Dietmar Hopp sät Frieden – und erntet noch mehr Hass

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4.4.2020 - 21:18

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp: Erfolgreich und umstritten.
Bild: Getty

Dietmar Hopp geht nach den heftigen Anfeindungen durch Ultras einen Schritt auf die Anhänger zu. «Ich will das alles gerne vergessen», so der 79-Jährige. Mit seinem Friedensangebot stösst er aber auf taube Ohren.

Dietmar Hopp war am Samstagabend Gast im «Aktuellen Sportstudio» des «ZDF». Bereits zuvor veröffentlichte der Sender ein kurzes Video via Twitter, worin der vielerorts verhasste Hoffenheim-Geldgeber mit grosser Enttäuschung auf die Vorkommnisse reagierte, die sich noch vor der Corona-Krise in vielen Fussball-Stadien Deutschlands abgespielt hatten

«Mich zum Gesicht für den Kommerz zu machen, ist wirklich nicht nachvollziehbar. Leider war die Hetze so perfekt inszeniert, dass Ultras vieler Vereine mitgemacht haben. Ich will das aber alles gerne vergessen, wenn es von nun an Geschichte ist», so Hopp im kurzen Einspieler.

Was tun die Fans? Munter weiter beleidigen

Die Social-Media-Verantwortlichen des «Sportstudios» mussten in der Folge zahlreiche Nutzer zur Mässigung aufrufen und drohten damit, diese zu blockieren, sollten sie ihre Wortwahl nicht anpassen. Wenngleich bereits einige User aus dem Post verbannt wurden und die schlimmsten Kommentare gar nicht einsehbar sind, so ist offensichtlich: Ein Pro-Hopp-Lager sucht man vergeblich. 

Zahlreiche Kommentare enthalten erneut Schmähungen bezüglich Hopps Mutter. Andere User verweisen auf die Nazi-Vergangenheit von Hopps Vater (Sie finden die publizierten Reaktionen im Tweet, wir verzichten auf eine wortwörtliche Wiedergabe). Gemässigte Stimmen meinen indessen: «Wenn das seine Botschaft ist, dann hat Dietmar Hopp nichts verstanden.»

Kritisiert wird aber nicht nur der Unternehmer selbst. Viele User werfen dem öffentlich-rechtlichen Sender «ZDF» vor, in der Angelegenheit nicht objektiv zu berichten. Zumal im Gegensatz zu anderen Interviewpartnern nicht die Möglichkeit besteht, auch Fragen der Online-Community einzubringen.


Ob der Auftritt im «Aktuellen Sportstudio» die Wogen zwischen den Fans auf der einen und Hopp und dem Deutschen Fussballbund (DFB) auf der anderen Seite glätten wird, muss daher bezweifelt werden. Augenscheinlich wird das Friedensangebot Hopps als einseitige Angelegenheit ausgelegt, weil das Problem primär bei den protestierenden Ultra-Gruppen gesehen wird.



Im Visier ist auch der DFB

Hopp war vor der Corona-Pause wochenlang in deutschen Fussball-Stadien angefeindet worden. Auslöser der Eskalation war eine Entscheidung des DFB-Sportgerichts. Dieses hatte eine Bewährung für Fans von Borussia Dortmund wegen fortgesetzter Hassplakate gegen Hopp aufgehoben und alle BVB-Anhänger für die nächsten zwei Jahre von Pflichtspielen ihres Vereins in Sinsheim ausgeschlossen. Solche Kollektivstrafen, die vom DFB und dem damaligen Präsident Reinhard Grindel 2017 eigentlich als abgeschafft galten, stossen in der Fanszene auf heftige Ablehnung.


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