz 3:1 (1:0)

Estadio do Dragão, Porto. – 50'000 Zuschauer. – SR Brych (GER). – Tore: 25. Ronaldo (Freistoss) 1:0. 57. Rodriguez (Foulpenalty/Foul an Zuber) 1:1. 88. Ronaldo (Bernardo Silva) 2:1. 90. Ronaldo 3:1.

Portugal: Rui Patricio; Semedo, Pepe (63. Fonte), Ruben Dias, Guerreiro; Bernardo Silva, Bruno Fernandes (91. João Moutinho), Ruben Neves, William Carvalho; João Felix (70. Guedes), Cristiano Ronaldo.

Schweiz: Sommer; Schär, Akanji, Rodriguez; Mbabu, Zakaria (71. Edimilson Fernandes), Xhaka, Freuler (89. Drmic), Zuber (83. Steffen); Shaqiri; Seferovic.

Bemerkungen: Portugal ohne Danilo (gesperrt), Schweiz ohne Mehmedi und Embolo (beide verletzt) sowie Lichtsteiner (nicht im Aufgebot). 42. Lattenschuss Seferovic. Verwarnungen: 66. Xhaka (Foul). 68. Schär (Foul). 85. Shaqiri (Foul).

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