Türkei beklagt «inakzeptable» Behandlung von Nationalteam in Island

dpa

10.6.2019

Reinigungsbürste im Gesicht von Emre: Eine Provaktion oder nur ein Scherz?
Bild: Getty

Vor dem EM-Qualifikationsspiel zwischen der Türkei und Island hat es bei der Einreisekontrolle der türkischen Nationalmannschaft am Flughafen von Keflavik einen Eklat gegeben.

Das Team habe etwa zwei Stunden an der Passkontrolle warten müssen und sei strengen Sicherheitskontrollen unterzogen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Insgesamt habe die gesamte Prozedur drei Stunden gedauert. Zudem habe ein Unbekannter dem Kapitän Emre Belözoglu statt einem Mikrofon eine Reinigungsbürste vor die Nase gehalten. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu nannte die Behandlung auf Twitter «inakzeptabel».

Die Flughafen-Betreiberfirma Isavia wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dass ihre Mitarbeiter aufgrund internationaler Regeln dazu verpflichtet gewesen seien, alle Passagieren einer Sicherheitsprüfung zu unterziehen. Der Vorgang hätte 80 Minuten gedauert.

Fahrettin Altun, Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, protestierte und schrieb auf Twitter, die Behandlung sei nicht vereinbar mit diplomatischer Höflichkeit oder sportlichem Verhalten. «Ich verurteile die Behörden und Beamten, die für das, was passiert ist, verantwortlich waren.» Präsident Recep Tayyip Erdogan rief den Präsidenten der türkischen Fussball-Föderation (TFF), Nihat Özdemir, an und liess nach TFF-Angaben der Mannschaft ausrichten, dass das türkische Volk an ihrer Seite stehe.

Burak Yilmaz: «Wir hatten eine 6,5-stündige Anreise und seit drei Stunden lässt man uns so warten und nicht einreisen»

Nach Angaben von Anadolu machte sich auch der türkische Botschafter in Norwegen, Fazli Corman, wegen des Vorfalls auf den Weg nach Island. Die türkische Nationalmannschaft war am späten Sonntagabend mit einem Privatflugzeug angekommen. Das Qualifikationsspiel für die EM 2020 ist am Dienstagabend.

Rächen sich die Türken – wie vor 14 Jahren gegen die Schweiz – im Rückspiel?

Am 14. November empfängt die Türkei Island zum Rückspiel. Die Stimmung dürfte dann mit dieser Vorgeschichte sicher auf dem Siedepunkt sein. Wie ein solches Szenario ausgehen kann, wissen auch noch einige Schweizer Fussball-Fans.

Am 16. November 2005 musste die Schweizer Nati nach einem 2:0-Heimerfolg in Istanbul zum Rückspiel antreten. Nach der Landung weigerten sich die Flughafen-Arbeiter, das Gepäck der Schweizer auszuladen und hielten stattdessen feindselige Transparente hoch. Nicht viel besser sah es bei der Zollkontrolle aus: Alexander Frei, der sich im Hinspiel mit Trainer Fatih Terim angelegt hatte, stand auf einer schwarzen Liste, weshalb der Zollbeamte geschlagene 31 (!) Minuten in Freis Pass blätterte, wie «Blick» schreibt.

In der Ankunftshalle empfingen gegen 400 türkische Fans die Schweizer Delegation und pöbelten lautstark. Auch die Car-Fahrt zum Hotel erweist sich, unter anderem mit Steinwürfen an die Scheiben, als sehr ungemütlich. Am schlimmsten wird es jedoch nach Spielende: Eine Massenschlägerei im Spielertunnel bricht aus. Verteidiger Stéphane Grichting erleidet bei einem Tritt in den Unterleib sogar einen Harn­leiter-Riss. Mehrere Spieler werden gesperrt oder gebüsst, darunter aber auch Schweizer, wie etwa der heutige SRF-Kommentator Beni Huggel.

«Welcome to Hell»

Plaktaufschrift von türkischen Fans

Bei diesen Tumulten geriet der sportliche Erfolg – die Schweiz qualifizierte sich mit einem 2:4 dank der Auswärtstor-Regel für die WM 2006 – leider in den Hintergrund. Hoffen wir, dass sich die unrühmliche Geschichte nicht wiederholt.

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