PSG-Trainer Kritik für Tuchel: «Sie haben doch hunderte Millionen ausgegeben»

Lbe

25.10.2018

PSG-Trainer Tuchel gelingt gegen Napoli ein taktischer Coup. Nach dem Spiel wird er aber daran erinnert, dass in Paris nur der Sieg zählt.

Dank einem Geniestreich von Angel di Maria wendet Paris Saint-Germain gegen Napoli die zweite Niederlage in der diesjährigen Champions-League-Kampagne in Extremis ab. Mit seinem starken linken Fuss zirkelt der Argentinier die Kugel in der 93. Minute ins lange Eck und sorgt damit für den eher glücklichen 2:2-Ausgleich in letzter Sekunde.

Denn Napoli war im fremden Stadion insbesondere in der ersten Halbzeit die gefährlichere Mannschaft und ging durch den formstarken Lorenzo Insigne verdient in Führung. Die Italiener fanden in der Offensive immer wieder die freien Räume und deckten Schwächen in der Pariser Hintermannschaft auf. Allen voran Linksverteidiger Juan Bernat zeigte sich vom Tempo der Italiener nicht nur beim Gegentreffer zum 0:1 überfordert.

Der Spanier, der erst im Sommer aus München zu PSG wechselte, bestätigt damit unfreiwillig die harsche Kritik seines Ex-Präsidents beim FC Bayern. «Als wir in Sevilla gespielt haben, war er alleine dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden sind», behauptete Uli Hoeness jüngst an einer Pressekonferenz. Gegen Napoli wird Bernat von Trainer Tuchel früh erlöst und in der Halbzeit ausgewechselt.

Tuchel beweist taktisches Gespür

Für Bernat kommt der ebenfalls im Sommer verpflichtete Thilo Kehrer ins Spiel. Tuchel beweist Mut und nimmt neben der personellen Massnahme auch früh taktische Änderungen vor. Mit dem Ziel einer besseren Raumabdeckung in der Defensive ändert er das System von einem 4-2-3-1 zu einem 3-4-2-1 und verstärkt so seine Abwehrreihen, ohne dem furiosen Offensivtrio Cavani, Neymar und Mbappé zu viele Freiheiten zu nehmen.

Und Tuchels Plan geht auf: Zu Beginn der zweiten Halbzeit gewinnen die Franzosen im Mittelfeld die Übermacht und sichern sich so mehr Ballbesitz und Spielkontrolle. Prompt sieht sich Napoli-Trainer Carlo Ancelotti daraufhin zu einer Reaktion gezwungen, bringt Zielinski für Insigne und lässt seine Mannschaft defensiver agieren, worauf sich das Spielgeschehen ausgleicht. Mit Sicherheit auch ein Verdienst des ehemaligen BVB-Trainers.

Nur der Sieg zählt

Doch damit kann sich Tuchel bei seinem aktuellen Arbeitgeber gar nichts kaufen. Napoli hält auch nach den wirkungsvollen taktischen Veränderungen mit und geht nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Dries Mertens erneut in Führung (77.). Obwohl den kämpfenden Parisern der Ausgleich noch gelingt, genügt der Auftritt den hohen Ansprüchen in der französischen Hauptstadt nicht, wie Thomas Tuchel an der Pressekonferenz einmal mehr erfahren muss.

Als Tuchel wie bereits vor der Partie betont, wie stark der Gegner aufgestellt ist und dass er sich nie in der Favoritenrolle sah, reagiert ein Journalist verständnislos: «Aber sie haben doch hunderte Millionen Euro ausgegeben, um die Champions League zu gewinnen». «Diese Diskussion wird etwas bizarr, wir sind hier nicht im Restaurant» entgegnet Tuchel. «Sie haben mir eine Frage gestellt, ich habe ihnen meine Meinung gesagt, und die müssen Sie wohl akzeptieren.»

Tuchel ist sich offensichtlich bewusst, dass schon die Qualifikation für den CL-Achtelfinal alles andere als ein Selbstläufer wird. Vor allem in der Defensive wartet noch viel Arbeit, will man den hohen Ansprüchen gerecht werden. Ob Tuchel dazu der richtige Mann an der Seitenlinie ist, wird sich zeigen. Sein Potential hat er gegen Napoli trotz des Unentschiedens aber bewiesen.

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